Direkt zum Hauptbereich

Der Deutschen liebstes Kind...

...ist immer noch das Automobil. War immer so, ist so und wird vermutlich stets so bleiben. Schließlich wurde es ja auch in Deutschland erfunden. Gleichwohl ein eigenes Fahrzeug für viele junge Leute heutzutage nicht mehr den Status bedeutet, wie es früher war... viele haben heute gar keine Fahrerlaubnis, weil der Erwerb entweder für viele völlig unerschwinglich ist, angesichts der gestiegenen Kosten (s.u.), oder weil sie schlicht nicht die Notwendigkeit sehen. Im überfüllten Großstadtdschungel, mit gut funktionierendem öffentlichen Nahverkehr, wird ein eigener fahrbarer Untersatz verzichtbar.

Doch für die große Masse ist ein eigenes Auto immer noch das Nonplusultra. Die Freiheit auf vier Rädern. And on the german Autobahn is still "Freie Fahrt für freie Bürger!". Wenn auch diese Freiheit mittlerweile teurer geworden ist. Allem voran durch massiv gestiegene Spritpreise. Und da fällt vor allem eines auf: Diesel ist extrem teuer geworden - kostet aktuell gut und gerne 20 oder gar 30 Cent pro Liter mehr als Normalbenzin. Früher war Diesel stets etwas günstiger (so bummelig zehn Cent). Dafür kostete ein Dieselfahrzeug mehr in der Kfz-Steuer. Daher war der Diesel eher ein Auto für Vielfahrer, also gerne als Firmenwagen oder für Pendler, die sich über die gefahrenen Kilometer und den günstigeren Preis ggü. Benzin die höhere Steuer wettmachten. Das ist aktuell also irgendwie ein Minusgeschäft.

Merkwürdige Szenen spielen sich ab, an deutschen Tankstellen - Bild: Collage

Aber das war einmal. Ebenso wie die am Markt vorhandenen Automarken. In meiner Jugend war das überschaubar. In Deutschland gab es Volkswagen, Audi, BMW, Porsche, Mercedes, Opel sowie Ford. Aus Frankreich kamen Renault, Peugeot und Citroën. Japan hatte vergleichsweise viele Marken zu bieten: Mazda, Suzuki, Isuzu, Mitsubishi, Toyota, Daihatsu, Honda, Subaru und Nissan. Aus Schweden kamen Volvo und Saab. Seat aus Spanien, Škoda aus Tschechien, Dacia aus Rumänien und Hyundai sowie Kia aus Südkorea. England wartete mit Marken wie (Land) Rover, Aston Martin, Mini sowie Jaguar, Bentley und Rolls Royce auf. Aus Italien Fiat, Alfa Romeo, Lancia und natürlich Ferrari, Maserati sowie Lamborghini. Schon etwas "exotischer" waren US-amerikanische Modelle von Chrysler, Chevrolet, Dodge, Jeep.

Dann hat sich der Markt gewandelt - viele Marken gibt es immer noch, aber anders. Marken wurden unter Dächern zusammengefasst (beispielsweise Seat und Škoda unter VW), Renault und Nissan gingen eine Partnerschaft ein, dazu gesellte sich noch Dacia als "low budget". Andere Marken riefen neue Segmente ins Leben, wie Cupra (von Seat), Lexus (Toyota) oder Infiniti (Nissan). Und dann kamen ganz neue Marken, die man zuvor noch nie gehört hatte: SsangYong, BYD, Nio, Geely, Lynk & Co., Ora und einige andere. Speziell chinesische Marken mischen derzeit den Markt mit üppigen Ausstattungen zu bezahlbaren Preisen auf.

Jahrzehntelang hatte man aber überall vorrangig auf Verbrenner gesetzt. Auch VW war eine gefühlte Ewigkeit in China sehr präsent. Bis man dort irgendwann selbst Autos baute und mittlerweile auch sehr erfolgreich E-Autos. Elektromobilität fristet hierzulande eher (immer noch) mehr ein Nischendasein: 19,1% aller Fahrzeuge auf deutschen Straßen surren mit Null Emission durch die Landschaft. Zum Vergleich: Das ist weltweit Platz 17. Schweiz 22,8% (13.), Belgien 34,7% (6.) und die ersten fünf Plätze alle fest in skandinavischer Hand - Platz 1: Norwegen mit sage und schreibe 95,9%. Vor neun Jahren waren die auch gerade einmal bei 15,5% (wir bei mickrigen 0,3%) und in nicht mal einem Jahrzehnt haben die beinahe den kompletten Fahrzeugbestand elektrifiziert.

