Die manische "Mar-A-Lago"-Mandarine ist und bleibt einfach der feuchte Traum eines jeden Stand-Up-Comedian. Im Ernst, das kann man alles gar nicht erfinden. Manche Komiker müssen dafür nächte-, ja wochenlang Programme schreiben. Der doppelt frittierte "Big Mäc"-Bolsonaro liefert solche Gag-Granaten im wahren Leben und zwar beinahe im Minutentakt - Satire-Sendungen wie "The Daily Show" kommen - glaube ich - kaum noch hinterher, alle Vorlagen zu verwerten. Aktuell: Er lässt nicht locker und behauptet weiterhin Besitzansprüche an Grönland.
![]() |
| 1620 - Überfahrt der Mayflower - Grafik: Studysmarter |
Wörtlich bzw. sinngemäß sagte er, Dänemark beansprucht die Insel ja lediglich, "weil sie vor 500 Jahren dort mit einem Boot gelandet sind". Ähm, wer sagt es ihm? Wie war das nochmal mit den Pilgervätern, die mit der Mayflower über den großen Teich geschippert, dann im neuen Land angekommen sind und gesagt haben "Das ist jetzt unser!"? Am 12. Oktober 1492 betrat Christoph Kolumbus den amerikanischen Kontinent. 1620 siedelten dann 102 englische Bürger_innen von Plymouth (England) an die Ostküste Nordamerikas über. Zu ihren Mitreisenden gehörten eben jene "pilgrim fathers", die später auch den Mayflower Vertrag aufsetzen sollten. Also, wenn wir danach gehen: Um das Jahr 1.000 herum sollen bereits Wikinger (skandinavische Seefahrer aus Norwegen, Schweden, aber auch Island und Grönland sowie DÄNEMARK) dort angelegt haben, was heute die ostamerikanische Küste darstellt. Demzufolge müssten die USA eigentlich dänisch sein. Verkehrte Welt!
![]() |
| 1492 - Eroberung des Paradieses - Bild: WDR |
Betrachten wir es nochmal historisch: Grönland gehört zu Dänemark aufgrund einer langen kolonialen Geschichte, die im 18. Jahrhundert begann, als "Dänemark-Norwegen" die Insel beanspruchte und ab 1721 besiedelte; nach der Auflösung der Union mit Norwegen fiel Grönland 1814 an Dänemark, wurde 1953 in das Königreich eingegliedert und erhielt seitdem zunehmende Autonomie, bleibt aber Teil des dänischen Königreichs, was durch einen internationalen Schiedsspruch 1933 bestätigt wurde. Als autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark hat Grönland eine eigene Regierung und ein eigenes Parlament und ist in den meisten Bereichen politisch von Dänemark unabhängig. Die vollständige Unabhängigkeit wird jedoch derzeit mehrheitlich als unrealistisch aufgefasst, da Grönland wirtschaftlich nahezu vollständig von der Fischerei lebt und mit seiner geringen (ca. 56.000 Menschen), aber stark verstreut siedelnden Bevölkerung (2 Mio. km²/größte Insel der Welt) und dem daraus resultierenden Defizit zwischen staatlichen Einnahmen und Ausgaben finanziell von dänischen Subventionen abhängig ist. Auf Grönländisch ist es übrigens üblich, Grönland nicht beim offiziellen Namen, sondern als Nunarput („Unser Land“) zu bezeichnen. Das nur am Rande.
Aber warum will der lachsfarbene Rolltreppenversager sich unbedingt diese riesige Fläche im Atlantik einverleiben, wenn sie doch zwar einige Bodenschätze birgt, aber eben finanziell stark von (dänischen) Subventionen abhängig ist? Er hat es damit begründet, "wenn wir (die USA, Anm. d. Redaktion) Grönland nicht nehmen, wird es Russland oder China tun - und niemand will Russland oder China als Nachbarn..." - Ähm, wer sagt es ihm?
![]() |
| Russland ist näher als Grönland - Quelle: Google Maps/Collage |
Die Entfernung zwischen dem Festland von Alaska (Cape Prince of Wales), dem 49. Bundesstaat der USA und Russland (Cape Dezhnev) beträgt gerade einmal etwa 80 bis 90 Kilometer durch die Beringstraße, wobei die Diomedes-Inseln (Big Diomede zu Russland, Little Diomede zu den USA) dazwischen liegen und die beiden Inseln sogar nur 3,9 Kilometer trennen (dazwischen verläuft die Datumsgrenze). Wenn es sehr sehr kalt ist, kann man sogar theoretisch von einer zur anderen Insel über das Eis laufen. IHR SEID BEREITS NACHBARN, DONALD! Russland besaß Alaska übrigens mal als Kolonie ("Russisch-Amerika"), verkaufte es aber 1867 für 7,2 Millionen Dollar im "Alaska Purchase" an die USA, was sich als enormer Glücksgriff für die USA erwies (Bodenschätze und Öl).
