Friedrich Merz wird nicht müde zu betonen, dass Deutschland endlich wieder sicher(er) werden muss. Okay... Sicherheit ist nun offenbar das Thema? Gut, dann schauen wir uns das doch mal an. Was ist denn so vermeintlich die größte Unsicherheit? Wir haben (großteils) alle ein Dach über dem Kopf und Hungern müssen auch nur wenige (leider). Arbeit? Wir sind nahe dran an der Vollbeschäftigung. Arbeitnehmer_innen können sich die Stellen aussuchen. Was ist absolut "irreparabel" bzw. nicht "zu ändern" wenn es in die Dutten geht?
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| "Zu vermieten" ist der mit Abstand häufigste "Filialist" in deutschen Innenstädten - Cartoon: Klaus Stuttmann |
Aller Vermutung nach das eigene Leben. Wenn das nicht sicher ist, macht alles andere auch keinen wirklichen Sinn. Was sind denn dann die Top-Unsicherheitsfaktoren diesbezüglich in unserem Land?
- 2024 gab es hierzulande 222 polizeilich erfasste vollendete Morde. Das bedeutet umgerechnet, es wurden jede Woche (aufgerundet) 4,27 Menschen (zu viel) ermordet.
- Im gleichen Jahr starben auf Deutschlands Straßen 2.780 Menschen - also bummelig etwas über 53 pro Woche. Das ist 12,5 Mal so viel, wie ermordet wurden. Die Hauptursache für Tod im Straßenverkehr ist wiederum überhöhte Geschwindigkeit. Mit relativ wenig Geld und Aufwand könnte man rein theoretisch also massiv die Sicherheitslage in diesem Land verbessern. Vorschlag:
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| Bild: Collage |
- Doch damit nicht genug: Mehr als 339.000 Menschen (also über 6.500 pro Woche) sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und übrigens weitere 230.000 an Krebs. Das sind über 1.500 Mal so viele, wie durch die Morde. Was tut Herr Merz dagegen bzw. gegen die Hauptursachen Rauchen, Zucker, Alkohol, Fleischkonsum? Bildliche Auflösung:
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| Bild: Collage |
- An Luftverschmutzung, respektive den Folgen von Feinstaub und Stickoxidbelastungen starben 2022 (aktuellere Zahlen scheint es nicht zu geben) knapp 70.000 Menschen, wöchentlich also knapp 1.350 Personen - 315 Mal mehr, als durch die Morde. Wo stehen wir nochmal bei der Verkehrswende? Stichwort "Verbrenner-Aus"?
- Werfen wir zuletzt noch einen Blick auf die Hitzetoten: Laut RKI sind hier im Sommer 2025 geschätzt 2.500 Fälle zu beklagen gewesen - das sind (wiederum auf das ganze Jahr gerechnet, damit es sich besser vergleichen lässt) 48 pro Woche, bzw. 11 Mal so viel, wie durch die Morde. Auch hier gäbe es sicherlich einiges an möglichen (Sofort-)Maßnahmen... aber Klimawende...? Mit Merz..?
Ich meine, mal im Ernst: "Christlich-Demokratische Union", das muss man mal richtig analysieren: Im Christentum liegt die ganze Macht bei einem - dem Allmächtigen. Also mutmaßlich ist es ein Typ - Chance 50:50. In der Demokratie hingegen liegt die ganze Macht beim Volk. "Christlich-demokratische Union" ist also eigentlich, als würde man sagen "senkrecht-horizontale Ebene". However. Anstatt also tagtäglich über Migration, Grenzkontrollen, Abschiebungen und "das Stadtbild" zu reden, gäbe es mit Sicherheit (!) hunderte, bessere Ideen, wie man die Sicherheitslage in Deutschland verbessern könnte.