Warum wir weit abgeschlagen auf Platz 17 liegen? Nun, einerseits weil man 2023 die staatliche Förderung für Elektrofahrzeuge aussetzte (erst seit diesem Jahr wieder aktiv). Andererseits weil die Infrastruktur zwar stetig besser wird (es gibt immer mehr Ladesäulen), aber noch weit entfernt von super ist. Schaut man in die Nachbarländer, wird gezeigt, dass es deutlich besser geht. Ein Supermarkt-Parkplatz in Frankreich ist nahezu komplett mit Carports bedeckt, auf denen Photovoltaikanlagen installiert sind. Darunter eine Heerschaar an Ladesäulen. Und dort ist der Anteil an Elektrofahrzeugen mit 20% nur minimal höher als hierzulande (Platz 15). In Italien gibt es Ladeplätze, an denen minutengenau angezeigt wird (und auch von weitem sichtbar), wie lange der Ladevorgang noch dauert. Auch die Preise sind im Ausland teils deutlich günstiger und die Bezahlweise wesentlich einfacher: Nicht viel anders als bei einer normalen (SB-)Zapfsäule - EC- oder Kreditkarte dran, fertig.

Die traurige Realität in Deutschland erinnert an das damalige Einwegpfand-Chaos. Als man auf Dosen und Kunststoffflaschen ein Pfand von 25 Cent zahlen musste, bekam man in den Anfangszeiten Leergutbons/Wertmarken oder Chips, da man das Pfand nur in dem Laden zurückgeben konnte, wo man es auch gekauft hat. Ein heilloses Durcheinander, bis man dann irgendwann endlich ein bundesweit einheitliches System installierte. Ähnlich der Status Quo an Ladesäulen für Elektroautos:

  • Eine unüberschaubare Vielzahl an Anbietern
  • Jeder hat seine eigene App, welche man für die Nutzung benötigt, manche über NFC mit dem Handy, andere zwingend eine physische Karte
  • Es gibt eine Handvoll die ein Laden an nahezu allen Säulen anbieten (anbieterunabhängig), doch das führt dazu, dass man je nachdem mit welcher App oder Ladekarte, an einem Stadort völlig unterschiedliche Preise bezahlt
  • Und natürlich gibt es zig Varianten von Abo-Modellen der Anbieter: Gelegenheitsnutzer ohne monatliche Grundgebühr, aber höherem Ladepreis. Vielfahrer mit Grundgebühr, usw... 

Bei einer wahllos für die Recherche ausgewählten (22kw-)Ladesäule in der City von Hannover lädt man mit der App von eweGo für 62 Cent/kWh, mit der Shell Recharge sind es sogar 64 Cent, Enercity verlangt nur 47 Cent. An einem anderen CCS-Charger (mit bis zu 400kw) kostet es in der eweGo-App 52 Cent, über Enercity 69 und mit Shell sogar 74 Cent. Okay, hier zahlen andere Anbieter einen Aufschlag - die 22kw-Ladesäule gehört Enercity, der 400kw-Charger eweGo. Dennoch: Man stelle sich vor man hätte beispielsweise eine Aral-Karte und muss bei einer Esso-Tankstelle tanken und daher wird der Sprit um fünf Cent pro Liter teurer - das würde keiner mitmachen!

Screenshot aus der App "Ladefuchs" - selbst eweGo-Kunden zahlen an der eigenen Säule nicht den günstigsten Preis

Und bei alledem ist noch nicht mal das anfängliche Stecker-Chaos erwähnt, weil natürlich jeder Hersteller seine eigenen Anschlüsse verbaut hatte ohne dass man sich auf einen einheitlichen Standard einigte (ähnlich wie Handy-Ladeanschlüsse, wo nun USB-C der Goldstandard ist). Wie gesagt: Dass es anders geht (jetzt schon) zeigt uns das Ausland.

