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Donald Trump weist massenhaft Leute wie seinen eigenen Großvater aus

Donald Trump wird nicht müde, den Amerikanerinnen und Amerikanern zu erzählen, wer zu diesem Land gehört und wer nicht. Fun-Fact: Letzteres natürlich klar - vorrangig Migrant_innen. Das ist insofern "lustig", wenn man sich mal Trumps eigene Familienhistorie anschaut... ja, dass er deutsche Vorfahren hat, ist bekannt, aber es gibt noch ein paar "Details"...

Bild: Stern

Geburt und Kindheit des Großvaters in Deutschland 

Trumps Großvater Friedrich Trump wurde 1869 als Sohn von Christian Johannes Trump und Katharina Kober in Kallstadt (heute Rheinland-Pfalz, damals Königreich Bayern) geboren. Er hatte vier Schwestern und einen Bruder. Die Familie besaß ein kleines Weingut, aber der Vater war schon bei Friedrichs Geburt lungenkrank, und als er 1877 starb, hinterließ er wegen der Arztkosten hohe Schulden. Deshalb mussten die älteren Geschwister im Weingut mitarbeiten. Friedrich erschien der Mutter aber für diese harte Arbeit nicht geeignet, auch hatte er selbst bekundet, kein Interesse zu haben, Winzer zu werden. Deshalb schickte sie ihn im Alter von 14 Jahren in das nahe gelegene Frankenthal, wo er eine Ausbildung zum Friseur machte. Als Friseur hätte Friedrich Trump im kleinen Kallstadt (damals knapp 1.000 Einwohner) jedoch kein Auskommen gefunden und da seine älteste Schwester Katharina bereits im Jahr zuvor nach New York ausgewandert war und dort ihren ebenfalls aus Kallstadt stammenden Verlobten Friedrich Schuster geheiratet hatte, entschied er sich nach dem Abschluss seiner Lehre 1885 – erst 16-jährig –, ihr dorthin zu folgen.

Auch ein Grund, der für Friedrich Trump von Bedeutung gewesen sein könnte, war (aller Vermutung nach) das zu dieser Zeit geltende Prinzip der "Realteilung", wodurch er irgendwann nur einen Bruchteil des ohnehin nicht großen Grundbesitzes der Mutter erben würde, während in den USA jedermann bis zu 160 Acres (etwa 65 Hektar) Land erwerben konnte, indem er es fünf Jahre lang bewirtschaftete. Nach zwölftägiger Seereise von Bremerhaven nach New York City an Bord der Eider, eines Schnelldampfers des Norddeutschen Lloyd, betrat er am 19. Oktober 1885 erstmals amerikanischen Boden. Bei der Einwanderungsbehörde Castle Garden wurde er unter dem Namen „Friedr. Trumpf“ registriert.

Einwanderer in den USA (New York, Seattle)

Deutsche waren damals in den Vereinigten Staaten sehr gern gesehen und stellten seit Jahrzehnten die größte Gruppe von Einwanderern. Mit der bescheidenen Existenz als Friseur war Friedrich Trump(f) aber nicht zufrieden - er wollte reich werden. Dann im November 1891 - ein 22-jähriger Friseur aus New York erreicht den äußersten Nordwesten der USA - übernahm er mit Hilfe von Zuwendungen durch Verwandte ein kleines Restaurant im Rotlichtbezirk von Seattle. Darin bot er auch ein "Privatzimmer für Frauen" an – ein bekannter Code für Prostituierte zu dieser Zeit. Der Mann spricht kein Englisch, sondern Deutsch mit starkem Pfälzer Dialekt, obwohl er bereits seit 1885 in Amerika lebt. "Friedrich Trumpf" kommt nach sechs Jahren in Amerika aber tatsächlich in seiner neuen Heimat an, indem er nun fortan Englisch sprach und seinen deutschen Namen zu Frederick Trump anglisieren ließ. 1892 wurde er amerikanischer Staatsbürger. 

Das Restaurant, das Trump mit großem Einsatz allein betrieb, eröffnete aber keine weitere Perspektive. Durch ein vorzeitig ausbezahltes Erbe hatte er jedoch erstmals ein wenig Kapital für weitere Unternehmungen. Im Frühjahr 1893 gab er sein Restaurant auf, verkaufte das Inventar und machte sich auf den mühsamen Weg in die schroffe und noch tief verschneite Kaskadenkette nordöstlich von Seattle. Hier waren unlängst reiche Vorkommen von Gold und Silber entdeckt worden und jetzt wurde eine neue Siedlung namens Monte Cristo errichtet. Der Erwerb eines dortigen Grundstücks war jedoch weit jenseits von Trumps finanziellen Möglichkeiten. Stattdessen ließ er an einer Stelle in der Nähe des geplanten Bahnhofs, wo er vorgeblich Gold gefunden hatte, einen Claim registrieren und errichtete darauf ein Boardinghouse, also eine Art Herberge/Hotel. Damit missachtete er zwar das Verbot, Claims als Baugrund zu nutzen, und er ignorierte zudem, dass der Claim bereits auf einen anderen Namen registriert war, aber ein solches Vorgehen war damals in Monte Cristo durchaus üblich und nur mit einem sehr geringen Risiko verbunden.