Man könnte das Ganze jetzt auch noch mit anderen Zahlen füttern, wem das vielleicht nur als eine "Momentaufnahme" erscheint ("früher war eh alles besser"). Bitteschön - Todesursachen der letzten 30 Jahre in Deutschland:
- 2 linksextremistisch motivierte Morde
- 26 islamistische Anschläge
- 33 Amokläufe an Schulen
- 220 rechtsextremistisch motivierte Morde
- 1.400 Kindstötungen durch Angehörige
- 4.500 Fälle von häuslicher Gewalt und Femizide
- 25.000 tödliche Arbeitsunfälle
- 140.000 Verkehrsunfälle
- 1.400.000 Tote durch Alkoholkonsum
- 3.800.000 Tote durch Tabakkonsum
Wann haben wir zuletzt (um jetzt einfach mal eine Zahl "aus der Mitte" zu nehmen) eine emotionale, politische Debatte über Femizide - ein Mord an einer Frau, weil sie eine Frau ist, meist durch Partner im direkten Umfeld - gesehen. Das passiert praktisch täglich! Wann war die letzte Talkshow, Politsendung, ganz egal was?
1.400 Kindstötungen durch Angehörige, in 30 Jahren! Also knapp 50 jedes Jahr, statistisch fast jede Woche eine Kindstötung... durch Angehörige! Aber Julia Klöckner verbietet die Regenbogenflagge auf dem Reichstag und das obwohl zeitgleich die Gewalt gegen queere Menschen zunimmt. Und (surprise, surprise) auch rechtsextreme Gewalt nimmt immer weiter zu - zur Erinnerung: zwei linksextremistische Morde in 30 Jahren. Befragt man diese Ewig-Gestrigen nach dem 'Warum', wenn sie eine Gegendemo zum CSD machen, bekommt man häufig zu hören "Wir wollen nicht, dass 'die' ihre Sexualität öffentlich zur Schau stellen!". Ja klar Günther, und Dein Auto sieht dann vermutlich auch genau so aus...
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| Foto: Quelle ebay |
Es ist absolut zu verurteilen, dass es in den letzten 30 Jahren 26 Tote durch islamistische Anschläge gegeben hat. Proportional zu allen anderen Ursachen nimmt dieses Thema jedoch immens viel Raum in der gesellschaftlichen Debatte ein. Das bedeutet natürlich auch nicht, dass es in allen Bereichen dieser Gesellschaft Probleme gibt, die thematisiert gehören. Aber zur Wahrheit gehört doch auch, dass wir eingestehen müssen, wo in der Politik Prioritäten gesetzt werden: Emotionalisierung und Angstmacherei. Denn mit Angst lässt sich unfassbar gut Politik machen.
Ändert das alles etwas an steigenden Mietpreisen? Oder an Kinderarmut, am Pflegenotstand, am Lehrpersonalmangel oder maroden Schulen? An Gewalt gegenüber Frauen? Vergiss' es: DAS SIND RHETORISCHE FRAGEN - NEIN! Nicht Migration führt zu einer höheren Kriminalitätsrate, sondern Armut und Perspektivlosigkeit in abgehängten Gegenden. Dass Menschen gegeneinander aufhetzen hat noch nie in der Geschichte der Menschheit irgendetwas besser gemacht. Rechtsextremismus ist eine direkte Gefahr für die Demokratie und wir haben eine gesichert rechtsextreme Partei mit kometenhaften Umfragewerten im Bundestag. Was brauchen wir denn bitte noch? Das ist keine Matrix-Simulation oder ein Computerspiel - das ist das echte Leben, mit echten Menschen!
Warum ist der allgemeine Ton so rau geworden und warum haben jetzt ausgerechnet die Lauten und die Krakeler überall auf der Welt, nicht nur hierzulande, so einen Erfolg? Das sind doch faktisch diejenigen, für die sich alle bei der Familienfeier ins Bodenlose schämen - niemand will solche Leute im Wohnzimmer haben. Eine mögliche Erklärung bietet ein Wildpark in Lincolnshire: Dieser hat in der Corona-Pandemie fünf Graupapageien in Obhut genommen, eine Tierart, welche extrem intelligent und sehr gut in Imitationen ist, meistens Alltagsgeräusche, von denen sie umgeben sind (also z.B. andere Vögel, rückwärtsfahrende Autos, Klingeltöne, was auch immer). Biolog_innen sagen, dass Graupapageien durchaus mit dem Intellekt von Fünfjährigen mithalten können.