Dass es trotzdem funktionieren kann, beweisen Tausende von begeisterten E-Auto-Fahrer_innen tagtäglich. Die meisten Elektrofahrzeuge können etwa binnen einer halben Stunde auf eine Kapazität von 80% aufgeladen werden. In der Zeit erledigen die Menschen ihren Wocheneinkauf oder gönnen sich an der Autobahn einfach mal eine Auszeit und entspannen. Andere nutzen die heimische Wallbox und laden über Nacht oder auch die Ladesäule am Arbeitsplatz, die immer öfter angeboten wird. So wird das Laden zur Nebensache. Diesel-Doris muss hingegen extra zur Tankstelle des Ölmultis fahren und tankt zähneknirschend für 150 Euro den Wagen voll.

Ganz ehrlich, da hab ich aktuell auch wenig Mitleid, wenn ich wie jüngst auf dem Supermarktparkplatz einen riesigen US-Pickup sehe, mit folgendem Aufkleber:

Tja, da muss die Liebe derzeit viel aushalten

Das fällt in dieselbe Kategorie, wie wenn ich an irgendwelchen Boliden, mit dem CW-Wert einer Schrankwand, an denen man eigentlich vor dem Auspuff Gitter anbringen müsste, weil sonst irrtümlich Obdachlose hier Zuflucht suchen könnten, Beschriftungen lese, wie "Heul' leise, Getra!". Nee, sorry. Da hab ich aktuell Null Verständnis oder wie schon erwähnt Mitleid.

Generell glaube ich, dass der Schmerz immer noch nicht groß genug ist. Ich sehe immer noch genug Autos an den Tankstellen, stehe immer noch (mit meinem Elektroauto) in diversen Staus. Dass die Leute aufgrund der gestiegenen Preise weniger Auto fahren, kann ich nicht feststellen. Neulich wieder bei der hiesigen Markthalle im Wendehammer einen Ferrari, eine Caravelle und einen Porsche Cayenne im eingeschränkten Parkverbot parken sehen - nicht nur zum Be- oder Entladen (was will man in einen Ferrari groß laden?), sondern längerfristig. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit waren die Besitzer schön brunchen. Aber zu Fuß dorthin? Bitte...! 

Es zeigt sich wie so oft wieder einmal, dass Veränderungen nur wirksam greifen, wenn es weh genug tut. Denn aktuell kann man folgendes beobachten: Zwar sagen in einer (zum Zeitpunkt der Recherche von rund 300 Menschen genutzte, daher sicherlich nicht repräsentativen) Umfrage knapp die Hälfte aller Befragten, dass sie ihr Fahrverhalten angesichts der gestiegenen Preise nicht verändern (dann scheint es wohl immer noch nicht weh genug zu tun). Rund 40% gaben hingegen an, dass sie vorausschauender und mit niedrigerer Geschwindigkeit fahren oder den ECO-Modus für sich entdeckt haben, um Sprit zu sparen. Die restlichen zehn Prozent gaben an, ein E-Auto zu fahren. Auch interessant: Im März wurden 70.663 batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) neu zugelassen. Das entspricht einem Plus von satten 66,2 Prozent und einem Marktanteil von 24,0 Prozent.

Vielleicht klappt es ja dennoch in dieser aktuellen Krise endlich mal, dass man sich (langfristig) Gedanken macht, wie man unabhängiger von Öl (und Gas) wird. Ich könnte mir vorstellen, dass die gestiegenen Ölpreise aufgrund des Iran-Krieges in Norwegen kaum jemanden sonderlich jucken werden. Allein mir fehlt der Glaube daran, dass dies bei uns passiert. Zumal wir Katharina Reiche (CDU) als Bundesministerin für Wirtschaft und Energie haben. Zu ihrer Historie muss man wissen: Bis April 2025 war sie mehrere Jahre Vorstandsvorsitzende bei Westenergie, einer Tochter des Energiekonzerns Eon. Westenergie ist einer der größten Gasnetzbetreiber Deutschlands. Parallel dazu saß sie im Aufsichtsrat von Energieversorgern wie DEW21 und RheinEnergie. Sie war ferner Hauptgeschäftsführerin des Lobbyverbands VKU (Verband kommunaler Unternehmen). Viele der VKU-Mitgliedsunternehmen sind im Gas-Business tätig. Lobbycontrol kritisierte, dass der VKU daran beteiligt war, das Gebäudeenergiegesetz (GEG) - manchen besser bekannt als das sogenannte "Heizungsgesetz" - abzuschwächen. Besonders profitiert haben davon die großen Gaskonzerne. Reiches nahtloser Wechsel aus der Politik in die Wirtschaft stand in der Kritik und befeuerte erneut die Debatte über Sperrzeiten für ehemalige Politiker_innen. 