Um 1896 kursierten auch Geschichten über Goldfunde im Yukon-Gebiet im Nordwesten Kanadas, an der Grenze zu Alaska. 1897 kamen 68 Goldsucher nach Seattle, die am Klondike River, einem Nebenfluss des Yukon River, in kürzester Zeit reich geworden waren und Nuggets im Wert von über 700.000 US-Dollar (entspricht heute mehr als 20 Mio. US-Dollar) mitbrachten. Seattle galt fortan als DER Ausgangspunkt, das Sprungbrett für Expeditionen zum Klondike. Trump eröffnete erneut ein – dieses Mal sehr profitables – Restaurant in Seattle. In den Folgemonaten bereitete er aber auch seine Reise zum Yukon vor, indem er die benötigte Ausrüstung und reichlich Vorräte zusammentrug. Im Frühjahr 1898 verkaufte er das Restaurant. 

Goldrausch am Yukon 

Mit seinem Partner Ernest Levin errichtete Trump im Mai 1898 in der neu gegründeten Stadt Bennett am Lake Bennett in der kanadischen Provinz British Columbia das "New Arctic Restaurant and Hotel", das bald als das beste Haus am Ort galt. In dieser verwahrlosten, rauen Umgebung trug der Chef eine saubere, weiße Schürze über einem gestärkten weißen Hemd mit Krawatte. Er war Kellner, manchmal auch Koch und wenn nötig sogar Türsteher. Was das Haus vor allem von anderen unterscheidet: Täglich wird angeblich frisch geschlachtetes Fleisch angeboten, für das die ausgemergelten Glücksritter dankend ihre letzten Pennys ausgeben. Wie die amerikanische Journalistin und Sachbuchautorin Gwenda Blair in ihrer maßgeblichen Biografie über „The Trumps: Three Generations of Builders and a Presidential Candidate“ herausgefunden haben will, soll es sich dabei allerdings um das Fleisch zahlloser, vor Erschöpfung oder Kälte verendeter Packpferde gehandelt haben, Gammelfleisch also. Und es soll nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ein Trump mit schlechtem Fleisch Profit macht (Stichwort: Trump Steaks).

Neben diesen hocherlesenen Speisen bot das Etablissement vor allem alkoholische Getränke und Zimmer für sogenannte "Sportdamen", heute besser bekannt als..? Richtig: Prostituierte - was man halt nach einem harten Goldschürfer-Tag so brauchte, um abzuschalten. Ein Leser der „Yukon Sun“-Zeitung schreibt im April 1900, er würde „Frauen, die allein reisen, raten, bei ihrer Auswahl der Hotels in Bennett vorsichtig zu sein“. Trumps Restaurant sei zwar das beste vor Ort und „großartig für alleinstehende Männer“, „aber ich würde respektablen Frauen nicht raten, dorthin zu gehen, um zu schlafen, da sie wahrscheinlich Dinge zu hören bekämen, welche die Gefühle verletzen könnten …“. Im Hotel standen Waagen, damit alle Dienste mit Goldstaub oder kl. Nuggets bezahlt werden konnten. Trump erkannte jedoch schnell, dass der Boom dort nur von sehr kurzer Dauer sein würde, und da es zudem Probleme mit seinem Partner Levin gab, stieg er schon 1901 aus dem Geschäft aus. Er hatte binnen kürzester Zeit den angestrebten Wohlstand erlangt, der jedoch nicht auf richtig harter körperlicher Arbeit - weder als Winzer, noch als Goldschürfer - fußte, sondern indem man stets "Begleitumstände günstig ausnutzte", und nun wollte er in Deutschland eine Ehefrau suchen.