Diese fünf besagten Papageien jedoch fluchen. Und zwar nicht nur ein wenig "shit" und "fuck", sondern richtig derbe, dass vermutlich selbst eine Désirée Nick vor Scham erröten würde! Und der Direktor des Wildparks hat sich gedacht, diese "terrible five" nehmen wir auf, denn wir haben ein sehr großes Freifluggehege mit hunderten anderen Papageien, unterschiedliche Arten, die vertragen sich alle super, das (Fluchen) verwächst sich, ganz bestimmt. Pointe: Nein! Diese fünf Papageien entwickelten sich schnell zu Publikumstars, da war immer was los, ständig eine Traube von Leuten drumherum, die immer schön mit extra Leckerchen belohnte... Was man auch wissen muss: Papageien lieben Gesellschaft, nicht nur die ihrer Artgenossen. Was ist passiert? Mittlerweile fluchen über die Hälfte der bisher neutralen Papageien und nicht nur das, sie machen jetzt auch Geräusche nach: Sie furzen... in allen Variationen. Warum? Weil es funktioniert, weil es Aufmerksamkeit gibt, weil es Applaus (und Leckerchen) gibt. Das erklärt das Verhalten dieser ganzen Trump- und Höcke-Fans ziemlich gut. Allerdings (um dieses Gleichnis nochmal anzuführen) dürfen Fünfjährige bei uns zumindest noch nicht wählen.
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| Karikatur: KAL |
Wohin eine Politik á la "wir gegen die" führt, kann man hervorragend in den USA beobachten: Die USA sind eine komplett entsolidarisierte Gesellschaft - Kapitalismus im Endstadium könnte man sagen. Die Reichen haben sich in speziellen Vierteln verschanzt, mit Schranken, Mauern, Zugangscodes, Wachpersonal, haben eigene Unis, Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten (dazu weiter unten mehr). Die Mittelschicht hat sich praktisch komplett aufgelöst. Die brauchen inzwischen (mindestens) zwei Jobs parallel, um überhaupt noch leben zu können. Ab dem dritten 8-Stunden-Job bräuchte man im Grunde ja auch gar keine eigene Wohnung mehr, da ließe sich noch richtig Geld sparen. Das "untere Drittel" (wobei es zahlenmäßig sicherlich deutlich mehr als 33% sein werden) sitzt faktisch komplett im Dreck: Die sitzen in Vierteln fest, wo sich niemand mehr reintraut, nicht einmal die Polizei, wohnen nur noch in ihren Autos (wenn sie noch eines haben) oder sind schlicht komplett obdachlos.
Und die einzige sozialpolitische Maßnahme ist: Wegsperren! Die USA haben weltweit die höchste Inhaftierungsrate, mit etwa 629 Gefangenen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2023. Das bedeutet, dass ungefähr eine von 159 Personen in den USA im Gefängnis sitzt. Weltweit befinden sich fast 16 % aller Häftlinge in US-Gefängnissen, obwohl die USA nur etwa 4 % der Weltbevölkerung ausmachen. Da kommen selbst Nordkorea und China nicht hinterher. By the way: Das ist ein 1A-Geschäftsmodell, private Gefängnisse mit Gewinnorientierung boomen, während staatliche Gefängnisse auf Bundesebene ihre Nutzung einstellen. Die großen Betreiber wie CoreCivic und GEO Group erhalten öffentliche Gelder pro Häftling, was zu Anreizen für hohe Inhaftierungszahlen auf der einen Seite und Kostensenkungen auf der anderen Seite führen kann (in Summe: Gewinnmaximierung), was wiederum oft schlechte Bedingungen wie mangelhafte medizinische Versorgung, unzureichendes Essen (dazu nachfolgendes Bilderrätsel) und eine höhere Gewaltrate zur Folge hat.
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| 2x Gefängnis-Essen, 1x Schul-Essen - was ist was? Links Gefängnis-Essen in den USA. Mitte Gefängnis-Essen in Dänemark. Rechts Schulessen in den USA. Foto: Collage |
Paradox: Obwohl so viele Amerikaner_innen eingesperrt sind, ist die Haupt-Todesursache für junge Menschen in den USA Mord. Rund 50.000 Tote pro Jahr, häufigste Todesursache unter Jugendlichen, mehr Feuerwaffen als Einwohner: Die USA haben ein Problem mit Waffengewalt. Das bestätigte auch der oberste Gesundheitsbeamte. Nochmal: 50.000! Das sind 137 Tag für Tag, die auf offener Straße ums Leben gebracht werden. Das würde man im Irak, in Syrien oder Gaza Bürgerkrieg nennen! Kapitalismus im Endstadium ist also im Grunde Bürgerkrieg. Mit dem Unterschied, dass nicht die Armen gegen die Reichen kämpfen, sondern dass sich die Armen gegenseitig über den Haufen schießen... mit den Waffen, die ihnen die Reichen zuvor verkauft haben.
