Kaum ein anderer Begriff ist in kürzester Zeit so omnipräsent: Künstliche Intelligenz (KI) oder wie sie im Englischen genannt wird "artificial intelligence" (kurz AI) ist in aller Munde. Rein wissenschaftlich gesehen ist es ein Forschungsgebiet der Informatik. Es handelt sich dabei um verschiedene daraus hervorgegangene Klassen algorithmischer Problemlösungsverfahren, die anhand von Eingaben aus ihrer Umgebung bestimmte Handlungen ausführen.
Und diese Einleitung aus Wikipedia erläutert im Grunde schon ganz gut, was KI (noch) hauptsächlich macht: Raten. ChatGPT basiert zum Beispiel darauf, dass es Wörter aneinanderreiht, die am meisten Sinn machen und am Ende wird daraus ein Text, dem mittlerweile viele vertrauen. Und ich gebe zu, auch ich befrage zu vielerlei Themen gerne mal Gemini oder ChatGPT. Und ja, man muss diese Antworten, die man erhält, immer kritisch prüfen, aber in einem langwierigen Prozess haben wir mittels Gemini unser Heimnetzwerk in den Griff bekommen und radikal optimiert. Dafür waren zwar viele (Neu-)Anschaffungen sowie Blut, Schweiß, Tränen und andere Körperflüssigkeiten notwendig, aber am Ende hat es geklappt und das ist, was zählt.
Aber, worum es eigentlich geht: Was oder gar wen kann KI über kurz oder lang alles ersetzen?
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| Screenshot aus "I, Robot" - © 2004 Twentieth Century Fox |
Dazu schauen wir auch einmal auf vier Werke aus Hollywood. Zum einen auf den 2004 erschienenden Film "I, Robot". Dies ist ein Science-Fiction-Film des Regisseurs Alex Proyas, frei nach Isaac Asimovs gleichnamigem Buch "Ich, der Robot" aus dem Jahr 1950. Im Chicago des Jahres 2035 (das sind keine zehn Jahre mehr hin!) sind humanoide Roboter Realität, künstliche Wesen, die in vielen Bereichen als Arbeiter und Helfer eingesetzt werden. Jedem „Robot“ wurden die drei Gesetze der Robotik (dazu unten mehr) implantiert, die er unbedingt einhalten muss und die verhindern, dass er sich jemals gegen einen Menschen stellen kann. Natürlich passiert letzteres dennoch, aber am Ende kann Will Smith die Welt vor dem bösen Zentralcomputer trotzdem retten. Der Film zeigt jedoch auf, dass Menschen unliebsame Arbeiten gerne auslagern, in diesem Fall an Roboter, bzw. eine KI (vor einem runden halben Jahrhundert war die Auslagerung solcher Arbeiten noch an damalige Gastarbeiter erfolgt).
Der zweite Film mit ähnlicher Thematik ist "Surrogates – Mein zweites Ich", ein US-amerikanischer futuristischer Action-Thriller aus dem Jahr 2009. Die Regie führte Jonathan Mostow, die Hauptrolle spielt Bruce Willis. Im Jahr 2054 (das ist noch ein bisschen hin) leben die Menschen nahezu isoliert und verlassen ihre Wohnungen kaum noch. Humanoide Roboter, künstliche Nachbildungen der Menschen, so genannte Surrogates (engl. "Vertreter"), nehmen deren Aufgaben ferngesteuert wahr. Da sich die echten Menschen kaum noch bewegen und Verletzungen an den Surrogates keine Auswirkungen auf deren Eigentümer, so genannte Operators, haben, hat sich die Welt in den letzten Jahren zu einer weitestgehend angstlosen und gefahrfreien Umgebung verändert.
Der dritte Film ist "Matrix". Die Menschheit verlor vor langer Zeit, vermutlich zu Beginn des 21. Jahrhunderts, einen Krieg gegen von ihr selbst mit künstlicher Intelligenz erschaffene Maschinen. Die Menschen verdunkelten den Himmel, um die Maschinen an der Sonnenenergiegewinnung zu hindern. Die Maschinen reagierten jedoch, indem sie menschliche Körper zur Energiegewinnung nutzten, und entwickelten die Computersimulation der Matrix und die Menschen sind nur gefangene Sklaven in dieser computergenerierten Traumwelt.