Okay, okay. Der "Umpa-Lumpa in Chief" hat also Angst davor, Russland oder China als Nachbarn zu haben. Tja, wenn es da doch bloß etwas gäbe... so eine Art Pakt, den man mit Grönland oder auch Dänemark schließen könnte. Am besten eigentlich mit (fast) allen Nordatlantik-Staaten... ein Militärbündis, eine Organisation... hmmm.

Wenn es doch bloß ein Schutzbündnis gäbe, welches vor Russland und China schützt - Grafik: Collage
Seit 1951 übrigens erlaubt es ein Abkommen den US-Streitkräften, Grönland militärisch zu nutzen, wenn es dessen Verteidigung (!) übernimmt. Seitdem bauten die USA etliche Basen auf der Insel, die aber mittlerweile fast alle wieder geschlossen wurden. Der Vertrag erlaubt es den USA jedoch jederzeit, ihre Militärpräsenz praktisch nach Belieben wieder aufzustocken. Die US-Armee verfügt in Pituffik über eine große Landebahn und den nördlichsten Tiefseehafen der Welt, was schnelle und umfangreiche Truppentransporte erlaubt. Eine Invasion Grönlands wäre demzufolge vermutlich binnen einer halben Stunde schon wieder vorbei, noch bevor irgendjemand hier eine Eilmeldung über den Bildschirm flimmern lassen kann, auf dem gerade der Bingo-Bär die Gewinnzahlen verkündet.
Wenn die USA Grönland "überfielen" bzw. mit militärischen Mitteln einnehmen, würde es sich per se um einen Angriff auf ein NATO-Land handeln, was den Beistandsmechanismus des NATO-Vertrages auslösen würde. Dieser kann eine militärische Reaktion der anderen Staaten beinhalten (muss aber nicht). Das würde dann allerdings paradoxerweise auch bedeuten, dass ein US-General einen NATO-Einsatz gegen die USA als Aggressor leiten müsste. Denn die Zuständigkeit für die Verteidigung der nordischen Länder Finnland, Schweden und Dänemark (und damit auch Grönland) liegt derzeit bei den USA, namentlich Alexus G. Grynkewich, US-amerikanischer General der United States Air Force und seit 1. Juli 2025 in Personalunion auch Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa.
However. Das alles führt zu der Frage, ob der Wahnsinn in den USA vielleicht "Methode" oder halt Tradition hat?
Ich meine, wie muss ich mir das damals im großen Unabhängigkeitskrieg von 1775 bis 1783 zwischen den dreizehn Kolonien und der britischen Kolonialmacht vorstellen? Man wollte sich lossagen von der britischen Krone. Keine Kolonie mehr, sondern unabhängig sein. Für gewöhnlich möchte man dann ja vieles anders machen, als es die "Besatzer" vorschreiben. Auch verwunderlich, dass man trotz des Hasses für den Gegner, dessen Sprache beibehielt. Auch da der Ausgang des Krieges ab 1778 erst durch das aktive Eingreifen Frankreichs zu Gunsten der Kolonisten entschieden wurde. Verständlicher wäre es also eigentlich, wenn man in den USA französisch sprechen würde. Aber egal, anderes Thema.

Screenshot Saturday Night Live - Nate Bargatze als George Washington (Mitte)
Wie konkret muss ich es mir also vorstellen, wenn General George Washington, Kommandeur der amerikanischen Kontinentalarmee und spätere erste Präsident der neugegründeten USA, seine Männer mit dem Traum von einer stolzen Nation auf den Kampf gegen die Briten einschwor?
George Washington: Soldaten, ich habe einen Traum. Wenn wir diesen Krieg gewonnen haben, werden wir unser eigenes Ding mit dieser englischen Sprache machen. Zum Beispiel sollten wir ein Wort für die Zahl Zwölf haben - wir nennen es ein Dutzend.
Soldaten: Unser eigenes Ding? Und welche anderen Zahlen werden eigene Namen haben?
GW: Keine. Nur Zwölf wird ein eigenes Wort haben, weil wir freie Männer sein werden! Und wir werden frei sein, einige Wörter in zwei verschiedenen Arten auszusprechen. Zum Beispiel das Wort "Donut" oder der Name "Jeff" (einmal mit einem J-Klang und einmal mit einem G-Klang). Und wir werden zwei Namen für Tiere haben - einmal wenn sie lebendig sind und ein anderes wenn sie zu Essen verarbeitet wurden: "Cows" werden zu "Beef" und aus "Pigs" wird "Pork" gemacht.
S: Und was ist mit Hühnchen, Sir?