„Wir sind gekommen, um zu bleiben“, schreiben Trump und Levin im Februar 1901 den Lesern der Zeitung „Whitehorse Star“. Das Arctic Restaurant früher und heute - Bild: Collage

Das Heimweh ruft - zurück in Deutschland 

In Kallstadt, wohin Trump als reicher Mann zurückkehrte, fiel seine Wahl auf die elf Jahre jüngere frühere Nachbarstochter Elisabeth Christ - alte Liebe rostete offenbar nicht? Da die Familie Christ jedoch arm und im Ort wenig angesehen war, war seine Mutter zutiefst entsetzt und versuchte, ihn zu einer standesgemäßeren Wahl zu bewegen. Es half jedoch nichts, schließlich heirateten Frederick und Elisabeth 1902 in Ludwigshafen, dessen Standesamt für Eheschließungen mit Ausländern zuständig war, denn das war Friedrich mittlerweile. Danach zogen sie gemeinsam nach New York. Nach der Geburt ihrer gleichnamigen Tochter Elizabeth löste Frederick, aufgrund des starken Heimwehs seiner Frau 1904 sein diesbezügliches Versprechen gegenüber dem Schwiegervater ein, und die Familie zog wieder nach Kallstadt.

In Kallstadt war Trump als wohlhabender Bürger mit gutem Leumund willkommen, zumal er sein Vermögen von 80.000 Mark (Wert 2025 etwa 600.000 €) bei der örtlichen Bank hinterlegte. Um sich dauerhaft ansiedeln zu können, beantragte er erneut die bayerische Staatsbürgerschaft, die er inzwischen verloren hatte. Die zuständige Innenbehörde in der Hauptstadt Speyer lehnte Trumps Wiedereinbürgerung jedoch ab, weil er vor seiner möglichen Einberufung zum Wehrdienst das Land verlassen hatte und erst jetzt, nachdem er das wehrfähige Alter überschritten hatte, wieder zurückkehren wollte. Es bestehe daher der Verdacht, dass er ausgewandert sei, um dem Wehrdienst zu entgehen.

(Wieder-)Einbürgerung abgelehnt - Ausweisung 

Trump war fassungslos wegen dieser unerwarteten Wendung und setzte, mit Unterstützung des Bürgermeisters und der Kantonsverwaltung, alles in Bewegung, um sein Ziel doch noch zu erreichen. Seit seiner Emigration hatte sich in Deutschland jedoch vieles verändert (Wilhelminische Epoche). Im preußisch dominierten Deutschen Reich hatte, namentlich nachdem Wilhelm II. 1888 den Kaiserthron bestiegen hatte, das Militär eine zentrale Bedeutung erlangt, und junge Männer wurden nicht mehr nach Erfordernis einberufen, sondern der dreijährige Wehrdienst war nun obligatorisch und quasi eine Voraussetzung für die Anerkennung als Staatsbürger. Dies wog besonders schwer, weil die sich gerade zuspitzende erste Marokkokrise (1904–1906) die Auffassung des Kaisers und des Reichskanzlers Bernhard von Bülow bestärkte, dass Deutschland von feindlich gesinnten Mächten eingekreist sei und daher der militärischen Bereitschaft höchste Priorität zukommen müsse.

Die konkrete Grundlage für die Ablehnung seines Antrags war ein Beschluss des bayerischen Innenministeriums von 1886, wonach Auswanderern in die USA, die der Wehrpflicht unterworfen waren, die Staatsbürgerschaft und die Aufenthaltsberechtigung entzogen wurden. Trump machte demgegenüber geltend, dass er vor dem Inkrafttreten dieser Verfügung ausgewandert war und dabei nicht dem Wehrdienst entgehen, sondern ein Auskommen finden wollte, das ihm auch die Unterstützung seiner Mutter in Kallstadt ermöglichen würde. Er hätte auch nie daran gedacht, wieder nach Deutschland zurückzukehren, und deshalb seine Mutter beauftragt, seine Entlassung aus der bayerischen Staatsbürgerschaft in die Wege zu leiten. Wie sich nun herausstellte, hatte der zuständige Beamte in Kallstadt jedoch trotz mehrfacher Nachfrage Katharina Trumps nichts unternommen, und schließlich war Friedrich 1889 aufgrund des Beschlusses von 1886 die Staatsbürgerschaft aberkannt worden.

Einer der Briefe, in denen Friedrich Trump um seine Wiedereinbürgerung ersuchte - Bild: AP/Landesarchiv Speyer

Der Hass auf Deutschland und "Möchtegern-Schwede" 

Trump fluchte, wähnte seine alte Heimat „in der Hand von Dämonen“. Ein Hass auf Deutschland, der sich über Generationen Familiengeschichte vererbt hat. 1905 wurden die Trumps endgültig ausgewiesen. Sie ließen sich im New Yorker Stadtteil Bronx nieder, und drei Monate später wurde der erste Sohn, Frederick jr., genannt Fred, geboren - der Vater von Donald J. Trump.

