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Kosten/Nutzen-Rechnung - aber bitte nicht beim Fußball

Ausscheiden ist bitter. Also als Mannschaft aus einem Turnier meine ich jetzt. Das 1:2 im Viertelfinale der diesjährigen EM gegen Spanien hat alle Träume vom Titel im eigenen Land zunichte gemacht. Niemand kann das besser nachvollziehen, als Brasilien. Zehn Jahre ist es her, dass sie im Halbfinale der Weltmeisterschaft im eigenen Land rausflogen. Aber nicht mit einem knappen Siegtor in den letzten Minuten der Verlängerung. 08.07.2014 Belo Horizonte: Müller (11.). Klose (23.). Kroos (24.). Kroos (26.). Khedira (29.). Schürrle (69.). Schürrle (79.). Das Ergebnis "7:1" (portugiesisch: sete a um) ist seitdem zu einer Metapher für etwas Schlechtes geworden, das einem widerfährt. Wenn jemandem ein Missgeschick passiert, flucht er nicht selten "Gol da Alemanha!" - Tor für Deutschland.

Nun sind wir - nach dem Sommermärchen 2006 - erneut bei einem Turnier im eigenen Land vorzeitig ausgeschieden. Naja, wenigstens die Heimreise fällt dann kurz aus. Dabei wurde im Vorfeld auch wirklich keiner müde zu betonen, dass es 2024 wieder (genau) so werden müsste wie beim "Sommermärchen 2006". Ist es dann ja auch. Irgendwie (wieder kein Finale). Grundsätzlich ist der Wunsch, einen schönen Moment nochmal erleben zu wollen, nachvollziehbar, aber man sollte Erinnerungen Erinnerungen lassen und stattdessen lieber versuchen, neue Momente für die Ewigkeit zu produzieren - das gilt in allen Lebenslagen. Ein Spiel, wie das 7:1 in Belo Horizonte wird es sicherlich viele Jahrzehnte nicht mehr geben.

Und am Ende, wenn die erste Enttäuschung verflogen, die Tristesse geweicht ist, fragt man sich mitunter "War es das wert?". Wenn am Ende nicht der ganz große Triumph, der Erfolg steht, dann kommen manche ganz nüchtern zu dem Entschluss, eine Bilanz ziehen zu wollen. In vereinzelten Fällen auch finanziell gesehen. Man kennt das... bevor Geld ausgegeben wird, wird darüber nachgedacht, ob das sinnvoll ist. Zumindest meistens, ansonsten wird bzw. vielmehr wurde man schnell ein Fall für Peter Zwegat. Egal. 

Beispielsweise wenn man gerne ins Schwimmbad geht und sich irgendwann überlegt, einen Whirpool in den Garten zu stellen. Whirlpool 2.000,- Euro, Schwimmbadbesuch 15,- Euro. Müsste ich also mindestens 133 Mal den Whirlpool nutzen. Oder anders: Wenn ich einen anderen Job angeboten bekomme, bei dem ich beispielsweise 200 Euro mehr im Monat verdiene, um dort hinzukommen habe ich aber eine längere Wegstrecke und Reise(mehr)kosten von 300 Euro/Monat. Oder: Wenn ich 20 Jahre zur Miete wohne, dort (wenn es gut läuft) 1.000 Euro monatlich zahle oder dieselbe Summe in eine Hausfinanzierung stecke... im ersten Fall habe ich nach 20 Jahren - nichts. Im zweiten ein Haus. Ja sicher, das ist sehr vereinfacht alles - speziell im Miete/Eigentum-Fall habe ich als Hausbesitzer natürlich evtl. Nebenkosten und Reparaturen/Sanierungen zu tragen, welche ich als Mieter auf meinen Vermieter abwälzen kann. Aber dennoch... das Grundprinzip sollte klar sein.

Bild: Pixabay/Collage

Wir rechnen in unserer Gesellschaft sehr viel gegen. Bei Krankenhäusern ist das mit den Jahren sehr in Mode gekommen. Krankenhäuser sind (warum auch immer) Profit-Center und müssen Umsatz generieren. Deshalb werden manche (lukrative) Operationen sehr gerne und mit wenig Wartezeit umgesetzt, andere (wo die Kasse nur wenig bezahlt und wo lange Nachbehandlungen notwendig sind) eher nicht so gerne. Wo jedoch kaum jemand mal nachrechnet: Im Sport. Darum machen wir das mal heute. Bestes Beispiel: Fußball.

Das Last-Minute-Tor von Niclas Füllkrug gegen die Schweiz hatte den Fußball-Nationalspielern auch eine erste Prämie bei der Heim-EM beschert. Für den Gruppensieg, den die DFB-Auswahl in Frankfurt durch das späte Tor zum 1:1-Endstand doch noch bejubeln konnte, erhält jeder der 26 deutschen Spieler vom DFB 50.000 Euro. Dieser Betrag hätte sich für Füllkrug und Co. im Turnierverlauf aber noch bis zur Rekordprämie von 400.000 Euro erhöhen können. Diese hätte jeder Spieler beim Titelgewinn kassiert.