Die Politik macht aktuell Politik für 50 Leute und nicht für 83 Millionen (rund 60 Mio. Wahlberechtigte). Und davon fühlen sich merkwürdigerweise (zu) viele zu den Parteien hingezogen, die Politik für 50 Menschen macht. Nur ein Beispiel: Die Bundesregierung unter Kanzler F. Merz hat im Sommer eine Senkung der Unternehmenssteuer beschlossen. Kurz darauf kam der OECD-Report um die Ecke und hat Deutschland mehr oder minder gerügt! Zur Einordnung: In der OECD (zu Deutsch: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) sind die 38 wirtschaftsstärksten Nationen der Welt organisiert - ist also alles andere als ein "linker Verein". Die also haben Deutschland dafür kritisiert, dass die Regierung Merz wirklich daran glauben würde, dass die Senkung der Unternehmenssteuer die Wirtschaft ankurbeln würde. Anstatt mit der Gießkanne die Unternehmen besser zu stellen, sollte viel mehr die Binnennachfrage gestärkt werden, also eher die Einkommensteuer gesenkt werden. Gegenfinanziert mit Steuern auf Vermögen. Vorschlag der OECD.
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| Am "Stadtbild" gäbe es zu manches was zu verändern wäre - Cartoon: Klaus Stuttmann |
Aber wie so oft denkt man in der Politik zuerst immer gerne an Kürzungen, um Geld zu sparen. Okay, das ist erst einmal ein natürlicher Reflex - hohe Kosten, wenig Geld, Ausgaben reduzieren! Aber: Um die Spirale einmal zu verdeutlichen, folgendes Beispiel: Politik stellt fest, der Wirtschaft geht es nicht gut, eine Maßnahme: Die Gehälter von Lehrer_innen werden eingefroren. Das Lehrer-Ehepaar überlegt sich folglich (auch angesichts gestiegener Kosten wie z.B. die Miete) weniger auswärts Essen zu gehen, um so etwas einzusparen. Das Restaurant macht weniger Umsatz und überlegt, die lange geplante/angedachte Renovierung zu verschieben. Die Handwerker verlieren also Aufträge, können weniger arbeiten. Infolgedessen wurdert sich die Politik über ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum und steigende Staatsverschuldung - logische Konsequenz? Richtisch: Mehr Kürzungen. Das Lehrer-Ehepaar überlegt sich also, den Gürtel noch enger zu schnallen. Das Restaurant bekommt kaum noch Gäste, kann sogar nicht mehr nur die Renovierung sondern auch notwendige Reparaturen nicht mehr bezahlen. Handwerker können nicht mehr voll ausgelastet werden, Stunden werden gekürzt, Handwerker müssen aufstocken, gehen zum Amt. Die Politik wundert sich über eine immer schlechtere Wirtschaft und steigende Sozialausgaben. Ergo: Mehr Kürzungen! ... Merkste selber, oder?
Die einzige Minderheit, die mehr und mehr die Länder dieser Welt zerstört (allen voran die USA), sind die Milliardäre. Wir alle konzentrieren uns auf das falsche 1 %! Transsexuelle nehmen uns nicht die Gesundheitsversorgung weg. Muslime kürzen nicht unsere Schulen. Einwanderer senken nicht die Steuern für sich und ihre reichen Freunde. Es sind die Milliardäre und Politiker_innen, welche sie wie Marionetten tanzen lassen. Die "Kulturkämpfe" sind nur Ablenkungsmanöver. Sie wollen, dass wir nach links und rechts, missgünstig auf unsere Nachbarn, anstatt auf sie, nach oben zu schauen. Die größte Kluft in unserer Politik besteht nicht zwischen links und rechts. Sie besteht zwischen oben und unten.
