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Der Superbowl war ein gigantischer Mittelfinger in Richtung Trump

Was war denn da los? Der Super Bowl ist eines der größten Einzelsportereignisse der Welt und erreicht in den Vereinigten Staaten regelmäßig die höchsten Fernseheinschaltquoten des gesamten Jahres. Im Durchschnitt sehen 90 Millionen Nordamerikaner den Super Bowl, mit Spitzenwerten von bis zu 140 Millionen. Einer der Höhepunkte ist die Halbzeitpause, in der jedes Jahr spektakuläre Aufführungen u. a. mit bekannten Musikern geboten werden - dabei wird von der "Halftimeshow" gesprochen. Während des größten Teils des ersten Jahrzehnts des Super Bowl (ab dem 15. Januar 1967) zeigte die Halbzeitshow eine College-Marschkapelle. Ab den 1990er Jahren wurde die Show jedes Jahr von populären Musik-Acts überschrieben. darunter New Kids on the Block (1991), Gloria Estefan (1992) und natürlich Michael Jackson (1993). Jacksons Auftritt 1993 markierte mehr oder minder den Wandel von traditionellen Marschkapellen hin zu hochkarätigen Pop-Performances. Ab den 2000ern traten u.a. Phil Collins, Aerosmith, Rolling Stones, Beyoncé, Bruno Mars, Katy Perry, Coldplay, Rihanna, Shakira und Jennifer Lopez auf, um nur einige zu nennen.

Doch aktuell ist ja einiges anders im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Und somit auch die Halbzeitshow. Latin-Superstar Bad Bunny hat seine mit Spannung erwartete Performance beim Super Bowl, welchen 128 Millionen Menschen gesehen haben, mit vielen politischen Botschaften versehen. Der 31-jährige Grammy-Preisträger aus Puerto Rico ließ während des Finales der nordamerikanischen Footballliga NFL zwischen den Seattle Seahawks und den New England Patriots im kalifornischen Santa Clara Fahnenträger auftreten, die neben der Flagge der USA auch die Flaggen vieler anderer nord- und südamerikanischen Länder präsentierten. Bad Bunny ist ein ausgesprochener Kritiker der radikalen Abschiebepolitik der US-Regierung. Auf explizite Statements gegen US-Präsident Donald Trump oder seine Einwanderungspolitik hat der Puertorikaner bei der Halbzeitshow jedoch verzichtet. Außerdem hielt er einen Football mit der Aufschrift "Gemeinsam sind wir Amerika" in die Kamera, sagte "Gott segne Amerika" und zählte neben den USA bewusst zahlreiche lateinamerikanische Länder wie auch Kanada auf. Denn "Amerika" im eigentlichen Sinne ist der (gesamte) Kontinent - von Alaska/Kanada bis runter nach Chile und Argentinien. Das sollte sich die Orange mit der Föhnfirsur uund seinem "Make America Great Again" mal bewusst sein - was er mit "America" meint, sind die "United States", die vereinigten Staaten von Amerika. Im Hintergrund leuchtete auf einer Leinwand der Schriftzug: "Das Einzige, was mächtiger ist als Hass, ist Liebe.". 