Der Deutsche Fußball-Bund generiert aber auch erhebliche Einnahmen bei der EM. Denn die UEFA schüttet insgesamt 331 Millionen Euro an die Teilnehmer aus. So kassiert jeder der 24 Verbände bei der Endrunde 9,25 Millionen Euro Startgeld. Der DFB konnte sich nach dem Gruppensieg und Achtelfinaleinzug schon über 13,25 Millionen Euro freuen. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus 9,25 Millionen Euro Teilnehmerprämie, jeweils eine Million Euro für die Siege gegen Schottland und Ungarn, 500.000 Euro für das Unentschieden gegen die Schweiz sowie 1,5 Millionen Euro für das Achtelfinale. Der Viertelfinaleinzug wurde mit 2,5 Millionen Euro honoriert, der Halbfinaleinzug hätte vier Millionen Euro gebracht. Der Europameister bekommt weitere acht Millionen Euro, der unterlegene Finalist am 14. Juli in Berlin fünf Millionen Euro. Der Europameister kann also schlussendlich auf maximal 28,5 Millionen Euro kommen. Soweit die "Haben"-Seite.

Doch wo Licht, da auch Schatten: Die Ausgaben. Im Jahr 2021 zum Beispiel erzielte der DFB einen Umsatz von 407 Millionen Euro. Mit rund 178 Millionen wird der Großteil dieses Umsatzes durch Sponsoring und Vermarktungsrechte erworben - sagt die eine Quelle. Die Ausgaben des DFB beliefen sich im gleichen Zeitraum auf 440 Millionen Euro. Allein das Gehalt von Julian Nagelsmann, soll sich aktuell auf stolze 4,8 Millionen Euro belaufen. Pro Jahr! Und dann gibt es ja einen schier unendlichen Stab von Menschen: Co-Trainer, Tor-Trainer, ja es gibt sogar einen eigenen Trainer nur für Standards (also Ecken und Freistöße beispielsweise). Dazu noch die gesamte medizinische Abteilung, Köche, Fahrer, Zeugwart und und und.  

Aus der erwähnten DFB-Bilanz für das Jahr 2021 ist herauszulesen: Der DFB nahm mit dem Sponsoring fast 122 Millionen Euro ein, den Mammutanteil durch das A-Team, allen voran dank der Großsponsoren Volkswagen und Adidas - übrigens ab 2027 allein 100 Millionen von Nike als Trikotsponsor und damit rund doppelt so viel wie bisher von Adidas -, aber auch dank der digitalen Banden bei Länderspielen und weiteren Partnern wie Coca Cola, Lufthansa, der Commerzbank oder Telekom und der internationalen TV-Vermarktung. Zu den 122 Millionen Euro aus dem Sponsoring gesellen sich 7,5 Millionen Euro aus dem Lizenzgeschäft (z.B. Panini-Bildchen, Nutzung des DFB-Emblems) - sagt die andere Quelle -, von denen laut Gewinn- und Verlustrechnung fast ein Viertel, nämlich 1,8 Millionen Euro, direkt an Spieler, Trainer und Manager weitergereicht werden.

Wie viel aber bekommen Nationalspieler, Bundestrainer und Assistenten sowie der Sportdirektor von den 122 Millionen aus dem Sponsoring? In der DFB-Bilanz wird lediglich ausgewiesen, dass 26,77 Millionen Euro als nicht näher bezifferter Aufwand wieder abgezogen werden, sehr viel Geld, so dass im Saldo nur noch rund 95 Millionen Euro übrigbleiben. Nachfragen beim DFB, was es mit den 26,77 Millionen Euro auf sich hat, führen weitgehend ins Leere.

Wir haben also einen dreistelligen Millionenbetrag an Einnahmen. Durch einen Europameister-Titel kämen max. 28,5 Millionen Einnahmen "on top". Und knapp 27 Mio. "nicht näher bezifferter Aufwand"... Es ist und bleibt sehr nebulös. Fakt ist auch: Durch das Vorrunden-Aus bei den Weltmeisterschaften 2018 und 2022 sind dem DFB Prämien in Millionenhöhe entgangen. So verzeichnete der DFB im Finanzbericht 2023 auch wegen nötiger Steuerrückstellungen ein Minus von 33,5 Millionen Euro. Zudem wirken sich sportliche Misserfolge auf Vertragsverhandlungen mit den Sponsoren aus.

Zu den Besonderheiten speziell des Fußballtrainerjobs gehört es aber auch, dass die vertraglich vereinbarte Entlohnung so lange niemanden interessiert wie Siege nicht ausbleiben.

Man kann nur hoffen, dass nicht allzu schnell wieder Personal in Frage gestellt wird. Insbesondere Julian Nagelsmann. Man muss lediglich mal eine Weile zurückdenken, auch eben an die letzten beiden Turniere, wo wir es nicht über die Vorrunde hinaus geschafft haben und es gab selbst in der Vorbereitung viele Zweifler. Viele haben die Nationalmannschaft da am Tiefpunkt vermutet, von einer Euphorie, wie wir sie nun rund zwei Wochen spüren konnten, war man da noch sehr, sehr weit entfernt. Gut Ding will manchmal eben einfach Weile haben.

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