GW: Das bleibt - "Chicken" werden immer "Chicken" sein. Und wir werden auch eigene Dinge zum Essen kreieren und sie nennen, wie wir es wollen - wie zum Beispiel den "Hamburger".
S: Gemacht aus "Ham" (= Schinken, Anm. d. Redaktion)?
GW: Wenn es so einfach wäre... ein Hamburger ist natürlich aus "Beef" gemacht, ebenso wie ein "Buffalo Wing" aus Hühnchen (und nicht aus Büffeln, Anm. d. Redaktion). Aber keine Angst Männer - ein "Hot Dog" wird sicher niemals aus Hunden gemacht sein.
S: Aber aus was wird er hergestellt sein?
GW: Das weiß niemand.
S: Aber sollte man nicht wissen, was in einem "Hot Dog" ist?
GW: Kein echter Amerikaner möchte wissen, woraus ein "Hot Dog" gemacht ist! Und unser Geld soll der "Dollar" sein. Und wenn ihr meint, dass ich es verdiene, packt mein Portrait auf die Vorderseite.
S: Und was soll auf die Rückseite?
GW: Alles! Verrücktes Zeug: Kringel, Schnörkel, lateinische Wörter, eine Pyramide mit einem fliegenden Auge darüber...

Ein US-Dollar, Vorder- und Rückseite - Quelle: Wikipedia
S: Sir, das erscheint mir alles ein wenig ohne rechten Sinn und Verstand...
GW: Keine Sorge Soldat. Für unsere große Nation werden wir Schulen bauen, die unseren Kindern unseren Weg lehren werden und das erste Jahr in der Schule nennen wir "Kindergarten".
S: Das klingt sehr Deutsch (warum haben wir dafür kein "eigenes" Wort?)... und das zweite?
GW: "First grade".
S: Also das zweite Schuljahr heißt "first grade"?
GW: Genau. Und es werden zwölf "Grades" insgesamt sein.
S: Also ein "Dutzend"?
GW: Nein, hierfür werden wir dieses Wort nicht gebrauchen. Und wir werden unsere eigenen Feiertage haben: Den 4. Juli, den "Flag Day" und den "Presidents Day".
S: Und was sollen wir tun, um unsere Vorfahren und Anführer am "Presidents Day" zu ehren?
GW: Was für eine Frage! Kauft eine Matratze. Soldaten, wir werden eine Nation gründen, die ihre eigenen Gesetze macht, ihre eigenen Anführer wählt... und ihr eigenes System von Gewichten und Maßen haben wird!
S: Gewichte und Maße, Sir?
GW: Jawohl! Ich träume davon, dass wir Gewichte in "pounds" also Pfund messen und 2.000 Pfund sollen eine Tonne (ton) sein.
S: Und was sind dann 1.000 Pfund?
GW: Gar nichts! Dafür werden wir kein Wort haben!
S: Aber irgendwie fühlt es sich so an, als sollte es dafür ein Wort geben...
GW: Und gerade deshalb werden wir keines haben. Weil wir freie Männer sind! Und wir werden so frei sein, Flüssigkeiten in Litern und Millilitern zu messen - aber nicht alle Flüssigkeiten. Nur Wasser, Limonade, Wein und Alkohol. Für Benzin nutzen wir Gallonen, für Milch oder Farbe auch "Pints", "Quarts" und "Flüssigunzen".
S: Wie viele Liter werden in einer Gallone sein, Sir?
GW: Das weiß niemand! Aber Distanzen werden in Inches, Foot/Feet, Yard und Meilen berechnet. 12 Inches werden ein "Foot" sein...
S: ...und 12 "Feet" sind dann ein "Yard"?
GW: Wenn es so einfach wäre... natürlich sind drei "Feet" ein "Yard".
S: Und wie viele "Yards" hat eine Meile?
GW: Das weiß niemand!
S: Okay, wie viel "Feet" wird eine Meile haben?
GW: 5.280 selbstverständlich! Das ist eine einfache Zahl, die sich garantiert jeder merken wird.
S: General Washington, ich muss gestehen, das ist alles ein wenig verwirrend und kompliziert. Warum nutzen wir nicht Meter und Kilometer?
GW: Oh, das werden wir... aber nur in unpopulären Sportarten wie Laufen oder Schwimmen. Für populäre Sportarten wie Football werden wir "Yards" nutzen.
S: "Football", Sir?
GW: Ja, das ist ein Sport, wo man einen eiförmigen Ball mit den Händen werfen muss.
S: Also gibt es beim "Football" gar kein Treten mit den Füßen?
GW: Nur ein bisschen, ab und zu - man tritt den Ball nur, um Punkte zu erzielen.
S: Wie viele Punkte, Sir?
