Zohran Mamdani wird New Yorks nächster Bürgermeister. Bereits in seiner Siegesrede wendet er sich an US-Präsident Trump: "In diesem Moment der politischen Dunkelheit wird New York das Licht.". Er wisse, dass Trump gerade seine Rede verfolge, sagte Mamdani – und wandte sich dann direkt an den US-Präsidenten: "Dreh die Lautstärke auf.« (Grandios! Er hätte auch sagen können "Mach Dein Hörgerät lauter!"). Es folgte eine regelrechte Kampfansage an Trump. "Wenn jemand einer Nation, die von Donald Trump betrogen wurde, zeigen kann, wie man ihn besiegt, dann ist es die Stadt, die ihn groß gemacht hat", so Mamdani. "Und wenn es einen Weg gibt, einen Despoten in Angst und Schrecken zu versetzen, dann ist es der, die Bedingungen zu beseitigen, die es ihm ermöglicht haben, Macht anzuhäufen. So stoppen wir nicht nur Trump, sondern auch seinen Nachfolger.".

Aufruf an Trump, in Anlehnung an den Film "Leg dich nicht mit Zohan an" - Bild: KI-generiert
Chapeau! Respekt! Ich ziehe meinen Hut. Perfekte Wortwahl. Genau so, muss man mit Trump umgehen - so und nicht anders. Denn: Trump demontiert Stück für Stück alle demokratischen Werte, für welche die USA lange Zeit standen, ebenso, wie er das Weiße Haus selbst demontiert bzw. nach seinem (zweifelhaften) Geschmack "umgestaltet". Hierfür nur drei Beispiele:
- Der Rosengarten: Der berühmte Rosengarten des Weißen Hauses sieht mittlerweile etwas weniger rosig aus. Der Mittelteil des Rosengartens, der traditionell mit Gras bedeckt war, wurde durch Steinplatten ersetzt. Der Präsident behauptet, dass das Gras es Frauen erschwert, High Heels zu tragen! Das sind die Probleme unserer Zeit!
- Das Lincoln-Badezimmer: Das Badezimmer ist zuletzt in den 1940er-Jahren im Art-Deco-Stil mit grünen Fliesen renoviert worden. Trump mag es aber pompös und kitschig. Folglich ist das Bad nun mit goldenen Wasserhähnen und Marmorwänden ausgestattet.
- Der Ostflügel muss einem Ballsaal weichen: Trump hat keinerlei Hemmungen, dem altehrwürdigen, weltbekannten und mehr als 200 Jahre alten Gebäude seinen Stempel aufzudrücken und dafür Teile abzureißen. Der gut 8.000 Quadratmeter große Ballsaal mit jeder Menge Gold, Kitsch und Tam-Tam, für welchen auch der Jacqueline Kennedy Garden zerstört wurde, soll vollständig separat vom Weißen Haus entstehen und für Empfänge und Staatsbankette genutzt werden. Bisherigen Planungen zufolge soll er Platz für knapp 1.000 Gäste bieten. Der East Room - mit rund 200 Plätzen der derzeit größte Raum im Weißen Haus - sei zu klein, so Trump. Sicher: Wenn man wieder mal ein Spenden-Dinner veranstaltet, spielen 1.000 Gäste mehr Geld ein, als 200. Die Kosten wurden übrigens zuletzt auf rund 250 Millionen US-Dollar geschätzt. Aber Mary und John bezahlen im Supermarkt (am Beispiel LA) knapp fünf Dollar für ein Kilo Tomaten, nahezu acht Dollar für 12 Eier und fast 14 Dollar für ein Kilo Käse. Zumindest die Fahrt dorthin ist mit 1,26 US-$ pro Liter Benzin günstig. Passt schon!
