"Wisst ihr noch, damals, dieser schlimme Winter?", so beginnen diese typischen Geschichten alter Leute, vorrangig Eltern oder Großeltern. Man hörte von meterhohen Schneemassen, von klirrender Kälte im zweistelligen Minusbereich, Versorgungsengpässen - einfach, weil alles zum Erliegen kam, Leitungen zufroren. Das normale Leben beugte sich Väterchen Frost.
Und jetzt frage ich mich, ob manche Zeitzeugen irgendwann in ferner Zukunft ähnlich vom Winter (2025/)2026 berichten werden? Zumindest erscheint es mir so, dass dies in den Bereich des Möglichen rücken könnte, wenn man die Berichterstattung der letzten Tage verfolgt hat. Ich stelle mir die Erzählung in etwa so vor...

Bild: Collage - Fotos: dpa - Pressemeldungen: Google News
Weißt du noch, damals 2026, als es so richtig Winter war? Oh ja, wie könnte ich das vergessen. Ich weiß es noch wie heute - nicht so wie in den Vorjahren, wo es NIE Schnee gab, nur so sieben Grad und Nieselregen. Es fing an einem Donnerstag abends an - die haben vor dem Wintersturm "Elli" schon Tage zuvor in den Nachrichten gewarnt. Ich bin Donnerstag noch schnell einkaufen gefahren, um mich einzudecken, falls ich die Tage nicht rauskomme oder es vielleicht bald gar nichts mehr gibt - wenn der Nachschub erst einmal ins Stocken gerät... Jo, da hast du Recht. In manchen Supermärkten guckten die Menschen sehr schnell in leere Regale. Boah, krass! Das erinnert mich an diese Pandemie, ein paar Jahre zuvor, die so hieß wie eine Biermarke... wat war dat.. Jever? Oettinger? Nee, ach ich komm gleich drauf... da waren Nudeln, Mehl und Klopapier wochenlang ausverkauft! Stimmt. Und 2026 wurden dann sogar Blutkonserven rar! In der Nacht zu Freitag ging es dann rund. Das hat geschneit! Von wegen Klimawandel und Erderwärmung! Das hat gar nicht mehr aufgehört. Kamst mit dem Schippen überhaupt nicht hinterher. Gerade den Gehweg freigeschaufelt, ZACK lag wieder alles voll. Und Streusalz war überall ausverkauft! O-HA! Tja, normal durftest du das (privat) ja gar nicht streuen, weil wegen Umwelt und so, aber irgendwann haben die Behörden dann das Verbot aufgehoben, SO ERNST WAR DIE LAGE!

"Scheiße! Wir kommen hier nicht mehr raus!" - Foto: privat (09.01.2026)
Tja, da sagste was! Freitags Home-Office und das komplette Wochenende saß man zu Hause fest. Und ne Arbeitskollegin, die war krank, die konnte nicht mehr (rechtzeitig) einkaufen, hatte sich dann Essen liefern lassen wollen - DIE KAMEN NICHT! Die haben einfach den Termin abgesagt, sie "können nicht fahren". O-haue-haue-ha! Konnten ihre Angehörigen sie denn nicht versorgen? Theoretisch schon - die waren auch extra im Kaufland und haben sich selbst eingedeckt, aber in der Krise ist sich jeder selbst der Nächste. Wer weiß, wie lange die Katastrophenphase anhält? True, true. Und wir waren ja noch auf der Sonnenseite - in Berlin hatten sie tagelang keinen Strom. Joa, aber wegen dem "Anschlag" dieser Linksextremisten, nicht wegen des Wetters. War ja nicht wie 2005 als im Münsterland Strommasten unter der Schneelast eingeknickt sind - 50cm sind damals gefallen!

Nicht 2026, sondern 1979 - Foto: Egon Nehls (Quelle: MDR)
Das war was. Oder die Kältewelle 2018. Die war auch nicht ohne! Nee nee. Aber 2026 war auch schon heftig. Vereinzelt hat es etwa zwei Tage durchgeschneit, den Freitag UND den Samstag. Boah! Und für Montag hatten sie dann auch noch Eisregen angekündigt - da kam nach den Sturm Elli, auch noch das Tief Gunda. Mein Gott! Da blieb einem aber auch wirklich nichts erspart. Die Menschen regten sich auf Facebook - du weißt, dieses uralte Social Media - über die Gemeinden auf, dass sie nicht vorbereitet genug gewesen wären. Dass zu wenig geräumt und gestreut wurde und sie deshalb (!) mit ihren Sommerreifen ins Rutschen gerieten. 24 Stunden hätten die eigentlich fahren müssen - aber nachts bitte leise, denn wenn man sich tags wütend die Finger blutig tippte, wollte man sich des nachts wenigstens erholen und ruhig schlafen. Richtig so!
Und die Obdachlosen erregten mal Aufmerksamkeit: Die Medien berichteten darüber, dass vielen der Kältetod drohe. Von Aufwärmbussen und Suppenküchen wurde erzählt. 51 Wochen im Jahr ist "das Problem" eher nicht so im Fokus, aber wenn es mal klirrend kalt wird... so mit sieben Grad unter Null... dann muss man die auch mal in den Mittelpunkt heben. Die Woche zuvor, bei +3 Grad war da noch keine Rede von.

