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Es war einmal... die Post

PostNord, der staatliche Postdienst Dänemarks, beendet am 30. Dezember 2025 die gesamte Briefzustellung. "An diesem Tag werden wir die letzten Briefe und Karten zustellen", so PostNord auf seiner Webseite. Grund sei der "Einbruch des Briefvolumens" um 90% in den vergangenen 25 Jahren. Damit schafft Dänemark die Briefzustellung ab, als erstes Land weltweit.

Möglich wurde dieser Schritt durch ein neues Gesetz, das die bislang geltende universelle Dienstleistungspflicht aufhebt. In etwa vergleichbar mit den ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen zur Post­ver­sor­gung gem. Postgesetz hierzulande. Das besagt, dass die Deutsche Post als Quasi-Monopolist die Grundversorgung sicherstellen muss, beispielsweise darf in zusammenhängend bebauten Wohngebieten der Weg zum Briefkasten 1.000 Meter nicht überschreiten. 

Back to the roots - Cartoon: Hubbe

In Dänemark wurde gleichzeitig die Mehrwertsteuerbefreiung für Postdienste gestrichen. Zuletzt lag das günstigste Porto für einen Brief innerhalb Dänemarks mit einer Lieferzeit von bis zu fünf Tagen bei 29 Kronen (rund 4,50 Euro). Einen Brief oder eine Postkarte ins Ausland zu verschicken, beispielsweise ins Nachbarland Deutschland, kostet umgerechnet 6,70 Euro. Für eine Postkarte!!! Da ist es günstiger ein Paket zu verschicken! Hierzulande hatte man angesichts des geringeren Briefaufkommens mal die Überlegung angeregt, ein ähnliches System einzuführen, wie in unseren Nachbarländern. Da gibt es "normale" Post, die durchaus bis zu einer Woche unterwegs sein kann. Und es gibt "Prioritaire", also meistens Zustellung am Folgetag oder spätestens den darauf. Hat man aber nicht wirklich was Näheres von gehört.

Von Hand geschriebene Briefe – die hatten schon einen gewissen Charme. Im Zeichen der Digitalisierung wird jedoch immer weniger Post verschickt. Die Deutsche Post gab bereits im März dieses Jahres bekannt, bis zum Jahresende 8.000 Stellen in dem Bereich abbauen zu wollen. Denn: Auch in Deutschland werfen die Postzusteller_innen schon heute seltener Briefe ein als früher. Die Royal Mail in Großbritannien plädiert seit Längerem dafür, nicht mehr an allen Wochentagen Briefe austragen zu müssen. Weltweit geht das Briefvolumen seit Jahrzehnten zurück. Digitale Kommunikation via E-Mail, Messenger und soziale Netzwerke hat die Papierkorrespondenz weitgehend verdrängt. Die Corona-Pandemie beschleunigte diesen Wandel zusätzlich. Laut dem Technikportal "chip.de" schloss die griechische Post im November fast die Hälfte ihrer Filialen, was landesweit Proteste auslöste. Der United States Postal Service USPS meldete zuletzt einen Jahresverlust von neun Milliarden Dollar; seit 2007 summieren sich die Verluste auf über 100 Milliarden.

Kein europäisches Land hat den Schritt bisher gewagt und nirgendwo ist der Bruch so radikal. Ab Neujahr will sich die staatliche dänisch-schwedische PostNord ausschließlich auf Pakete konzentrieren. Denn: Während Briefe an Bedeutung verlieren, boomt der Paketversand - 2022 wurden weltweit 161 Milliarden Pakete verschickt, bis 2027 sollen es 256 Milliarden sein.

Im aktuellen Briefmarktbericht der Bundesnetzagentur ging die Zahl der Briefsendungen seit 2019 von knapp 13,6 auf nur noch rund 10,3 Milliarden Briefe zurück. Und rund 95% davon entfallen auf Geschäftskunden, wie etwa Unternehmen oder Behörden. Privatbereich? Vernachlässigbar!