Quelle: Elle

Auf der Bühne wurden Szenen aus dem Alltag Puerto Ricos nachgestellt: Zuckerrohrplantagen (wichtigstes Exportgut, Symbol für Ausbeutung durch den Kolonialismus), traditionelle Haus- und Ladenfassaden, mobile Essensstände, Verkäufer mit Getränken und Speisen - all das, wo sicherlich tagtäglich nicht wenige Amerikaner_innen versorgen werden (gäbe es sonst so viele?). All diese Stände prägen das Stadtbild von Los Angeles bis New York prägen, nicht nur optisch sondern auch kulturell. Alles symbolisiert die kulturelle und vor allem auch wirtschaftliche Wichtigkeit von Migrationspolitik in den USA. Wer mehr über die zahlreichen subtilen und offensichtlichen Hinweise dieser Art erfahren will, dem sei ein Video von Frauloewenherz.de ans Herz gelegt.
Im Publikum waren Promis wie Pedro Pascal, Karol G und Cardi B tanzend zu sehen. Andere Stars wie Justin Bieber, Travis Scott, Jon Bon Jovi, Adam Sandler, Jay-Z und seine Tochter Blue Ivy waren ebenfalls für das Finale der National Football League ins Stadion gekommen. Für einen Überraschungsmoment sorgte der Gastauftritt von Lady Gaga, die schon 2017 als Hauptact der Halbzeitshow auf der Bühne gestanden hatte. Die Popsängerin präsentierte eine Salsa-Version ihres Songs "Die With a Smile" und tanzte gemeinsam mit Bad Bunny. Auch der ebenfalls aus Puerto Rico stammende Pop-Sänger Ricky Martin hatte einen kurzen Gastauftritt. Er sang eines der politischsten Lieder des aktuellen Bad-Bunny-Albums: "Lo que le pasó a Hawaii" (zu deutsch: "Was Hawaii passiert ist"). Darin kritisiert er die kulturelle Übernahme von Hawaii durch die USA, das 1898 gleichzeitig mit Puerto Rico unter die Herrschaft der Vereinigten Staaten geriet.

Kurzer Randfakt: Der Freistaat Puerto Rico, ist das größte und einwohnerreichste Außengebiet der Vereinigten Staaten. Puerto Rico ist ein nicht inkorporiertes Gebiet der Vereinigten Staaten (USA). Dies bedeutet, dass es weder einen eigenen US-Bundesstaat (im Gegensatz zu Hawaii) darstellt noch einem anderen zugehörig ist. Daher haben Puerto-Ricaner nicht sämtliche in der Verfassung festgeschriebenen Rechte, sondern lediglich die Grundrechte. Ein Beispiel: Bei den US-Präsidentenwahlen sind die Bürger_innen ohne eigenes Stimmrecht, sofern sie nicht ihren Wohnsitz in einem der 50 Bundesstaaten haben. Also, das wäre in etwa so, als wenn wir (beispielsweise) sagen würden "Das Saarland gehört zwar (formell) zur Bundesrepublik, ist aber kein eigenes Bundesland und den Kanzler wählen dürft ihr nicht!" (es sei denn du bist Saarländer_in, aber wohnst in... Bottrop). Schon schräg oder?

Zurück zur Show: Als die NFL Bad Bunny im Herbst 2025 offiziell als Headliner ankündigte, löste das hitzige Debatten aus. Konservative Politiker und Trump-nahe Gruppen kritisierten die Haltung des Superstars als "anti-amerikanisch". Präsident Donald Trump, der dem Super Bowl fernblieb, bezeichnete den Auftritt direkt im Anschluss auf der Plattform Truth Social als "Schlag ins Gesicht" für die USA und als eine der schlechtesten Halbzeitshows, die er jemals gesehen habe. Zu Trumps Unmut trug offenkundig bei, dass der gesamte Auftritt von Bad Bunny auf Spanisch gehalten war - ein Novum. Man verstehe kein Wort, monierte Trump - nachdem er die Wahl des Hauptacts für das Spektakel bereits vorab als "schrecklich" bezeichnet hatte.

Und damit war er nicht alleine. Einen Tag nach dem Spektakel war Megyn Kelly in Piers Morgans YouTube-Show zu Gast, um über Bad Bunnys Super -Bowl-Auftritt vom Vorabend zu diskutieren. Doch nach ein wenig lockerem Geplänkel über Morgans kürzlich erfolgte Hüftoperation hielt die konservative Kommentatorin einen leidenschaftlichen Monolog über ihre Verachtung für den puertoricanischen Rapper, der sich rasend schnell im Internet verbreitete. Die Moderatorin der „Megyn Kelly Show“ lief während ihrer fast zehnminütigen Tirade rot an.