Sondersendung im NDR vom 09.01.2026 mit Liveschalten - Screenshot: NDR
2026 gab es Sondersendungen, die über
den Wintersturm und seine Auswirkungen berichteten. Schaltungen zu Reporter_innen, die man quer
über das Land verteilt an neuraglische Punkte in allen Bundesländern platziert hatte, damit man sagen konnte, dass am Hauptbahnhof Hannover "nichts mehr geht" (außer Passagiere vom Gleis zur Info und zurück) oder das Meer in Flensburg bereits "über die Hafenkante schwappt". Tapfer harrten sie aus, in Eiseskälte mit ihren hübschen NDR-Winterjacken und Handschuhen, bis endlich der Moderator aus seinem warmen Studio zu ihnen schaltete.
Einige Städte haben einfach Turnhallen geschlossen, weil sie unsicher waren, ob die Dächer den Schneemassen (!) standhielten (Anmerkung der Redaktion: Es hat eine Nacht und einen Tag geschneit!). Die Menschen konnten einfach keinen Sport machen und Schüler_innen auch nicht. Die Schulen fielen sogar komplett aus - da hatten die Kinder verlängertes Wochenende, ne? Tja, wie hätten viele von denen auch zur Schule kommen sollen? Busse und Bahnen fielen ja auch (teilweise) aus. Ist ja normal, oder? Besser nichts riskieren. So zwanzig Zentimeter Schnee sind ja nicht ohne. Ich meine, die Menschheit konnte praktisch schon zum Mars fliegen, aber wer weiß, ob so eine beheizte Weiche wirklich tip-top funktioniert? Aber hatte speziell die Bahn nicht grundsätzlich Probleme mit "Extremwetter-Ereignissen"? Ich meine mich zu erinnern, dass im Sommer regelmäßig die Klimaanlagen ausfielen, wenn die Temperaturen gegen 30°C tendierten und im Winter waren es ein paar Grad unter Null, die ausreichten, damit die (Fern-)Züge in den Bahnhöfen verharrten, um den wartenden Fahrgästen zumindest noch eine Möglichkeit zum Aufwärmen zu geben - "Aufenthaltszüge" hieß das.
Man hat 'ne Theorie, doch es fehlt noch der Beweis: Im Winter ist es kalt und im Sommer eben heiß

Da bleibt man lieber im Bahnhof stehen - Foto: TAG24
Normal, oder? Ich habe davon gehört, dass Züge früher "bei jedem Wetter" gefahren sein sollen. Das muss man sich mal vorstellen. Ich habe sogar mal eine Werbung der Bahn gesehen, muss so aus den 1960ern oder so sein - graue Vorzeit. Da hieß es "Alle reden vom Wetter - wir nicht! Wir fahren immer!". Ich glaube aber, das ist so ne KI-generierte Satire. "Bei jedem Wetter!" - UTOPISCH! Ich meine, im Verkehrsfunk sagen sie doch auch immer explizit "Die Straßen können glatt sein, AUCH AUF DEN AUTOBAHNEN!" - ich dachte immer die weiße Scheiße macht um die Autobahnen nen Bogen... oder die haben wenigstens flächendeckend "Fußbodenheizung" dort verbaut. Das kann man doch als das Mindeste erwarten!

Das waren noch Zeiten! - Screenshot: DB-Werbefilm

Quelle: Instagram
Gott sei Dank war der ganze Spuk dann auch ab Dienstag langsam vorbei. Da gab es Tauwetter. Puuuh, ja das war auch wirklich höchste Zeit. Ich hätte es auch kaum länger ausgehalten, diesen Winter 2026... vom 08. bis 13. Januar. Fahre jetzt erst einmal einkaufen.
By the way, kennste den? Treffen sich zwei Schneeflocken. ‚Wo fliegst du hin?‘ ‚In die Antarktis, dort ist es wunderbar. Und du?‘ ‚Ich fliege nach Deutschland und verbreite etwas Panik!'.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen