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Frieren für den Frieden? 

Um es mal vereinfacht auszudrücken: Viele Länder heizen mit Erdgas. Und Russland besitzt die größten Vorkommen auf der Welt. So weit, so bekannt.
Gazprom ist das weltweit größte Erdgasförderunternehmen und mit 98 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung eines der größten Unternehmen Europas. Der russische Staat hält 50 Prozent und eine Aktie an dem Unternehmen und im Aufsichtsrat die Mehrheit der Sitze.

Gazprom produzierte nach eigenen Angaben 2019 etwa 501,2 Milliarden Kubikmeter Gas und leitete 679 Milliarden Kubikmeter Gas durch sein 175.200 km langes Pipeline-Netzwerk unter anderem an diese Staaten:
https://de.statista.com/infografik/26914/anteil-der-russischen-gasimporte-am-inlaendischen-gasverbrauch-nach-laendern/

Es liegt also nahe, dass man Putin den Geldhahn für seinen Krieg zudreht, würde man sofort auf russisches Gas verzichten - gleichwohl es derzeit wenig Alternativen gibt, wenn auch der Gashahn abgedreht wird. Allein in Litauen arbeitet man seit 2007 daran, sich von Russland unabhängiger zu machen:
https://www.zeit.de/wirtschaft/2022-04/gasembargo-italien-oesterreich-spanien-litauen?utm_referrer=https%3A%2F%2Fnews.google.com%2F

Das Wort "Zentralheizung" ist in Italien - in der EU zweitgrößter Importeur von russischem Gas - wörtlich zu nehmen: Wann geheizt wird, wird in der Zentrale, also in Rom, bestimmt. Der Staat schreibt minuziös vor, an welchem Datum die Heizung erstmals in Betrieb genommen werden kann, wie viele Stunden am Tag geheizt werden darf und wie hoch die Raumtemperatur maximal sein darf. Laut Berichten der Lokalmedien plante der Stadtpräsident Roms bereits Mitte März, eine Verfügung zu erlassen, wonach die Wohnungen nur noch auf maximal 18 Grad geheizt werden dürfen. Dasselbe gilt für alle öffentlichen Gebäude und Schulen. Ähnliche Maßnahmen planten auch andere Kommunen, etwa Bologna und Turin. In normalen Zeiten dürfen die Wohnungen in Italien auf maximal 20 Grad geheizt werden. Auch gekocht wird vornehmlich mit Gas und selbst der Strom wird über Gaskraftwerke generiert.
https://www.rnd.de/panorama/rom-dreht-die-heizungen-runter-wegen-russlands-krieg-gegen-die-ukraine-G3RR6253CBGEHLWFTRBCY6722Q.html

Russland würde große Teile Europas also schon empfindsam treffen, wenn irgendwann kein Gas mehr fließt. Auf der anderen Seite fließen rund 660 Mio. Euro täglich (!) allein aus Deutschland an Russland für Gaslieferungen. Experten schätzen, dass Putin jeder Tag des Krieges bis zu sieben Milliarden Dollar kostet. Um hier eine annähernde Relation zu haben, finanziert Deutschland rundabout 10% der Kriegskosten.

Hierzulande können wir jedoch die Heizung aufdrehen, bis wir nackt im Wohnzimmer Tango tanzen und dazu noch einen Pinienaufguss veranstalten können. Theoretisch. Nicht nur aus klimapolitischer Sicht höchst zweifelhaft. Persönlich haben wir das Glück, im vergangenen Herbst einen "normalen" Gas-Tarif abgeschlossen zu haben. Würden wir heute einen neuen Vertrag abschließen müssen, wäre rund das 2,5-fache an monatlichem Abschlag zu berappen und bislang ist eine Preiserhöhung oder die Pleite des Anbieters ausgeblieben - toi toi toi.
Doch heißt es jetzt dennoch "Feuer frei" und Sauna-Handtuch rausgeholt? NEIN. Die meisten Heizkörper laufen lediglich auf Minimum.
Stufe 1 am Thermostat entspricht etwa einer Temperatur von 12 Grad. Der Abstand zwischen einer Stufe beträgt dabei etwa 4 Grad, die kleinen Striche dazwischen markieren jeweils ein Grad. Stufe 5 entspricht also bereits etwa 28 Grad. Und jedes Grad weniger senkt den Verbrauch um etwa 6 %. Wichtig: Weniger als 16 Grad sollten es jedoch nicht sein, weil sonst leicht Schimmel droht.

Fazit: Muss ich im April bei 22 Grad im T-Shirt im Wohnzimmer sitzen? Nein. Ich dreh das Thermostat ne Stufe runter, ziehe mir einen Pullover und die dicken Dänemark-Socken an. Und wenn es nochmal wirklich richtig kalt werden sollte, feuere ich den Kamin an.

https://www.t-online.de/finanzen/unternehmen-verbraucher/id_91966030/wegen-gasmangel-bundesnetzagentur-warnt-vor-furchtbaren-konsequenzen-.htm

 

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