Post gab es praktisch schon immer: Ägypten, Babylonien, Römisches Reich, China... kurzer Blick in die Deutsche Historie: Bis zum späten Mittelalter gab es keine öffentliche Post in Deutschland. Kaiser, Klerus und Reichsfürsten benutzten Boten und Reiter. Wegen des Postvertrages zwischen Philipp dem Schönen und Franz von Taxis im Jahre 1505 wurde diesem lange die Gründung des ersten neuzeitlichen Postunternehmens zugeschrieben. Allerdings war diese Post anfangs eine dynastische Post, die nicht der Allgemeinheit zugänglich war. Am 8. Juli 1658, mit der Wahl Kaiser Leopolds I. (1640–1705) wurden die Rechte der Familie Taxis, die sich seit 1650 Thurn und Taxis nannten, auf den Posten des Generalpostmeisters im Heiligen Römischen Reich bestätigt. Bayern gab am 1. November 1849 mit dem Schwarzen Einser sowie einer blauen 3-Kreuzer- und einer braunen 6-Kreuzer-Marke als erster deutscher Teilstaat Briefmarken heraus. Am 1. Januar 1872 trat das Gesetz über das Postwesen, das Posttaxwesen und die Postordnung der Reichspost in Kraft. Am 1. April wurde die Deutsche Bundespost gegründet und mit Wirkung vom 2. Januar 1995 im Rahmen des Gesetzespaketes der zweiten Postreform in die privatrechtlichen Aktiengesellschaften Deutsche Post AG, Deutsche Telekom AG und Deutsche Postbank AG übergeleitet.

Wenn du früher einen Job bei der Post gehabt hast, galtest du praktisch als krisensicher. "Gestern Ausbildung bei der Post angefangen? Dann steht ja dem Kredit für das Eigenheim nichts mehr im Wege! Bitte hier unterschreiben...". Geschrieben wird doch immer! Ja, aber heute halt anders als damals. 

Wie erwähnt: Vor 50, 40 oder auch noch 30 Jahren hätte sich niemand vorstellen können, dass dieses "Internet" (auch) der Sargträger für den klassischen Brief werden wird. Da gab es von Montag bis Samstag durchgehend Post. Heute wird der Briefkasten vielleicht noch zwei oder maximal drei Mal die Woche gefüttert. Und auch da fragt man sich immer häufiger: Hätte dieser Brief bzw. die darin enthaltene Information nicht auch mit einer E-Mail zu mir gelangen können? Ich frage mich das immer häufiger, wenn sich mal so ein Kuvert in meinen Briefkasten verirrt hat - "Wofür musste da jetzt ein Baum für's Papier sterben? Energie für den Transport aufgewendet werden?". Dafür, dass mich Enpal zum x-ten Mal damit nervt, dass mein Haus für eine Solaranlage geeignet sei (I doubt it!)? Wofür hat der Brief noch seine Berechtigung? Okay, wenn du irgendwas Physisches damit bekommst, also beispielsweise deine Bankkarte oder sowas, ja. Aber mittlerweile gibt es die auch immer mehr in digital - es wird dann also beispielsweise mit dem Handy bezahlt, in dem die Karte(ndaten) hinterlegt sind. Auch das sieht man immer seltener, dass Karten aus dem Portmonnaie gezückt werden. Immer mehr wischen auf dem Smartphone hin und her, halten es einmal kurz ans Kassenterminal, Piep, bezahlt. Kein "ICH HAB'S PASSEND! ICH HAB'S PASSEND!" mehr. Ja, du hast es jetzt passend, ist aber irrelevant.

Wie groß wäre im behördlichen Deutschland die Entrüstung, würde man hier verkünden "So, ab Januar stellen wir keine Briefe mehr zu - es rechnet sich nicht.". Also, streng genommen kann man in Dänemark ab Januar 2026 auch noch Briefe mit der privaten Post verschicken - es ist halt nur sauteuer! Als ich Kind war, schickten die Verwandten gerne mal ein Telegramm. Also nicht etwas über den Messanger Telegram, sondern ein Telegramm... für die Jüngeren: Man ging in ein Postamt, diktierte oder schrieb auf, was man verschicken wollte und dann wurde das Ding am Zielort ausgedruckt und taggleich zugestellt... vereinfacht ausgedrückt. Man bezahlte da pro Wort. Als es Samuel Morse am 24. Mai 1844 erstmals gelang, eine Textnachricht per Telegrafenleitung von Washington nach Baltimore zu übermitteln, löste das eine technische Revolution aus. Mit Telegrammen wurden Komplotte geschmiedet, Kriege verkündet und Liebe beschworen. Auch in Deutschland erfreuten sich Telegramme großer Beliebtheit. Meist wurden die Textnachrichten auf einem Postamt oder per Telefon diktiert und dann per Brief zugestellt – so ließen sich wichtige Nachrichten auch an Menschen übermitteln, die keinen Telefonanschluss besaßen. Weil sich die Gebühr nach dem Umfang der Nachricht richtete, bürgerte sich der sogenannte Telegrammstil ein, und statt einem Punkt hieß es nach jedem Satz: +++STOP+++. Auch wenn das Telegramm bald vom Telefon verdrängt wurde, spielte es für besondere Anlässe im Privatleben vieler Menschen noch lange eine Rolle. Im Jahr 1978 zählte die Bundespost in Deutschland noch rund 13 Millionen Telegramme. Die Deutsche Post hat den Versand von Telegrammen (erst) zum 31. Dezember 2022 eingestellt, da das Produkt aufgrund mangelnder Nachfrage eingestellt wurde. Der Preis für ein einfaches Telegramm bis 160 Zeichen betrug zuletzt 12,57 Euro und mit Schmuckblatt 16,67 Euro.