Friedrich Trump war im Übrigen ein Cousin zweiten Grades des Ketchup-Unternehmers Henry John Heinz, dessen Großmutter eine geborene Trump war - Johann Heinrich Heinz, Vater des Heinz-Ketchup-Firmengründers Henry John Heinz, stammte ebenfalls gebürtig aus Kallstadt. Friedrich Trumps Sohn Fred erfand nach dem Zweiten Weltkrieg eine Herkunft aus Schweden mit der angeblichen Heimatstadt "Karlstad", um problemlos mit Immobilien handeln zu können, was er mit einer deutschen Abstammung (kurz nach dem zweiten Weltkrieg) für nicht möglich hielt. An dieser Fiktion hielt auch sein Sohn Donald noch bis in die 1980er Jahre fest. Auch als amtierender Präsident verdrehte Donald Trump mehrfach, sein Vater sei in Deutschland geboren worden.

Halten wir also ein paar Punkte fest:

  • Der Erfolg von Donald Trumps Großvater fußte maßgeblich auf dem Verkauf von mutmaßlichem Gammelfleisch, Alkohol und Sex. Er hat seine Gaststätten/Hotels auf Land errichtet, das ihm nicht gehörte. 
  • Als er genug Vermögen angehäuft hatte, reiste er zurück nach Deutschland, mit dem Ziel sich dort dauerhaft mit seiner Frau niederzulassen.
  • Dort war seine Staatsbürgerschaft jedoch erloschen - ob nun aus einem Bürokratiefehler oder wissentlichem Verweigern des Millitärdienstes wird sicher nicht vollständig geklärt werden können.
  • Deutschland wies ihn formell als Wehrdienstverweigerer aus. Vor seiner Abreise war er etwas zu jung und bei seiner Rückkehr ein paar Monate zu alt. 
  • Friedrich Trump schrieb einen Brief, indem er den bayerischen Prinzregenten Luitpold wortwörtlich anbettelte, bleiben zu dürfen, verwies darauf, dass seine Frau Angst hätte und sein Kind krank sei. Die bevorstehende Deportierung sei grausam und ungerecht und übermäßig hart für die gesamte Familie.
  • Er behauptete in seinem Antrag auf Wiedereinbürgerung, er sei ein ruhiger Mann, der Kneipen meidet. Der Mann, der in den USA mehrfach "Restaurants und Hotels" betrieb.
  • Friedrich Trump war mehr oder minder ein illegaler Einwanderer, war auf der Suche nach besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten ("Wirtschafts-Flüchtling"), ein Bordellbetreiber, Deportierter.
  • Während Fred Trump ebenso wie sein Sohn später Unwahrheiten über seine eigene Herkunft verbreiteten, hatte Donald Trump später mehrfach Zweifel geäußert, dass Barack Obama in den USA geboren worden sei. Bereits 2011 hatte er ausgeführt, der damalige Präsident sei "aus dem Nichts" gekommen. Zudem forderte Trump, Obama solle seine Geburtsurkunde vorlegen. Als dieses erfolgte, behauptete er, diese sei eine Fälschung.

Kommen wir zur Gegenwart

Friedrich Trumps Enkel (amtierender US-Präsident) hat Eltern vor den Augen ihrer Kinder deportieren lassen (I.C.E.), hat Dekrete unterschrieben, welche zur Folge hatten, dass Menschen, welche teils seit Jahrzehnten in den USA lebten, über Nacht verschwanden. Er nennt Migrant_innen Kriminelle, bezeichnet sie als "infestation", also sozusagen verglichen wie ein (Schädlings-)Befall. 

Trump ist sich immer sicher, wer sein Publikum ist. Sein Großvater wusste genau, für wen er die Gaststätten in Klondike gebaut hat. Trumps Vater wusste ebenfalls ganz genau, für wen er die Häuser in den Vororten New Yorks errichtete: Es ging um Wohnhäuser für die Mittelklasse, aber Fred Trump fügte bestimmte Extras für die Möchtegern-Kundschaft hinzu, z.B. einen zusätzlichen Wandschrank. Er war sehr gut im Vermarkten. Auch Donald ist ein begnadet guter Vermarkter seiner erwählten Zielgruppe. In diesem Fall ist es die große Masse unglücklicher und teils auch wütender Amerikaner_innen, die denken: "Unser Land war einmal groß, aber jetzt ist es das nicht mehr und Schuld daran trägt jemand anderes." Sie wünschen sich jemanden, der alles wieder ins Lot bringt und ihnen den Respekt und Wohlstand verschafft, den sie ihrer Meinung nach verdienen.