Megyn Kelly redet sich bei Pier Morgan in Rage - Quelle: Yahoo

Wer Megyn Kelly ist? Einst eine der bekanntesten Moderatorinnen bei Fox News, startete sie 2020 ihren Podcast „Megyn Kelly Show“ – fast zwei Jahre nach ihrer Entlassung aus dem Morgenprogramm von NBC, nachdem sie Blackfacing in Halloween-Kostümen verteidigt hatte. 2021 erweiterte sie ihre Show auf YouTube und Ihr Unternehmen "Devil May Care Media" ging eine Partnerschaft mit SiriusXM ein. Da sie nun nicht mehr der Kontrolle der Fernsehsender unterliegt, konnte Kelly Kritik – wie den jüngsten Skandal um ihre Aussage , Jeffrey Epstein habe „sehr junge Teenager“ und nicht „Achtjährige“ bevorzugt – unbeschadet überstehen.

Gewisse Ähnlichkeiten sind durchaus vorhanden - Quelle: Wikipedia

Während ihres Auftritts am Montag in der Sendung „Piers Morgan Uncensored“ lobte Kelly die alternative Halbzeitshow von "Turning Point USA" (wir erinnern uns... Rechtspopulist Charlie Kirk) u.a. mit Kid Rock, die alles bot, was man sich unter dem Klischee von "white America" vorstellt (Gott, Landleben, Arbeiterklasse) und sagte, dass die Super-Bowl-Hauptshow (also die offizielle) ebenfalls religiöse Themen und die Unterstützung für die Durchsetzung der Einwanderungsgesetze widerspiegeln sollte. „Wir wurden als christliche Nation gegründet. Wir sind immer noch eine christliche Nation“, sagte sie. „Wir wollen, dass jemand da oben feiert, wie unglaublich besonders dieses Land ist, und nicht eine Gruppe von Leuten, die uns nicht ausstehen können. Und worum geht es dabei? Um unseren Wunsch, illegale Einwanderer, die unsere Kinder vergewaltigen und missbrauchen, aus unserem Land zu schaffen. Genau das tut die Einwanderungsbehörde ICE.“.

Kelly begann ihre besagte Tirade damit, ihre Verärgerung darüber auszudrücken, dass Bad Bunny, bürgerlich Benito Martínez Ocasio, sich gegen Donald Trumps Einwanderungspolitik ausgesprochen hatte, unter anderem in seiner Grammy-Rede am 1. Februar, in der er die Auswirkungen der Einwanderungsbehörde ICE auf die Latino-Gemeinden anprangerte. Später argumentierte Kelly jedoch, Bad Bunnys komplett spanischsprachiger Auftritt beim Super Bowl sei eine Beleidigung für das „heartland“, die Heimat der Menschen, die angeblich nichts anderes als die altmodische, englischsprachige amerikanische Kultur sehen wollen.

Wir haben 310 Millionen Menschen in den USA, die kein Wort Spanisch sprechen. Dies soll ein verbindendes Ereignis für das ganze Land sein, nicht nur für die Latinos“, sagte Kelly und betonte das letzte Wort mit einem spöttischen, übertriebenen Akzent. Funfact: Die Latino-Bevölkerung in den USA stellt mit über 65 Millionen Menschen (Stand 2023/2024) die größte ethnische Minderheit dar, was etwa
19,5 % bis 20 % der Gesamtbevölkerung entspricht. Sie kritisierte auch andere Hinweise auf Diversität während der Veranstaltung am Sonntag: Der Super Bowl, so Kelly, sei „nicht für eine kleine Gruppe, sondern für das ganze Land. Wir brauchen keine schwarze Nationalhymne. Diese Art von Football ist unsere “, sagte sie weiter. „Die Halbzeitshow und alles drumherum muss durch und durch amerikanisch bleiben. Nicht spanisch, nicht muslimisch, nichts anderes als guter, altmodischer amerikanischer Apfelkuchen. Es sollte Hackbraten geben, vielleicht auch etwas gebratenes Hähnchen.“.

Greg Gutfeld von Fox News erwähnte die 1,7 % der Amerikaner mit puerto-ricanischen Wurzeln und argumentierte (vermutlich eher spöttisch), dass jüdische Amerikaner auch eine eigene Halbzeitshow bekommen sollten. „Es gibt etwa 6 Millionen Puerto-Ricaner in den Vereinigten Staaten. Das sind 1,7 % der Bevölkerung. Das ist eine beachtliche Ehrung für einen so kleinen Anteil“, sagte er . „Und was ist mit den Juden? Es gibt doppelt so viele Juden in den Vereinigten Staaten. Wo bleibt die jüdische Halbzeitshow? Wo sind die tanzenden Buchhalter? Die Männer, die Pastrami verkaufen?“. Whoah! That escalated quickly - solch einen Vergleich hätte sich hierzulande keiner erlauben dürfen.