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| Cartoon: Tom |
Ganz nebenbei: Wir fordern von Migrant_innen stets, sich anzupassen, sich zu integrieren. Deutsche im Ausland hingegen tedieren dazu, unter sich zu bleiben (weil man selten die Landessprache beherrscht), ihre eigenen Kulturen zu pflegen ("Wat? In Thailand keen Pumpernickel zum Frühstück? Ditte gibt ne schlechte Bewertung uff Jugel!") und sich nicht in die Gesellschaften zu integrieren. Sie bilden also im Grunde ihre eigenen Parallelgesellschaften. Beispiele?
- Kapstadt in Südafrika. Dort leben ca. 30.000 Deutsche. Das Viertel Tamboerskloof wird auch "Sauerkaut Hill" genannt. Dort gibt es deutsche Kindergärten, Schulen, natürlich auch Bäckereien und Biergärten. Es gibt eine sehr aktive Nachbarschaftswache namens Tamboerskloof Neighbourhood Watch (TBKWatch), die die Gemeinde mit freiwilligen Patrouillen, einem Funknetz, einem Videoüberwachungsnetz und der Meldung von Störungen wie defekten Straßenlaternen, Ampeln, Schlaglöchern und verstopften Abflüssen unterstützt. Viele weiße Deutsche haben nur Kontakt mit schwarzen Menschen, wenn diese sie bedienen. Sie lernen weder die lokale Sprache, noch setzen sie sich mit den Kulturen ihrer neuen Heimat auseinander.
- Anderes Beispiel: Mallorca. Das Urlaubs- und Auswandererparadies schlechthin - gerne auch mal als das "17. Bundesland" interpretiert, was vielen Spanier_innen besonders gefallen wird. Dort haben sich deutsche Viertel gebildet, wo deutsche Produkte verkauft werden und in denen natürlich Deutsch gesprochen wird, denn Spanisch zu lernen erscheint für viele deutsche Auswander_innen einfach nicht notwendig. An ihre Grenzen stoßen sie erst, wenn Uschi und Horst (übrigens Arzthelferin und Lackierer) die geniale und einmalige Idee haben "Wir machen ne Kneipe auf!" (mit Null Gastroerfahrung).
- Drittes Beispiel: Jüngst habe ich wieder im Dänemark-Urlaub festgestellt, dass beinahe alle meine deutschen Miturlauber wie selbstverständlich in dänische Geschäfte gehen und auf Deutsch etwas fragen/bestellen. Ohne auch nur ansatzweise bereit zu sein, sich höflicherseits wenigstens einen dänischen Satz anzueignen ("Undskyld, taler du tysk?"). In vielen Geschäften kam man sich vor, als wäre man in Wolfsburg, Neumünster oder Metzingen. Fazit: Das Verhalten, was die Deutschen im Inland kritisieren, legen sie im Ausland selbst an den Tag. Sowas nennt sich auch Doppelmoral.
Und so frage ich: Deutschland, warum hast du ständig schlechte Laune? Warum bist du wütend auf Politiker_innen, die du selbst gewählt hast? Warum jammerst du über Steuern, während du im selben Atemzug mehr Straßen, Krankenhäuser und Schulen forderst? Warum willst du, dass alles billiger werden soll, aber gleichzeitig auch besser? Warum soll alles schneller gehen, aber sich bitte bloß nichts verändern? Warum nennst du dich tolerant, wenn du bei jeder andersartigen Meinung sofort ausrastest? Warum schreist du nach Freiheit, aber nur solange sie sich anfühlt wie Kontrolle? Warum forderst du Sicherheit, aber schimpfst zeitgleich auf Überwachung? Warum suchst du bei jedem Fortschritt sofort als erstes das Problem? Warum ist die Demokratie eigentlich nicht radikal und die Alternative nicht gefährlich genug? Warum siehst du immer zuerst, was fehlst und nicht, was schon da ist? Warum erwartest du Veränderung von anderen, obwohl du selbst nie einen Schritt aus der Komfortzone wagst? Warum bist du so satt von Sicherheit, gelangweilt vom Wohlstand, so müde von Freiheit? Warum beschwerst du dich über ein System, dass dir erlaubt, dich zu beschweren?








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