Trump ist ein Meister darin, sich als Vorkämpfer dieser Menschen zu positionieren und es bereitet ihm keine Mühe zu vermitteln, dass er gegen alle vorgehen wird, die dies verhindern wollen. Widersprüche haben ihn noch nie gestört - ebensowenig wie seine Wählerschaft. Für Beobachter seiner Kampagne ist das vielleicht verwirrend, aber Trump ist politisch breit aufgestellt und ihn stört das nicht. Früher war er Demokrat, jetzt ist er Republikaner. Heute ist er konservativ, früher war er mal liberal. Damals war er für das Recht auf Abtreibung, inzwischen ist er zurückgerudert. Er war für eine Einwanderungsreform. Nun ist er dagegen. Er bewegt sich geschmeidig zwischen den Positionen.

Stellen wir uns einfach mal eine Sekunde lang vor, der bayerische König/Prinzregent hätte damals die Ausweisung nicht befohlen. Er hätte Friedrich Trump die deutsche Staatsbürgerschaft zurückgegeben - Donald Trump wäre der Welt vielleicht erspart geblieben, wenigstens als US-Präsident. Zumindest sein Vater wäre wohl nicht in den USA zur Welt gekommen.

Eher unspektakulär: Das Haus der Trump-Vorfahren in Kallstadt. Foto: dpa / Uwe Anspach

Was Donald von seinen Vorfahren lernte 

Doch die Geschichte ist anders verlaufen: Amerika wird seinen Neubürger Frederick Trumps nicht wieder los. Der bedankt sich bei seiner neuen Heimat, indem er sich im New Yorker Stadtteil Bronx niederlässt, nach der Gründung eines Friseursalons Geld in Immobilen investiert – und so den Grundstein für den Erfolg auch seines Enkels Donald legt, der 2016 erstmals Präsident des Landes werden sollte. Das vorläufige Schlusskapitel eines von drei Generationen geschrieben amerikanischen Märchens, bei dessen Ausgang vergammeltes Pferdefleisch verkauft wurde und Damen Sexgeschäften nachgingen.

Frederick Trump starb 1918 im Alter von 49 Jahren in New York an der Spanischen Grippe. Seinen 1946 geborenen Enkel Donald lernte er folglich nie kennen. Sein Nachlass umfasste das zweistöckige Haus der Familie mit sieben Zimmern in Queens, fünf unbebaute Grundstücke, Ersparnisse und Lebensversicherungen im Wert von 4.000 US-$, Aktien im Wert von 3.600 US-$ und vierzehn Hypotheken. Der Nettowert wurde auf 31.359 US-$ (Wert 2025 etwa 950.000 US-$) geschätzt. Seine Witwe und sein noch minderjähriger Sohn Fred (jr.) führten seine Immobilienprojekte unter der Firma Elizabeth Trump & Son fort, die Fred dann zu einem Unternehmen ausbaute, das Hunderte Millionen US-Dollar wert wurde und heute als "The Trump Organization" im Besitz des Enkels Donald Trump ist. 

Friedrichs Sohn Fred war besonders gut darin, Schlupflöcher zu finden. Er war Immobilienhändler und machte Geschäfte in den Außenbezirken New Yorks. Als er staatlich finanzierte Wohnhäuser bauen sollte, gründete er Briefkastenfirmen und mietete schließlich von sich selbst Planierraupen und LKW. Und zwar zu überhöhten Preisen. Das war nicht illegal. Aber es ging an die Grenze des Erlaubten. Darin war er ausgesprochen gut.

Und auch Donald Trump war sehr gut, wenn es darum ging, Schlupflöcher zu entdecken und Regeln zu dehnen, beispielsweise beim Bau der Trump Towers in New York. Er stellte polnische Arbeiter ohne Papiere ein, um das Gebäude einzureißen, das vorher dort stand. Er zahlte sehr geringe Löhne und sorgte dafür, dass sie auf der Baustelle schliefen, damit sie den engen Zeitplan einhielten. Später behauptete er, er habe nicht gewusst, dass sie keine Papiere hatten. Dabei konnte ihm das nicht entgangen sein.

Er lebt in den USA, weil ein Abzuschiebender erfolglos um Gnade gebettelt hat. Er lebt in den USA, weil dieses Land seinen Vorfahren hineingelassen, aufgenommen hat. Weil sein Vorfahre als Einwanderer illegal ins Land kam, dem heimischen Einberufungsbefehl entging und dennoch ein Vermögen machen konnte. Er lebt in den USA, exakt aufgrund solcher Leute, die er heute versucht abzuschieben. Den deutschen Behörden hat er zu verdanken, dass er heute im Oval Office sitzt. 

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