Und natürlich der Film aller Filme, wenn es um Mensch und Maschine geht: Terminator. Der Film von 1984 behandelt eine Dystopie im Jahr 2029 als die Erde infolge eines Atomkrieges verwüstet und der Großteil der Menschheit ausgelöscht wurde. Intelligente Maschinen begannen den Krieg gegen ihre menschlichen Schöpfer, als sie in diesen eine Bedrohung für ihre eigene Existenz vermuteten.
Was diese Filme verdeutlichen sollen: Häufig machen sich Menschen Gedanken, wie die Zukunft aussehen und wie sie sich ggü. heute verändert haben könnte. Sehr oft hört man mittlerweile die Frage "Ist mein Job noch sicher?" oder direkt die Drohung "Das übernimmt irgendwann mal die KI!". Mehr als zwei Drittel von 1.003 befragten Menschen ab 16 Jahren sehen in der digitalen Intelligenz eher eine Chance. Allerdings sind es damit weniger als vor einem Jahr. Sorge vor Falschinformationen, zu wenig Regeln und Kontrollen und zu viel Macht stehen ganz oben. Ein Viertel hat Angst, durch KI zu verdummen.
Knapp die Hälfte will KI nicht und kann sich eine Nutzung auch nicht vorstellen, die andere Hälfte hat sie aber zum Teil täglich auf dem Schirm. 45 Prozent möchten sich nicht bei ihrer Arbeit unterstützen lassen, 41 geben dagegen an: „KI verändert meine Tätigkeit.“ Geschätzt werden im Beruf erleichterte Routineaufgaben, größere Leistungsfähigkeit und mehr Freiräume für Wichtigeres. In der Kritik stehen dagegen unklare Zuständigkeit bei Fehlern durch KI, weniger menschlicher Kontakt und Angst, der Arbeitsplatz könnte wegfallen. In der Vergangenheit gab es auch schon viele Berufe, die irgendwann verschwunden sind: Im Bergbau arbeiten kaum noch Menschen, da man effizientere Energieträger als Kohle gefunden hat und der Abbau auch mühsam und gesundheitsschädigend war. Schauen wir uns also mal ein paar Beispiele an und dabei ein wenig in die Zukunft.
Radiomoderator_in: Mein früherer Wunschberuf. Allerdings hört man bei manchen Sendern, z.B. beim Wetterbericht oder bei den Verkehrsmeldungen "mit KI-Support". Bedeutet: Man hat entweder die Prognose bzw. die Meldungen durch KI erstellen und/oder die Meldung selbst mit KI verlesen lassen. Zwar klingt die Stimme, wie ein/e vertraute/r Moderator_in, aber das ist vielleicht auch nur zum "Angewöhnen". Jüngst sah ich sogar im Fernsehen, dass Einblendungen bzw. Untertitel mit KI erstellt wurden. Wäre es so abwägig, wenn in baldiger Zukunft das Gedudel aus dem Radio mit einem "Max Headroom"-artigen Geplapper unterbrochen wird? Bei Tele5 haben zuletzt kaum noch Menschen gearbeitet - anfangs so um die 70 Leute, dann irgendwann nur noch zwei, zuletzt lief das komplette Sendeschema über KI. Radio hören die meisten vorrangig wegen der Musik. Das Gerede dazwischen ist oft Randerscheinung. Wann übernimmt dies die KI? Warum bei Verkehrsmeldungen und Wetter aufhören, warum nicht auch Nachrichten verlesen lassen? Ja nicht nur verlesen, auch zusammenstellen? Wann entscheidet die KI, welche Nachrichten "relevant" sind (und welche damit nicht) und es ins Programm schaffen? Gruselig.
Reisebüroangestellte: Im Ernst, wann ist jemand das letzte Mal in ein Reisebüro gegangen, um den Urlaub zu planen? Flüge, Hotels und Pauschalreisen lassen sich heute einfach online buchen. Vergleichsportale und KI-gestützte Reiseplaner ersetzen die persönliche Beratung. Nur hoch spezialisierte Reiseexperten werden noch gefragt sein. Das klassische Reisebüro verschwindet weitgehend aus den Innenstädten, auch weil dort Arbeitende selbst schon vor Jahren gesagt haben, dass sie genau dieselben Angebote sehen, wie jeder Normalo im Internet. Es gibt keine Unterschiede mehr.