Die Energiewende ist unter der Ampel-Regierung endlich wieder in Fahrt gekommen – mit Rekordausbau der Solar– und Windenergie. Doch Wirtschaftsministerin Reiche droht diese positive Entwicklung jetzt auszubremsen: Sie stellt das Ziel Deutschlands, bis 2045 klimaneutral zu werden, infrage. Die Ministerin hält den Ausbau der Erneuerbaren für „völlig überzogen“. Mit einem Gutachten will sie belegen, dass der Strombedarf niedriger ist als bisher angenommen – um dann die Ausbaupläne für erneuerbare Energien und die dafür nötigen Netze zu kürzen. Dieses Monitoring beleuchtet allerdings nur einige Aspekte und erzeugt ein verzerrtes Bild zu Reiches Gunsten. Statt in Erneuerbare zu investieren, will Reiche - wen wunderts - neue Gaskraftwerke mit einer Leistung von 20 Gigawatt bauen. Das würde Deutschland langfristig von Gas-Importen abhängig machen. Denn die neuen Kraftwerke müssen nicht einmal auf Wasserstoff umrüstbar sein. Und auch die Wärmewende könnte Katherina Reiche abwürgen. Sie empfiehlt das Heizen mit Erdgas und will alte Heizkessel weiterlaufen lassen. Das „Heizungsgesetz“ will sie abschaffen. 

Merz und Mr. Burns-Vergleiche kennen wir. Doch auch K. Reiche hat erstaunliche Ähnlichkeit mit Gundel Gaukeley, der bösen Gegenspielerin von Dagobert Duck - Bild: Collage

Ganz aktuell möchte Frau Reiche zusammen mit Merz offenbar die heimische Gas-Förderung vorantreiben. Dabei wäre vor allem nur das umstrittene Fracking möglich - ein Verfahren, wo mit viel Aufwand Chemie in den Boden gepumpt wird, um Gas zu fördern. Haken an der Sache: Die heimische Erdgasförderung deckt etwa fünf Prozent des Erdgasbedarfs in Deutschland ab. Nach Angaben des BVEG verfügt Deutschland über 32,1 Milliarden Kubikmeter an Erdgasreserven, die wahrscheinlich noch förderbar sind. Dies würde für die nächsten sieben Jahre ausreichen, wenn man auf aktuellem Niveau fördern würde. Tja... und dann Frau Reiche? Deutschland hat einfach zu wenig fossile Rohstoffe, um unabhängig zu werden.

Die Kraftwerksstrategie von Ministerin Katherina Reiche soll die Stromversorgung in wind- und sonnenarmen Zeiten sichern. Reiche macht seit Monaten keinen Hehl daraus, dass sie die Reserve mit Gaskraftwerken bestreiten will. Dabei hat sie der EU-Kommission, die das Back-up beihilferechtlich genehmigen muss, eigentlich Technologieoffenheit (so ein Lieblingswort der Union) zugesichert. Katherina Reiche soll bei einem Energiekonzern aber sogar Argumente für Gaskraftwerke "bestellt" haben. Der gemeinsame Gegner sind demnach Batteriespeicher, mit denen sich überschüssiger grüner Strom speichern lässt.

In einer gemeinsamen Erklärung fordern die Energieminister von 15 (!) Bundesländern, am Ausbau der erneuerbaren Energien festzuhalten. Dieser bleibe eine wichtige Maßnahme, »um die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffimporten zu verringern und damit Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit der Energieversorgung in Deutschland und Europa zu erhöhen«. Die Bundesregierung wird zudem aufgefordert, die Absenkung der Stromsteuer auf alle Verbrauchsgruppen auszuweiten und weitere Maßnahmen wie eine Übergewinnsteuer zu prüfen, um Verbraucher und Industrie zu entlasten. Die Erklärung wurde von allen Ländervertretern mit Ausnahme (drei Mal dürfen wir raten... richtig:) Bayerns unterzeichnet.

