Direkt zum Hauptbereich

Diba, diba, Dubai!

Es gab eine Phase (so irgendwann mit Beginn der Pandemie), da zog es auf einmal ganz viele Menschen, ähm sorry, ich meine Influencer_innen, nach Dubai. Sie haben Deutschland den Rücken gekehrt und sind mit Sack und Pack ausgewandert. Durch den aktuellen Konflikt USA-Israel-Iran bekommt die schöne (neue) Glitzerwelt aber nun eine ganz andere Seite, die so rein gar nicht in die hübsche Instagram- und TikTok-Welt passt...

Nicht mehr so "I like, I like" - Skyline Dubais nach Raketeneinschlag -  Foto: dpa/Altaf Qadri 

Einige haben damals als Gründe angegeben, dass Ihnen hierzulande das verdammte Kartoffel-Emirat Deutschland Knüppel zwischen die Beine werfe und ihnen die Freiheit nehme, Content so zu gestalten, wie sie es gerne würden. Es ist schon ein paar Jahre her, da hat der Youtuber Simon Desue einen Falschgeld-Scherz gemacht. Desue hatte 2019 in zwei Videos auf der Internetplattform Youtube behauptet, sich 10.000 Euro Falschgeld im Darknet beschafft zu haben und das Geld bei 20.000 Likes für einen Einkauf nutzen zu wollen. Vor dem Amtsgericht St. Georg beteuerte er, dass er davon ausgegangen sei, dass alle seine Follower die Fiktion auch erkennen. Er habe nicht damit gerechnet, dass sie Strafanzeige stellen würden. Tja, zu D-Mark-Zeiten gab es auf jedem Geldschein noch einen Warnhinweis, aber andere Zeiten... gesunder Menschenverstand ist nicht zu gleichen Teilen bei der Geburt vergeben worden, aber was tut man nicht alles für Klicks.

Falschgeld-Hinweis oben rechts auf einem 100-D-Mark-Schein - Quelle

Andere wie beispielsweise Sami Slimani gaben offen zu, dass (neben der Verbesserung der Arabisch-Kenntnisse - natürlich) vor allem die in Dubai vorhandene Steuerfreiheit der Grund für den Ortswechsel war. Denn während Selbständige - und das sind Influencer_innen in aller Regel - in Deutschland Steuern zahlen müssen (als würden sie "richtig arbeiten"😆), zahl(t)en sie in Dubai... NICHTS! Keine Steuern! Keine Einkommensteuer, keine Unternehmenssteuer. Lediglich (seit 2018) eine Mehrwertsteuer von gerade einmal 5%. Erst seit 2023 gibt es eine Bundessteuer von 9 %, die jedoch erst auf Gewinne über 375.000 AED fällig wird (umgerechnet rund 90.000 Euro). Im Vergleich mit den Abgaben hierzulande ist das immer noch ein Witz!

Sagen wir es also so, wie es ist: Man hat sich bewusst für diese Standortveränderung entschieden, weil es anderswo schöner, luxoriöser und billiger war. Doch wie so vieles im Leben, hat auch diese Medaille zwei Seiten. Wer hätte das ahnen sollen, dass die bunte "bling-bling-Welt" irgendwann einmal zerplatzt? Wenn man in unmittelbarer Nähe zu Ländern wie Iran, Irak, Afghanistan, Israel, Syrien, Saudi-Arabien, Jemen oder auch Somalia lebt? Teils Länder, die mit hoher Armut, teils mit jahrzehntelangen Konflikten zu kämpfen haben oder es schlicht und einfach nicht so sehr mit Demokratie, Pressefreiheit und ähnlichen Werten haben.