(Liefer-)Fahrer_in: Egal, ob Taxi, Bahn, Paketdienst oder LKW. Automatisiertes Fahren ist keine Science-Fiction mehr. In den USA und anderswo sind längst schon autonome Fahrzeuge unterwegs, die kein Mensch aus Fleisch und Blut steuert. Ein selbstfahrender Bus fährt eine programmierte Strecke ab, erkennt selbständig, ob jemand an einer Haltestelle ein- oder aussteigen möchte - das könnte für ländliche Gebiete besonders interessant sein, wo es gilt kosteneffizient unterwegs zu sein. Es gibt selbstfahrende Taxis, LKW und Züge. Und die Zustellung von Lieferungen (Einkäufe/Pakete) mit Drohnen oder Auslieferrobotern ist in vielen Ländern keine Seltenheit mehr. Und ob die "Christel von der Post" noch lange Briefe ausliefern wird, ist fraglich. Irgendwann werden Briefe überflüssig, da schon jetzt mehr und mehr digital verschickt wird.
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| Ob Paprika, Pizza, Pillen oder Pakete - Auslieferungsroboter gehören vielerorts schon zum Stadtbild - Bild: Collage |
Call-Center-Agent_in: Ob bei der Bank, der Versicherung oder dem Versandhandel - ganz gleich, wer sich noch eine Heerschaar an Mitarbeitenden leistet, welche Kundenbestellungen oder -reklamationen telefonisch entgegennimmt: Das wird aussterben. A) wollen immer weniger Menschen direkt mit einem anderen sprechen (eine Erhebung zeigt, dass jede/r zweite in der Gen Z Angst vorm Telefonieren hat) und B) ist das nicht sonderlich effizient (wenn man hier stets 1-zu-1-Gespräche führt und eines nach dem anderen abarbeiten kann). Wenn man Kunden_innen dazu erzieht, dass sie ihre Sorgen, Nöte, Anträge gefälligst per Mail, über eine Platform oder mittels Chat vorzutragen haben, dann kann man hier verdammt viel Personal sparen und Prozesse automatisieren bzw. Antworten mit KI vorgenerieren. Im Ernst: Einfach mal darauf achten, wie viele Anbieter bereits jetzt z.B. auf der Webseite irgendeine Art digitaler Helferlein anbieten (z.B. bei der Telekom unten rechts "Frag Magenta"). Die bekommen dann auch teils so lustige Namen (wie TOBi von Vodafone), aber am Ende steckt auch hier nur eine KI hinter, die anhand bestimmter Eingaben rät bzw. zuordnet und dem/der Kunden/Kundin lästige Sucherei in zig FAQ's erspart.
Okay, machen wir mal ein kleines Zwischenfazit: Wenn wir die bisherige Analyse betrachten, was wäre denn im Gegensatz dazu nicht ersetzbar (zumindest nicht "unmittelbar")? Ich denke, dass handwerkliche Leistungen noch lange von Menschen ausgeführt werden müssen. Klar, gibt es auch hier automatisierte Prozesse. In bestimmten Autofabriken arbeitet heute (fast) kein einziger Mensch mehr - Fahrzeuge werden vollautomatisch durch Roboter zusammengeschweißt und -geschraubt, von "dark factories" ist die Rede, weil nur Menschen Licht brauchen. Aber in der Werkstatt Teile am Fahrzeug reparieren? Wobei mittlerweile auch ein kompletter Batteriewechsel bei E-Autos vollautomatisch funktioniert. Aber zu Hause die verstopfte Toilette instandsetzen, das alte Fenster austauschen oder die Wand neu tapezieren... da fehlt mir heute noch die Vorstellungskraft, wie das adäquat (vollständig) durch Maschinen erledigt werden soll.
Pflege: Teilbereiche könnten hier durch Roboter erfüllt werden, zum Beispiel schweres Heben, Essen an den Tisch bringen, vielleicht auch die Medikamention. Wenn ein hoher Grad an Vermenschlichung erreicht wird, sicher auch Betreuung, also z.B. Spiele spielen, gemeinsam singen oder auch Gespräche führen. Viele haben schon heute ein inniges Verhältnis zu ChatGPT und Co. und reden mit der KI mehr oder über Dinge, die sie nicht einmal mit dem/der Partner/in besprechen würden. In gewisser Weise kann das dann sogar zum Therapeuten-Ersatz werden (auch angesichts immer schwieriger Terminfindung/weniger freier Plätze und sinkender Honorare). Voll und ganz wird der Mensch hier sicher nicht ersetzt werden können, ebensowenig wie beispielsweise in der Medizin (eine Ärztin oder ein Chirurg wird sicher lange Zeit mehr Vertrauen entgegengebracht, als einer Maschine). Aber Maschinen können den eh schon vorhandenen personellen Notstand lindern.
