Direkt zum Hauptbereich

Wenn Sushi an der Türe läutet, werden Menschen ausgebeutet

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas will ein Subunternehmerverbot für Essenslieferdienste prüfen lassen. So möchte sie effektiver gegen eine Vielzahl von Verstößen gegen das Arbeitsrecht bei Subunternehmen von Lieferdiensten vorgehen. Warum? Ausbeutung, erzwungene Schwarzarbeit und Gewalt sind hier die Regel und nicht die Ausnahme - eine rbb-Recherche hat kriminelle Strukturen in der Branche der Lieferdienste für Essen aufgedeckt. Fahrradkuriere, die Burger, Pizza und Co nach Hause liefern. Tausende der Rider kommen u.a. aus Indien, angelockt mit dem Versprechen auf ein Studium in Deutschland haben sie sich hochverschuldet. Wirklich neu ist das aber nicht... bekannt war das mind. bereits 2018.

Grafik: Collage

Man kennt das ja: Man hat keine Lust auf Kochen und will nach der Arbeit oder am Wochenende einfach mal die Füße hochlegen? Verständlich! Sich Essen nach Hause zu bestellen ist für viele oft auch ein kleines Highlight. Dass die Fahrer_innen der Lieferdienste nicht gerade super bezahlt werden, ist den meisten Menschen wahrscheinlich sogar bewusst. Fahrer_innen für Lieferdienste, die Essen bei Wind und Wetter zur Tür bringen, werden jedoch systematisch ausgebeutet und betrogen! Was viele nicht wissen: Die Fahrer sind nicht unbedingt beim Lieblingslieferdienst angestellt – sondern bei Subunternehmen, also externen Firmen und arbeiten dort allermeist als (Schein-)Selbständige. Oder sie erhalten zwar einen offiziellen Minijob-Arbeitsvertrag, für den auch Sozialversicherungsbeiträge abgeführt werden. Der im Vertrag genannte Lohn wird aufs Konto überwiesen, so sieht bei Kontrollen erst mal alles sauber aus. Tatsächlich werden die Fahrer_innen aber nicht pro Stunde - wie im Vertrag vorgesehen - sondern pro Auftrag bezahlt. Wenn sie mehr verdienen als im Vertrag vorgesehen, erhalten sie den restlichen Teil ihres Lohnes in bar, ohne dass Steuern und Abgaben abgeführt werden. Die Subunternehmer ziehen den Fahrern außerdem als Provision große Teile ihres Lohnes ab.

Nach rbb-Berechnungen auf Grundlage der Arbeitszeiten und des erhaltenen Lohns eines Fahrers eines Uber-Eats-Subunternehmers blieb ein Stundenlohn von sieben Euro. Zusätzlich müssen die Fahrer die Kosten für die Lieferfahrräder oder Autos und Handys selbst tragen. Bei den Selbständigen bzw. "Freelancern" kommen noch Kosten für Kranken- und Unfallversicherung hinzu. Zur Erinnerung: Aktuell gilt in Deutschland ein Mindestlohn von 12,82 Euro!

Das Problem liegt jedoch am anderen Ende der Nahrungskette - im wahrsten Sinne des Wortes. Wir alle, die dort bestellen, sind Teil des Problems.

Quelle: SWR

In einer (vermutlich nicht repräsentativen) Umfrage des SWR wurde gefragt, ob man bereit wäre, mehr zu zahlen, wenn der/die Lieferdienstfahrer_in dafür fair behandelt wird. Etwas über 58% stimmen dem unumwunden zu. Rund ein Drittel sagt, dass man diese Lieferdienste so gut wie nie nutze und lieber selbst koche. Nur schmale 8% sagen "Augen auf bei der Berufswahl" bzw. "Selbst schuld!". 