Quelle: Ranker

Die Kritik aus dem konservativen Lager hält auch Tage nach dem Auftritt an: Die Fraktion der Republikaner im Repräsentantenhaus der USA hat nun eine Untersuchung seines Auftritts durch die Kommunikationsbehörde FCC (Federal Communications Commission) gefordert. Demzufolge bezeichneten die republikanischen Abgeordneten die Liedtexte des Puertorikaners als „illegal“ und drohen der NFL, dem Fernsehsender NBC und dem Sänger mit Strafen. Der Musiker soll angeblich obszöne und sexuelle Texte gesungen haben, heißt es aus dem republikanischen Lager. Bad Bunny hat als erster Künstler überhaupt die gesamte Halbzeitshow auf Spanisch gesungen. Während der Show performte er unter anderem den Song „Yo Perreo Sola“ von 2020, in dem er den Sexismus in der Reggaeton-Szene und sexuelle Übergriffe in Clubs anprangert. Anzügliche Wörter wurden in der Übertragung jedoch ausgeblendet. 

Auch der Abgeordnete Andy Ogles aus Tennessee postete auf X einen Brief, den er an den Energie- und Handelsausschuss geschickt hat. In dem Beitrag schreibt er: „Die offensichtlichen, unanständigen Handlungen dürfen nicht im öffentlichen Fernsehen gezeigt werden.“. Er forderte eine Untersuchung gegen die NFL und NBC, wegen ihrer „Kenntnis, Prüfung und Genehmigung expliziter und unanständiger Inhalte“ während Bad Bunnys Show. Er schrieb, dass Kinder gezwungen gewesen seien, „expliziten Darstellungen homosexueller Handlungen und provokativ tanzender Frauen“ zuzusehen. Außerdem würden die Liedtexte bestimmte sexuelle Handlungen „verherrlichen“. Erinnern wir uns mal an 2004 (vor über 20 Jahren!) als Justin Timberlake auf der Bühne während der Halbzeitshow Janet Jacksons Brust entblöste

Also nochmal zur Verdeutlichung: Die NFL organisiert die Halbzeitshow während des Finales "ihrer Sportart". Und dann mischt sich die Politik ein, weil da zwei Männer miteinander getanzt und Frauen sich "provokativ" bewegt haben sollen? Man stelle sich vor, die Bundesregierung mischt sich beim DFB ein, weil man im Pokalfinale... ach, keine Ahnung, zu knapp bekleidete Freelancer eingagiert hat. Naja, mit der richtigen (vielmehr falschen) Regierung kann das alles auch noch kommen. 

Kommen wir nochmal zurück auf Megyn Kelly. Sie hat ja so einige "typisch amerikanische" Dinge aufgezählt. Fangen wir mal mit "American Football" an. American Football entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (etwa 1869) durch mehrere Änderungen von Fußball- und Rugbyregeln, es dauerte jedoch noch bis 1920, als die American Professional Football Association gegründet wurde, um Football auf professioneller Basis zu organisieren. Es hat also seine Wurzeln im Rugby (der Legende nach soll Rugby während eines Fußballspiels in der gleichnamigen Stadt entstanden sein - als der Mannschaft von William Webb Ellis 1823 eine Niederlage bevorstand, packte dieser den Ball mit den Händen und legte ihn ins Tor des Gegners) und Fußball, den es als Vorläufer praktisch schon so lange gibt wie die Menschheit selbst. Der moderne Fußball hat jedoch ebenfalls seine Wiege in Großbritannien. Fazit: Die Amerikaner haben hier lediglich ein wenig die Regeln modifiziert und schwupps hatte man "was eigenes".