Es ist kein Geheimnis, dass Trump mit der Presse und der Berichterstattung auf Kriegsfuß steht. Das Pentagon verlangte vor Kurzem von Nachrichtenorganisationen die Unterzeichnung einer neuen Richtlinie. Diese sieht vor, dass Reporterinnen und Reporter keine Informationen ohne Genehmigung des Ministeriums veröffentlichen dürfen - andernfalls droht der Entzug ihrer Akkreditierung. Künftig ist nun auch noch der Zugang zu einem zentralen Bereich im Pressebüro des Regierungssitzes in Washington ohne Termin verboten - um "sensible" Informationen zu schützen, wie es in einem Memo des Nationalen Sicherheitsrats heißt. Journalisten haben damit keinen Zugang mehr zu dem als "Upper Press" bekannten Bereich im Westflügel des Weißen Hauses, wenn sie nicht zuvor eine Genehmigung dafür erhalten haben. Man könnte hier glatt von Zensur sprechen, bzw. "wenn mir deine Berichterstattung nicht gefällt, gibt es keine Informationen/wird sie nicht veröffentlicht".
Ein weiterer Fall erregte ebenfalls Aufsehen: Eine ernst gemeinte Nachfrage des Journalisten S.V. Date an die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt. In einer Textnachricht fragt er, wer entschieden hatte, dass ein mögliches Treffen von US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin in der ungarischen Hauptstadt Budapest stattfinden soll. Daraufhin schrieb Leavitt flapsig die Antwort "Deine Mutter war's", was in vielen Kulturkreisen als Beleidigung wahrgenommen wird. Also nochmal: Das ist nicht irgendein Dialog in irgendeiner Eltern-WhatsApp-Gruppe - das schreibt die Sprecherin des Weißen Hauses einem Journalisten! Wow!

Screenshot der Anfrage - Quelle: stuff.co.nz
Zurück zur Bürgermeisterwahl von New York: Bereits nach den ersten Hochrechnungen liegt der 34-Jährige "demokratische Sozialist" uneinholbar mit über 50% der Stimmen vorne. Zum ersten Mal in der Geschichte wird die City Hall am Broadway von einem Moslem erobert. Es ist der erste größere Testfall für Trump nach seinem fulminanten Wahlsieg genau vor einem Jahr, bei dem er quer durch alle Schichten, Sektoren und Minderheiten erstaunliche Gewinne erzielte. Der Präsident hat diesen Test nicht bestanden. Trump ist und bleibt ein unpopulärer Präsident mit Zustimmungswerten von weniger als 40 Prozent - er schafft sich aber natürlich auch hier seine eigenen "Fakten" und spricht von nichts weniger als "den besten Umfragewerten aller Zeiten". Die jetzigen Wahlergebnisse sind auch seine Niederlage, für einen Präsidenten, der sich in jeden Wahlkampf einmischt. Auch in diesen: Trump hatte angekündigt der Stadt New York Bundesmittel zu streichen, sollte der linke Kandidat Mamdani die Bürgermeisterwahl gewinnen. Auch hatte er vor der Bürgermeisterwahl in New York Jüdinnen und Juden beleidigt, die angekündigt hatten für den Demokraten Zohran Mamdani zu stimmen. "Jede jüdische Person, die Zohran Mamdani, einen nachgewiesenen und selbsternannten JUDENHASSER, wählt, ist eine dämliche Person.". Unnötig zu erwähnen, dass Mamdani weder nachgewiesener noch selbsternannter Judenhasser ist. Musk sieht in Mandami einen Betrüger, Trump nennt ihn seinen "schlimmsten Albtraum" - flood the zone with shit.