Auch eine Maßnahme aus Reiches Ministerium: Seit 1. April dürfen Tankstellenbetreiber -nach österreichischem Vorbild - nur noch einmal täglich (um 12:00 Uhr) ihre Preise erhöhen. Und nach rund zwei Wochen kann man festhalten: Die erhoffte Entlastung ist ausgeblieben (nicht alles, was aus Österreich kam, hat in der Vergangheit gut funktioniert). Denn: Tankstellenbetreiber erhöhen nun zur Mittagsstunde massiv die Preise, denn das dürfen sie ja nur einmal am Tag tun. Senkungen sind hingegen jederzeit möglich. Also werden die Preise um 12 künstlich "zur Sicherheit" hoch gesetzt, damit man nicht Gefahr läuft ein Minusgeschäft einzufahren. Folge: Am Vormittag fährt (wer kann) alles zum Tanken. Mit dem ersten "Mahlzeit" gleichen Tankstellen jedoch einer Geisterstadt - keine Autos weit und breit. Also zumindest keine, die tanken - vielleicht mal ein Snickers kaufen, ja. Aber Diesel und Super, nein danke. Langfristig wird das wohl vereinzelt dazu führen, dass Tankstellenbetreiber speziell in den Nachmittagsstunden Personal nach Hause schicken oder die Tanke komplett schließen, weil es sich einfach nicht mehr rentiert. Für einen Tankrabatt oder gar ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen ist die Ministerin absolut nicht zu haben.

"Wie soll ich um 10 Uhr tanken? Ich muss arbeiten!" - Häufiges Bild derzeit - Bild: Collage

Und nun denkt sich der Lindner-Christian auf einmal "Huch, beleben die da meine Idee von damals wieder?", denn ab Mai soll es nun wieder einen "Tankrabatt" geben. Genauer: Eine kurzfristige Aussetzung bzw. genauer Senkung der Mineralölsteuer. Und die Ölkonzerne haben sogar versprochen, diesen Rabatt an die Kunden weiterzugeben - wie gnädig. Baut bitte schon mal kleine Schreine für Shell, Aral und Co. auf eurem Armaturenbrett.

Erschwerend kommt hinzu: Die Automobillobby in Deutschland gilt als eine der einflussreichsten Wirtschaftsinteressengruppen, was primär auf die enorme ökonomische Bedeutung der Branche zurückzuführen ist. Als größter Industriezweig des Landes, der gut ein Fünftel des Gesamtumsatzes der deutschen Industrie erzielt und knapp 780.000 Menschen beschäftigt, ist die Branche eng mit der Politik, insbesondere der Bundesregierung, verflochten. Das erklärt auch, warum man in der CDU vehement an die "hocheffizienten Verbrenner" glaubt. Das ist per se ja nicht komplett verkehrt. Nur muss man bedenken, dass ein "hocheffizienter Verbrenner" effizienter als ein normaler Verbrenner ist, aber im Bestfall höchstens halb so effizient sein kann wie ein Elektroauto. Das ist schlicht und ergreifend Physik!

Und wenn mir noch einmal irgendwer etwas von "E-Fuels" daherfaselt, drehe ich durch. "E-Fuels" sind für die CDU so etwas wie Chanel No. 5. Problem: Für diese wird sehr viel Ökostrom eingesetzt, um am Ende Mengen an E-Fuels zu haben, welche den Chanel-Vorkommen ähneln könnten. Ich habe da einen verrückten Vorschlag: Wir könnten den Ökostrom doch direkt nutzen, um damit E-Autos zu laden, anstelle in einem hochkomplexen Prozess E-Fuels daraus zu generieren? Nur so ein Gedanke.

Die Herangehensweise von Ministerin Reiche, den Fokus auf neue Gaskraftwerke zu setzen, anstatt weiter auf Wind und Sonne, ist der völlig falsche Ansatz. Der Grund: Das "Merit-Order-Prinzip" bestimmt den Strompreis an der Börse, indem Kraftwerke zwar nach aufsteigenden Kosten (günstigste zuerst) eingesetzt werden, das letzte, teuerste zur Nachfragendeckung benötigte Kraftwerk (meist Gas) setzt jedoch den Einheitspreis für alle. Dies führt zu effizientem Einsatz, aber bei hohen Gaspreisen zu teurem Strom. Soll heißen: Solange wir uns nicht vom Gas zur Stromerzeugung loslösen, kann auch der Strom nicht dauerhaft günstig werden.