Apfelkuchen -  gesichert ist, dass im Kaukasus und im Mittleren Osten bereits vor 4000 Jahren Äpfel angebaut wurden. Die ursprüngliche Heimat des Kulturapfels liegt demnach in Asien. In Almaty am Tian Shan wurden nach kasachischen Angaben schon vor 6.000 Jahren Früchte gehandelt, die dem heutigen Kulturapfel glichen. Amerika wurde wann entdeckt? 1492? Ich bin ja kein Rechengenie, aber ich würde mal keck behaupten, dass in nahezu 6.000 Jahren schon irgendwer darauf gekommen sein wird, Obst (insbesondere Äpfel) auf Teig zu legen und zu backen. Das erste bekannte Rezept für Apfelkuchen stammt aus dem Jahr 1381 aus... TA-DA: England.

Meatloaf (oder zu Deutsch: Hackbraten) - ein Braten aus Hackfleisch, der in verschiedenen Varianten in vielen Ländern bekannt ist. Oft auch als „Falscher Hase“ bezeichnet, hat er seine Wurzeln in Zeiten knapper Ressourcen, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland. Um den teuren oder seltenen Sonntagsbraten zu ersetzen, wurde Hackfleisch in Form eines Hasenrückens geformt. Die Bezeichnung ist seit dem späten 19. Jahrhundert in Kochbüchern dokumentiert.

Gebratenes Hähnchen - hat Wurzeln in verschiedenen Kulturen, insbesondere im Nahen Osten, Asien und Westafrika.

Ja nicht mal eure Sprache ist "unique". Die ist nämlich auch von den seinerzeitigen Migranten, die sich in die Mayflower gesetzt haben und über den großen Teich schipperten. Irgendwann wollte man sich aber auch als britische Kolonie lossagen und unabhängig werden - für eine wirklich eigene Sprache hat es aber nicht gereicht. Und: Spanisch war lange, lange vor Englisch die Sprache, welche auf diesem Kontinent gesprochen wurde.

Wir kürzen das einmal ab: Die Amerikaner_innen mögen gewisse (kulinarische) Vorlieben haben, etwas was vielen schmeckt, bzw. was dort auf gewisse Weise zubereitet wird und demzufolge als "typisch amerikanisch" interpretiert hat. Ihre Wurzeln haben alle diese Dinge (Football wie Apfelkuchen und auch Hackbraten) in Europa. Grund-Amerikanisch ist daran so gut wie nichts. Was wäre denn eine "typisch amerkianische" Halbzeitshow gewesen? Fährt da jemand mit einem Monster-Truck und wehender XXXXL-US-Fahne durch das Stadion? Und währenddessen erklingen Gitarre, Banjo, Mandoline, Kontrabass oder Fiddle (eine einfache Geige), aber auch Akkordeon, Klavier oder Mundharmonika als Countrymusik aus den Lautsprechern? Vielleicht wäre es ja auch ultra-amerikanisch, wenn jeder seine Waffe mit ins Stadion bringt und dann feuern alle Dutzende von Salutschüssen in die Luft? Man könnte auch eine kleine Show inszenieren, wie man den Indigenen (also den Ureinwohnern des Kontinents) Land stiehlt. Oder kurz Revue passieren lassen, wie man jahrhundertelang Schwarze ausbeutete und misshandelte aka Sklaverei und Rassismus. Das wäre doch mal etwas typisch Amerikanisches!

Bild: KI-generiert

So, Zynismus wieder aus. Wenn wir jetzt einfach nochmal ganz nüchtern die Halbzeitshow des diesjährigen Superbowls betrachten: Ich habe einen Latino-Rapper auf dem Höhepunkt seines Könnens gesehen, der die Show produktionstechnisch absolut gerockt hat, und er ist momentan der beliebteste Künstler der Welt. Er hat da einfach hingehört. Er hat die Bühne gerockt. Er hat niemanden kritisiert. Es war eine Botschaft der Liebe, der Einheit, der Ehe. Jede Sekunde der Show hat Geschichte, Menschlichkeit und Community zelebriert. Wenn sich eine Seite für Gemeinschaft und Liebe und gegen Hass ausspricht, dann ist ja eigentlich klar, wofür die Gegenseite steht, die damit ein Problem hat. Und zumindest 128 Mio. Menschen scheint es gefallen zu haben.

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