GW: Manchmal einen, manchmal auch drei...
S: Das verwirrt mich extrem.
GW: Keine Sorge. Für unsere neue Nation werden wir verschiedene Maßstäbe an den Seitenlinien haben - Inches auf der einen und Zentimeter auf der anderen Seite. Außerdem wird es noch zwei völlig unterschiedliche Skalierungen für Temperaturen geben - eine macht Sinn für die gesamte Welt und die andere ist völlig zufällig. Wir entscheiden uns für letztere!

Celsius vs. Fahrenheit - Quelle: Wikipedia
S: Wie heißt diese Skalierung?
GW: Fahrenheit.
S: Können sie das bitte einmal buchstabieren?
GW: Das ist unmöglich! Aber eines schönen Tages, wenn wir mutig, kühn und tapfer sind, werden wir uns lossagen von einem "u" in vielen britischen Wörtern, wie "color" und "armor". Aber das "u" in "glamour" behalten wir.
S: Nur in "glamour", Sir?
GW: Ja, nur dort. Das ist mein Traum für unser Land, Männer. Ein Schmelztiegel voll mit unterschiedlichen Schreibweisen und verschiedenen Messwerten, welche bei den Europäern Wutanfälle hervorrufen werden! Ein Land der Freiheit!
![]() |
| Keine Taktik-Aufstellung vom Football sondern eine "Übersicht" des Angloamerikanischen Maßsystems, auf der rechten Seite die vergleichbaren Angaben im metrischen System - Quelle: Wikipedia |
Also jetzt mal im Ernst, wer hat sich denn da gedacht "Wow, das ist so einfach!": 20 "twips" sind ein "point" und sechs "point" ein "line", wohingegen zwölf "point" ein "pica" sind. Demzufolge können 12 "line" ein "inch" sein, aber auch sechs "pica". Und vier "poppyseed" (wortwörtlich: Mohnstreusel) werden zu einem "barleycorn" (wortwörtlich: Gerstenkorn) und drei davon sind auch ein "inch". Drei "foot" sind ein "yard" und 1.760 davon werden zu einer Meile - es sei denn es ist eine nautische Meile, diese hat selbstverständlich 6.080 "foot". Zwei "foot" sind ein "shaftment" und drei davon wiederum ein "cubit". Elf "cubit" sind ein "rod" oder "pole" oder "perch" (das können aber genauso 25 "link" sein). Alles klar?
Dabei war mit der erste Fan des metrischen Systems aus den USA kein Geringerer als Thomas Jefferson, der Hauptverfasser der Unabhängigkeitserklärung. Von 1784 bis 1789 verfolgte er als Diplomat in Frankreich eine heiße Debatte um die Vereinheitlichung der Maße dort, die später, während der französischen Revolution, zur Einführung des metrischen Systems führte. Jefferson war begeistert. Doch weder er noch John Quincy Adams, der sechste US-Präsident, fanden Zustimmung mit ihren Meter-Visionen. Die Ex-Kolonien vertrauten lieber britischer Tradition - ein am menschlichen Körper orientiertes Maß-Chaos: Ein Fuß war die Länge eines Fußes (wessen?), ein Fathom (Vorläufer des nautischen Fadens) die Spannweite der Arme (egal ob 1,60 oder 1,90 groß?), ein Yard deren Hälfte. Auch nachdem die 1863 gegründete National Academy of Sciences die "Einheit von Gewichten, Maßen und Münzen" empfahl und der US-Kongress 1966 die Einführung des metrischen Systems absegnete, sperrten sich die Bürger jahrzehntelang weiter: Man lasse sich Europas Konventionen nicht aufzwingen. Die Befürworter sahen im metrischen Maß Aufklärung, Wissenschaft und Demokratie. Die Gegner sahen "Gottlosigkeit und Guillotine". 1975 unterzeichnete Präsident Gerald Ford als letzten Versuch den "Metric Conversion Act", der das metrische System zu Amerikas "bevorzugtem Gewichts- und Maßsystem" erklärte - allerdings auf freiwilliger Basis. Erfolglos. Das metrische System sei unamerikanisch, hieß es, unpatriotisch, kommunistisch oder gar eine arabische Verschwörung. Ah ja.

Es blieb bei einem Versuch - Foto: CC BY-SA 3.0/ Christopher Chen
Kommen wir zurück zur Ausgangsfrage: Ist das alles die absolut simple Erklärung, warum der Wahnsinn in den USA mehr oder minder seinen Ursprung hat bzw. haben muss und nun das "Spukgespenst von Schloss Schlaganfall" (Trump) der prominenteste Vertreter ist?
Um es mit George Washington ("aka" Nate Bargatze) zu sagen: Das weiß niemand!




Kommentare
Kommentar veröffentlichen