Schauen wir nochmal zum Elektromobilität-Primus: Norwegen erzeugt nahezu seinen gesamten Strom (ca. 98–99 %) aus erneuerbaren Quellen, primär Wasserkraft. Mit über 1.700 Wasserkraftwerken deckt das Land seinen Bedarf, exportiert Überschüsse über Seekabel nach Europa und fungiert als "grüner Speicher". Windenergie gewinnt dort ebenso an Bedeutung, während fossile Energien kaum eine Rolle in der Stromerzeugung spielen. Denen ist das völlig Wumpe, ob der Golfspieler aus Florida im Nahen Osten durchdreht und mit ihm die Preise an der Ölbörse oder irgendwelche Tanker in der Straße von Hormuz feststecken. Zumindest blicken sie sicherlich deutlich entspannter darauf, als viele hierzulande. 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Das Ende oder die Wiedergeburt der Leistungsgesellschaft?

Wenn jenseits von Sport und Breitbandnetzen Leistungen gefordert werden, geht es meist um Sozialleistungen. Also um etwas, das zu verteilen ist. Nicht um etwas, das jemand erbringen soll. Doch jetzt meint die CDU, wir müssten alle wieder mehr leisten (und meint damit vorrangig nicht den Staat). Höher, schneller, weiter – in der heutigen Gesellschaft wird generell suggeriert, dass man nur mit kontinuierlicher Optimierung der Persönlichkeit, Performance und der persönlichen Umstände den „Anschluss behalten“, Wohlstand bewahren kann. Wer sich anstrengt und Leistung erbringt, der wird anerkannt und schafft es nach oben - so lautet das Versprechen unserer Leistungsgesellschaft. Was als Leistung definiert wird, bleibt jedoch diffus. Warum „leistet“ eine Pflegekraft, die Verantwortung für das Leben anderer übernimmt, (scheinbar) weniger als jemand, der als Manager Verantwortung für ein Unternehmen trägt? Oder leistet die Pflegekraft sogar mehr, nur werden ihre Leistungen monetär (leider) nich...

Die Playlist der Hölle

Den heutigen Post starte ich, bevor es mit dem eigentlichen Thema losgeht, mit meinem Lieblings-Trump-Witz... Eines Tages stirbt Donald Trump und fährt hinab in die Hölle. Dort sagt der Teufel: " Ich habe dich bereits erwartet - du bist hier goldrichtig. Aber, wir haben ein kleines Problem.  Die Hölle ist voll. Du gehörst nun aber mal definitiv hier unten hin. “.  Er überlegt kurz, dann sagt er weiter: „ Wir machen es so: Ich habe ein paar Personen hier, die nicht so schlimm waren wie du. Eine von ihnen kann in den Himmel, dann wird der Platz für dich frei. Weil du aber dann deren Pflichten hier in der Hölle übernehmen musst, lasse ich dich entscheiden wen du in den Himmel schickst und damit dessen Platz einnimmst. “ Trump liebt ja bekanntlich "Deals", also schlägt er ein.  Der Teufel führt ihn sodann zu Tür Nummer Eins. Er öffnet sie und Trump sieht darin Barack Obama und einen Swimmingpool. Obama springt immer und immer wieder in den Pool, taucht nach etwas, kommt aber...

Karte? Nein, Danke.

Ich glaube, in kaum einem anderen Land ist Kartenzahlung so wenig akzeptiert und wenn dann so kompliziert wie in Deutschland. Man kennt es: Wer nicht mit einer prall gefüllten Geldbörse durch den Alltag stapft, in welcher die Scheine in allen Abstufungen und ausreichender Anzahl fein säuberlich das Portemonnaie füllen, der wird sich hier und da in einer kritischen Situation befinden: Habe ich genug Geld dabei?  So jüngst passiert, nicht mir, sondern dem Kunden vor mir an der Rewe-Kasse: Er hat seinen gesamten Wocheneinkauf an der Getränkemarkt-Kasse aufgebahrt und der Kassierer wird bei den letzten Artikeln immer zögerlicher. Verwundert tauche ich in das Geschehen ein, von dem ich bislang nur beiläufig Notiz nahm, derweil ich meine Rewe-App startklar machte. " Ja, die Mortadella noch, und eine zweite, und eine dritte, die Pizza auch, ja das Toastbrot kann noch.. ." was zur Hölle? Beim Blick auf den Gesamtbetrag erahne ich dann, er versucht nicht über 70 Euro zu kommen (weil e...