Übrigens rührte von den Telegrammen auch ein berühmter Filmtitel: "Wenn der Postmann zweimal klingelt". Dies wird gemeinhin als Hinweis auf die Postbräuche im viktorianischen Zeitalter gedeutet. Bei der Zustellung von Briefen klopfte der Postbote einmal, um den Haushalt über die Zustellung zu informieren; eine Antwort war nicht nötig. Bei Telegrammen hingegen, die persönlich übergeben werden mussten, klopfte er zweimal, damit die Bewohner wussten, dass sie die Tür öffnen sollten. Telegramme waren teuer und brachten meist schlechte Nachrichten: Ein zweimal klopfender (später klingelnder) Postbote signalisierte also, dass Ärger im Anmarsch war.

Frankierung früher und heute: Schwarzer Einser, blaue Mauritius, digitale Frankierung - Grafik: Collage

Aber nochmal zurück zur Frage: Wofür braucht es noch einen Brief? Vertragsunterlagen, Rechnungen, kannst du alles problemlos digital verschicken. Selbst wenn man etwas im Internetz bestellt, liegt da nur noch höchst selten irgendein Lieferschein o.ä. dabei - meist eher noch ein "Hello Fresh"- oder "My Müsli"-Gutschein oder ein ähnlicher Summs, den man umgehend entsorgt (weil in der Regel eh nur für Neukunden). Schreibt jemand noch private Post? PER HAND? Dafür haben die meisten unter uns doch eh keine Geduld! Die Erwartungshaltung auf eine zügige Antwort ist doch eine ganz andere. Früher hast du einen Brief verschickt und hast dich gefreut, wenn du zwei Wochen später eine Antwort bekommen hast. Heute: E-Mail, morgen keine Antwort? Da wird nachtelefoniert. Frage per WhatsApp, binnen einer Stunde nicht einmal gelesen? Was ist los mir dir!? Ghosting im Vorstadium? Kein Mensch wurde heute noch die Muße für den Aufwand aufbringen und sich dann auch noch zusätzlich Tage (oder Wochen) in Geduld auf eine Antwort üben. WIR HABEN DOCH KEINE ZEIT!!!

Ich wollte das damals, also wirklich "seinerzeit" (irgendwann in den 90ern) mal ein wenig (re-)kultivieren: Kaufte mir hochwertiges Schreibpapier, einen Füller und sogar Siegelwachs, um sogar dem Umschlag noch etwas Nostalgisches zu verleihen. Bis dann irgendwann meine Briefe zurückkamen. Grund: Durch das Wachssiegel könnten diese nicht maschinell gelesen werden. Ein bisschen ähnlich, wie wenn du farbige Umschläge benutzt - die Post druckt auf die Umschläge eine Art orangefarbenen Strichcode. Bei farbigen (insbesondere roten) Umschlägen waren diese nicht mehr (maschinell) lesbar, mussten in die Handsortierung, höherer Aufwand, zusätzliche Kosten/Gebühr, usw.. Heute bekomme ich vom Schreiben per Hand ruck-zuck Krämpfe. Eine komplette A4-Seite handschriftlich zu verfassen, das grenzt beinahe an Folter. Ein Grund, warum ich bis heute kein Testament habe. Selbst Philatelist_innen sind immer seltener anzufinden. Keine Bange, das sind keine Perversen, sondern Menschen, welche (u.a.) Briefmarken sammeln. Naja, zumindest der asbach-uralte Angrabespruch "Darf ich dir mal meine Briefmarken-Sammlung zeigen?" hatte immer etwas Anrüchiges und dürfte bei vielen Jüngeren heute erst einmal Fragezeichen aufwerfen.

Aber auch hier ist der Fortschritt nicht aufzuhalten. Konnte man irgendwann seine eigenen Briefmarken am heimischen Drucker ausdrucken, so genügt heute ein kryptisches Kürzel á la "#PORTO YZ2EF7" oben rechts in der Ecke. Komfortabel, keine Frage. Aber so etwas wie den Schwarzen Einser oder die Blaue Mauritius wird es nicht mehr geben. Ich denke, der Gang den die Dänische Post geht, wird über kurz oder lang auch hier nicht aufzuhalten sein. Ganz ehrlich: Vermissen würde ich es nicht. Dann kann man im Grunde seinen Briefkasten ebenso abmontieren, wie viele bereits ihren Festnetzanschluss eingemottet haben.

Mach's gut, alte Briefpost, schön, dich gekannt zu haben. 

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