Das Leben in Dubai hat einen Haken, und zwar keinen blauen bei Instagram - Collage, Screenshots: Magazin Royale

Vergoldete Steaks, First-Class-Flugreisen mit der staatlichen Fluggesellschaft und Luxus-Aufenthalte in Hotels, welche dem Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktum (der u.a. auch mal gerne seine eigene Tochter entführen und foltern lässt) oder seiner Familie gehören, gibt es aber nicht einfach so. Also streng genommen schon, also für lau, teils bekommen die Instagram-Idioten auch noch "Taschengeld". Aber in Dubai mussten sich beispielsweise alle Kooperations-Kackflöten verpflichten, bestimmte Regeln einzuhalten:

  • Ganz allgemein: Influencer_innen müssen sich verpflichten, ausschließlich positiv über Dubai zu sprechen, denn der UAE Media Council (früher NMC), welcher entscheidet, ob man in Dubai influencen darf, hat die "Entwicklung einer nationalen Strategie zur Förderung des Mediensektors, die das positive Image der Vereinigten Arabischen Emirate stärken soll" zur Hauptaufgabe. Konkret erhält man - gegen Zahlung von umgerechnet ca. 3.500 Euro jährlich - eine "staatliche Influencer-Lizenz".
  • "Hot topics", die es unbedingt zu vermeiden gilt, sind beispielsweise Religion, Politik und Staatsoberhäupter. Bedeutet: Kritische Äußerungen über die Regierung? Schwierig. Bereits 2016 hat Dubai die Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit weiter eingeschränkt
  • Jede Handlung "die mit der öffentlichen Moral und dem guten Benehmen unvereinbar ist" wird als Vergehen gewertet. Ganz konkret: Küssen in der Öffentlichkeit? Verboten! Laute Musik hören? Besser nicht! Tanzen in der Öffentlichkeit? Auf gar keinen Fall! Beispiel: Die Polizei von Dubai hatte mal einen jungen Mann unter dem Vorwurf der "öffentlichen Unsittlichkeit" verhaftet, nachdem er in einem viralen Video zu sehen war, wie er in einem Café "unanständig tanzte".
  • Und es geht weiter: Uneheliche Kinder? Gott bewahre! Homosexuelle Beziehungen? Gefängnis! Fluchen? Verf#*kte Dreckskacke, nicht erlaubt! Sogar jegliche "Werbung für Hexerei, Zauberei oder Astrologie" ist unzulässig. Ich warte immer noch auf das erste Falschgeld-Video von Simon Desue aus Dubai.

Tja. Und nun sitzt man dort und fragt sarkastisch gen Deutschland, was besser sei, als um 8 Uhr am Abend, in Dubai bei achtundzwanzig Grad im Pool zu chillen, während man in Österreich und Europa "erfriert" - so ein Video im Januar. Tja, vielleicht bei nur 12 °C aber in Sicherheit zu sein? Willkommen in der Realität. Jetzt ist die Wohnung neben der amerikanischen Militärbasis vielleicht doch nicht sooo ideal. Die in Dubai lebenden Influencer_innen vermarkteten das autoritäre Regime positiv, lebten bislang in einer unter-informierten Welt, in der alles leicht zu sein schien - jetzt beginnt diese Blase zu platzen. Man möge das bitte nicht mißverstehen, ich wünsche niemandem, mitten in der Nacht von Raketen geweckt zu werden, die am Himmel oder im Haus nebenan explodieren. Aber wenn ich in solch eine Region ziehe, dann muss mir doch irgendwo bewusst sein, dass dies auch riskant sein (werden) kann. Das gilt ebenso für alle Urlauber_innen, welche die Warnungen schon vor einiger Zeit hätten erkennen müssen (bereits MItte Januar verlegten die USA einen Flugzeugträger in die Golf-Region - das macht man ja nicht aus Jux und Dollerei), aber der Urlaub war ja bezahlt, also fliegen wir auch! 

Foto: KI-generiert

Gleichzeitig sind die Influencer_innen vertraglich an Marken gebunden und müssen (streng genommen) auch in der gegenwärtigen Situation ihre Videos veröffentlichen - schon merkwürdig, wenn du gerade ein Promotion-Video für das neue Sampoo drehst, während hinter dir das Gebäude nach Raketeneinschlag kollabiert. Es ist diese Diskrepanz, die in den Augen der Öffentlichkeit unanständig erscheinen kann – weiterhin Geld zu verdienen, während die Welt brennt.