Warum Trump tobt, ist kein Wunder: Der Mann, der nun New York regiert, ist das glatte Gegenteil Trumps: Zohran Mamdani hat keine Eliteschule und kein Ivy League-College besucht. Er geht nicht auf den Golfplatz und kommt häufig auch nicht mit der Limousine, um seine potenziellen Wählerinnen und Wähler zu treffen. Mamdani geht lieber zu Fuß. Mamdani ist praktizierender Muslim, stammt aus indischem Elternhaus, wurde in Uganda geboren. Er hat 751.000 Follower auf X und sogar 1,8 Millionen auf TikTok. Mamdani und sein Team bespielen die Plattformen virtuos und bringen dabei gekonnt ihre politische Botschaft unters Volk. Die lässt sich als stramm sozialistisch zusammenfassen: Mietpreise einfrieren, Reiche zusätzlich besteuern, kostenlose Kinderbetreuung, kostenlose Busse und städtische Supermärkte mit fairen, bezahlbaren Preisen.
Er scheint New York mit seiner vielschichtigen Einwanderungsgeschichte – und rund einer Million muslimischer Bürger – auf den Leib geschneidert. Zumal in Zeiten, in denen die USA zu einem Land geworden sind, das Einwanderer mit oft fragwürdigen Mitteln inhaftiert und abschiebt. Nicht nur in dieser Hinsicht aber ist Zohran Mamdani der Gegenentwurf zum extrem-rechtskonservativen Wind, der durch die USA weht. Er gehört dem linken Flügel der Demokraten an, bezeichnet sich selbst – wie sein Vorbild Bernie Sanders – als „democratic socialist“ und dürfte allein deswegen ein rotes Tuch für die politische Landschaft der USA sein, sogar bis weit in die eigene Partei hinein. Auch das Alter (34) des Politikers ist im zunehmend vergreisenden Politikbetrieb der USA eine Besonderheit und erklärt nicht zuletzt, warum die alternde Partei-Elite der Demokraten sich mehr als schwer tut mit dem aufstrebenden Charismatiker vom Hudson River. Dennoch: Die Wahl könnte die politische Landschaft in den USA verändern. Denn was in New York passiert hat Strahlkraft, weit über die Stadtgrenzen hinaus. Immerhin ist sie mit rund 8,8 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt des Landes. Die Metropolregion New York mit 20 Millionen Einwohnern ist einer der bedeutendsten Wirtschaftsräume und Handelsplätze der Welt.

Strahlkraft für das ganze Land in dunklen Zeiten? Bild: dpa
Denn auch jenseits von New York war der Wahlabend erfolgreich für die Demokraten. In New Jersey setzte sich laut Hochrechnungen die Demokratin Mikie Sherrill gegen den Republikaner Jack Ciattarelli durch. In Virginia gewann die Demokratin Abigail Spanberger gegen die Republikanerin Winsome Earle-Sears – als erste Frau an der Spitze des Bundesstaates. In Pittsburgh holte Corey O’Connor laut US-Medienberichten das Bürgermeisteramt ebenfalls für die Demokraten. Ein weiterer strategisch wichtiger Erfolg gelang der Partei in Kalifornien: In einer Sonderabstimmung votierte die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler für eine Reform der Wahlkreise. Mit dem neuen Zuschnitt der Bezirke hoffen die Demokraten, bei der Wahl zum US-Repräsentantenhaus im Jahr 2026 bis zu fünf zusätzliche Sitze zu gewinnen. Die sogenannten "Midterms" gelten als wichtiger Indikator für die Stimmung im Land, etwa zur Halbzeit der Legislaturperiode.
Es ist nicht auszuschließen, dass Mamdanis Sieg eine Aufbruchstimmung in der leidgeplagten demokratischen Partei auslösen wird. Aber New York ist ein Sonderfall. Das etwas simpel anmutende Programm des jungen, aber unerfahrenen Politikers, das vor allem heißt: „Nehmt es den Reichen und gebt es den Armen“, ist (leider) nicht mehrheitsfähig in weiten Teilen des Landes. Amerika ist nicht New York, welches traditionell eine linke Metropole ist. (Ganz) Amerika ist eher wie Virginia. Dort hat - wie erwähnt - eine moderate Kandidatin mit einem moderaten Programm einen klaren Sieg errungen: Abigail Spanberger erzielte fast 57 Prozent der Stimmen gegen eine dezidierte Trumpistin.
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