Wenn beispielsweise über McDelivery der Big Mac 6,99 Euro statt 6,39 Euro kostet, der Mindestbestellwert dann auch 20 Euro beträgt, Lieferkosten mit 2,99 Euro zu buche schlagen und Lieferando noch eine Servicegebühr von 2,5% (aber max. 0,99€) berechnet, dann frage ich mich, wenn der ganze Wumms per App bestellt und via Paypal & Co. bezahlt wird, wer hat denn dann auch noch zwei Euro Trinkgeld in bar für den/die Lieferant_in?

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Empört, dass sich niemand empört!

Ich brauche jetzt nur mal ein paar Städtenamen aufzählen, schon wird bei vielen ein gewisses "Kopfkino" stattfinden: Mannheim, Solingen, Magdeburg, Aschaffenburg. Mannheim , Mai 2024: Auf dem Mannheimer Marktplatz greift ein Mann mit einem Jagdmesser die Veranstalter einer islamkritischen Kundgebung an. Der aus Afghanistan stammende Sulaiman A. verletzt dabei mehrere Menschen. Nach einem Handgemenge sticht er auch auf den herbeigeeilten Polizisten Rouven L. ein. Zwei Tage später erliegt der Polizeibeamte im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Der Generalbundesanwalt wertet die Tat als religiös motiviert. Der Messeranschlag in Solingen war ein mutmaßlich islamistischer Terroranschlag am Abend des 23. August 2024, des ersten Tags des Stadtfestes „Festival der Vielfalt“ zum 650-Jahre-Jubiläum der Stadt Solingen in Nordrhein-Westfalen. Der Täter tötete bei dem Messeranschlag drei Menschen und verletzte acht weitere, davon vier lebensgefährlich. Am nächsten Tag reklamierte ...

In der politischen Dunkelheit, wird New York das Licht

Zohran Mamdani wird New Yorks nächster Bürgermeister. Bereits in seiner Siegesrede wendet er sich an US-Präsident Trump: " In diesem Moment der politischen Dunkelheit wird New York das Licht .". Er wisse, dass Trump gerade seine Rede verfolge, sagte Mamdani – und wandte sich dann direkt an den US-Präsidenten: " Dreh die Lautstärke auf .« (Grandios! Er hätte auch sagen können "Mach Dein Hörgerät lauter!"). Es folgte eine regelrechte Kampfansage an Trump. " Wenn jemand einer Nation, die von Donald Trump betrogen wurde, zeigen kann, wie man ihn besiegt, dann ist es die Stadt, die ihn groß gemacht hat ", so Mamdani . " Und wenn es einen Weg gibt, einen Despoten in Angst und Schrecken zu versetzen, dann ist es der, die Bedingungen zu beseitigen, die es ihm ermöglicht haben, Macht anzuhäufen. So stoppen wir nicht nur Trump, sondern auch seinen Nachfolger. ". Aufruf an Trump, in Anlehnung an den Film " Leg dich nicht mit Zohan an " - Bil...

Schön, Dich kennengelernt zu haben, USA!

Donald Trump inszeniert sich gerne als "Macher", einer, der - wie man in der Wirtschaft sagt - "Deals" abschließen kann - eine Abmachung. Meist bietet die eine Seite etwas an, die andere schlägt ein und akzeptiert. Vodafone reitet da in seinen Werbespots auch wie verrückt drauf herum. Warte mal... Vodafone, so rot wie MAGA? Und der Protagonist sagt auch noch "Mega!" Egal, anderes Thema. Nicht lange reden, machen! Wobei an diesem Grundprinzip erst einmal nichts auszusetzen ist, das im Kleinen durchaus funktionieren kann.  Bild: KI-generiert Alltagsbeispiel? Willst Du z.B. als Kind Dein Taschengeld aufbessern und errichtest vor dem Haus den klassischen Limonadenstand, aber niemand (oder kaum jemand) will Deine Limonade kaufen... dann kannst Du natürlich irgendeine sauteure McKinsey-Agentur einkaufen, die Dir sagen wird, es liegt an den Strohhalmen, die Du falsch in die Limonade steckst und dafür 25.000 Euro kassiert. Du könntest aber auch einfach versuchen,...