Witzige Idee zum Schluss: Die Bundesrepublik holt alle Deutschen zurück, die auch in Deutschland Steuern zahlen?!

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Das Ende oder die Wiedergeburt der Leistungsgesellschaft?

Wenn jenseits von Sport und Breitbandnetzen Leistungen gefordert werden, geht es meist um Sozialleistungen. Also um etwas, das zu verteilen ist. Nicht um etwas, das jemand erbringen soll. Doch jetzt meint die CDU, wir müssten alle wieder mehr leisten (und meint damit vorrangig nicht den Staat). Höher, schneller, weiter – in der heutigen Gesellschaft wird generell suggeriert, dass man nur mit kontinuierlicher Optimierung der Persönlichkeit, Performance und der persönlichen Umstände den „Anschluss behalten“, Wohlstand bewahren kann. Wer sich anstrengt und Leistung erbringt, der wird anerkannt und schafft es nach oben - so lautet das Versprechen unserer Leistungsgesellschaft. Was als Leistung definiert wird, bleibt jedoch diffus. Warum „leistet“ eine Pflegekraft, die Verantwortung für das Leben anderer übernimmt, (scheinbar) weniger als jemand, der als Manager Verantwortung für ein Unternehmen trägt? Oder leistet die Pflegekraft sogar mehr, nur werden ihre Leistungen monetär (leider) nich...

Die 13 "Top"-Geschäftsideen des Donald T.

Jahaaa, es ist mal wieder Zeit für unseren "geliebten" (Nicht-)Tausendsassa. Trump hat mal wieder zugeschlagen - der Geschäftsmann ist aus dem " POTUS " einfach nicht herauszukriegen. Ergänzender Hinweis: Die Unternehmensgruppe "The Trump Organization" engagiert sich eigentlich im Immobiliengeschäft sowie im Betrieb von Luxushotels und Golfanlagen. Kritiker werfen dem US-Präsidenten vor, sein Amt mit geschäftlichen Interessen zu vermengen ( ach was ? Erzähl' was Neues!). Die enge Verzahnung der Trump Organization, die (formell) von Sohn Eric Trump geleitet wird, mit den politischen Aktivitäten des Republikaners schürt ethische Bedenken (da kann man angesichts der unten folgenden Liste nur herzhaft lachen). Trotz dieser hat der Trump-Clan bereits mehrere Geschäfte während Donald Trumps Präsidentschaft bekannt gegeben.  Bild: Collage Man kennt Trump's Bibeln, Münzen und Schuhe  in Selbstbräuner-Gold für sage und schreibe 399 US-$. Doch jüngst ist zu ...

Not my Kanzler - "worst of Merz" // oder: Vom Sozialtourismus, kleinen Paschas und dem Zirkuszelt

(Not my) Kanzler Merz sagte auf einer Wahlkampfveranstaltung in Sachsen im Juli 2024, Polizeibeamte (und Beamtinnen - das reiche ich noch nach) wüssten ziemlich genau, in welchen Autos "illegale Migranten" oder "Schlepper" seien: Nämlich in "komischen Autos" mit "komischen Figuren drin".  Konkret sagte er ( Zitat ): " Das sind nicht Sie, wenn Sie aus dem Urlaub zurückkommen. Sie fahren da einfach durch. Aber diejenigen, die mit irgendwelchen komischen Autos da lang fahren, mit irgendwelchen komischen Figuren drin, die werden eben auf die Seitenspur geholt und mal kontrolliert. " (Zitatende).  "Komisch"... Hmm... Waylon Smithers a.k.a. Jens Spahn sagte dazu später bei Markus Lanz es sei Montgomery Burns a.k.a. Friedrich Merz natürlich nicht (!) um Hautfarben oder Ethnien gegangen. " Was denn sonst? ", hakt Lanz nach. Eine richtige Antwort erhält der in Südtirol geborene Moderator nicht. Vielleicht haben Drogendealer ...