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| Können den Personalnotstand lindern... und einiges mehr - Roboter in der Pflege - Bild: Collage |
Praxisbeispiel: Jüngst habe ich mit einer Praxis telefoniert, bei der ich vor einiger Zeit in Behandlung war. Es steht eine Meniskus-OP an, das wurde in der Voruntersuchung im März festgestellt. Die OP kann aber erst im September stattfinden. Dafür sollte ich nun anrufen und einen Termin vereinbaren, weil nun die Pläne für das zweite Halbjahr draußen wären. Ich landete in der digitalen Rezeption, unterstützt durch KI. Man wurde gefragt, wer man ist, was man begehrt... alles sehr professionell. Keine Mißverständnisse, alles klar und deutlich. Am Ende gelangte die KI jedoch an ihre Grenzen, da sie mir keinen Termin im September anbieten konnte, sondern schon Ende April. Ich habe um Rückruf gebeten. Aber auch hier verschieben sich Tätigkeiten. Die freundlichen Damen (und teils auch Herren) am Empfangstresen haben so mehr Zeit für Patient_innen vor Ort.
Banken und Sparkassen: Bankgeschäfte werden immer häufiger online oder per App erledigt. Filialen werden geschlossen oder stark verkleinert. Beratung erfolgt zunehmend digital per Video-Call oder Chatbot. Klassische Schalterjobs verlieren damit ihre Grundlage.
Postschalter-Mitarbeitende: Briefe und Formulare werden zunehmend digital verschickt. Behördengänge lassen sich online erledigen. Postfilialen verlieren dadurch an Bedeutung. Persönliche Schalterdienste werden stark reduziert oder eingestellt.
Zeitungszusteller_in: Gedruckte Zeitungen verlieren kontinuierlich an Auflage. Nachrichten werden digital und in Echtzeit konsumiert. Abonnements verlagern sich ins Internet. Die tägliche physische Zustellung wird damit zunehmend unnötig. Eine regionale Zeitung hate bereits Pläne offenbart, die Printausgabe zeitnah einzustellen.
Buchhalter_innen und Datenerfasser_innen: Buchhaltungssoftware und KI übernehmen Routineaufgaben wie Belegerfassung und Auswertungen. Prozesse laufen automatisiert und nahezu fehlerfrei. Menschliche Buchhalter werden nur noch für komplexe Analysen gebraucht. Der klassische Einstieg in die Buchhaltung entfällt. Die manuelle Eingabe von Daten wird zunehmend automatisiert. OCR-Technologien und KI können Dokumente selbstständig auslesen und verarbeiten. Fehlerquoten sinken und Prozesse beschleunigen sich. Der klassische Datenerfassungsjob wird dadurch überflüssig.
Logistik: Viele Lager werden heute schon durch Drohnen auf dem aktuellen Stand gehalten - diese fliegen die Hochregale ab, scannen Barcodes und können somit genauestens und vor allem schneller als jeder Mensch festhalten, was da ist und was nicht. Kleine Bodenroboter fahren Waren von A nach B, holen bestellte Ware aus den Regalen, legen sie in Pakete, welche automatisch gepackt und gelabelt werden. Am Ende landen sie in einem Transportfahrzeug, aber hier hatten wir ja bereits die Automation.
Überall, wo noch um Preise verhandelt wird (auch in der Logistik), werden Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit nach nicht "aussterben". Dieses Gefeilsche um den besten Preis wird kaum eine Maschine übernehmen - denn wir haben in den o.g. Filmen schon gesehen, dass es Roboter/KI nicht so mit Emotionen haben. Ein Computer besteht aus Einsen und Nullen. Entweder ist etwas so oder eben nicht. Wie sollen zwei Maschinen einen Preis aushandeln? "Ich biete dir zehn Euro." - "Ich brauche zwanzig. Fehlerhafte Information!". Theoretisch müsste also diese Feilscherei ein allgemeingültiges Ende finden, aber das erachte ich als sehr unrealistisch, da es hier ja primär darum geht, einen persönlichen Vorteil herauszuhandeln, was eine Maschine kaum zur Zufriedenheit erledigen werden kann.
Auch denke ich, dass es immer Menschen bedarf, welche die Maschinen warten, reparieren und weiterentwickeln. Wenn also z.B. der besagte Zustellroboter aus irgendeinem Grund nicht mehr fährt, dann muss er vermutlich von einem "Fleischberg" (Mensch) eingesammelt, in eine Werkstatt gebracht und wieder auf Vordermann gebracht werden.
Landwirtschaft: Mit dem Mindestlohn kam ein Problem - Erntehelfer_innen wurden für die Landwirt_innen recht teuer. Und weil es gar keine "Einheimischen" und immer weniger Osteuropäer_innen gibt, die sich in sengender Hitze den Rücken beim Spargelstechen ruinieren wollen, wird auch hier automatisiert. Und auch anderes Obst und Gemüse wird immer seltener von Hand geerntet oder überhaupt bearbeitet. In hochmodernen Farmen, kann auf geringstem Platz (weil in die Höhe angepflanzt) und teils sogar komplett ohne Erde angebaut werden. Man entdeckt sogar das Meer als Anbaufläche mit Unterwasser-Gewächshäusern. Die Niederlande beispielsweise sind trotz ihrer geringen Gesamtfläche von ca. 41.850km² (rund 4 Mio. ha) der zweitgrößte Agrarexporteur der Welt. Wie geht sowas? Über 50 % bis 66 % der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt, wobei der Sektor stark auf Technologie, Gewächshausanbau und Export ausgerichtet ist, um trotz der hohen Bevölkerungsdichte eine enorme Produktivität zu erzielen. Und natürlich spielt auch hier KI eine wichtige Rolle, indem sie Werte checkt, Bewässerung einleitet, wenn notwendig und einiges mehr.
Einzelhandel: Bei diesem Bereich wird es zwiegespalten. Zunächst ist festzuhalten, wie lange der typische Einzelhandel überhaupt noch überleben wird? Im Grunde gilt er schon länger als totgesagt, rückläufige Zahlen seit Jahren. Der Onlinehandel hingegen boomt immer weiter. Zumindest in vielen Bereichen. Bei Lebensmitteln und Co. versucht er sich (zumindest hierzulande) seit langem erfolglos. Allerdings können wir bei Supermärkten beobachten, dass es auch hier immer mehr einen Hang zu weniger Personal gibt. SB-Kassen sind nur der erste Schritt. Längst gibt es Konzepte, die teils auch völlig ohne Kasse auskommen: Reingehen, registrieren, Waren aus dem Regal nehmen, rausgehen. Kameras und Waagen erfassen jeden Einkaufsvorgang vollautomatisch. Abgerechnet wird über die in der App hinterlegte Zahlungsmethode. Kassierer_innen sind also sicherlich definitiv ein aussterbender Beruf. Wo es (noch) menschlicher Unterstützung bedarf: Nachschub sichern, also Regale einräumen. Fraglich aber auch, wie lange sich Supermärkte Frischetheken mit Bedienung leisten werden - also die mit der Klassiker-Frage "Darfs ein bisschen mehr sein?" oder "Ich hätte gerne etwas Leberwurst - von der groben, fetten..." - "Tut mir leid, die hat heute Berufsschule!". Schon seit Jahren ist hier ein massiver Personalmangel präsent, weshalb beispielsweise Rewe eine große Werbeoffensive dazu gestartet hat und explizit Quereinsteiger sucht.
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| Der eine sorgt für Sauberkeit, der andere zeigt, wo was ist - Bild: Collage |
Was wir soweit wohl festhalten können, ist, dass sich die Arbeitswelt stetig verändert und heute schneller dreht als früher. Anforderungen verändern, Berufsfelder wandeln sich. Manche Berufe verschwinden, neue entstehen - der Weichensteller muss heute keine Weichen mehr von Hand stellen, der Setzer keine Buchstaben im Druckwesen sortieren, einen Laternenanzünder bedarf es lange schon nicht mehr und im Gegensatz kannte man vor rund 100 Jahren noch keinen Fachinformatiker.
Vielleicht wird ja auch alles gar nicht so schlimm. Ich meine, in der "Zurück in die Zukunft"-Trilogie war man 1989 der Ansicht, dass wir 2015 mit Autos durch die Luft fliegen werden, aber auch, dass wir immer noch Faxe für die Kommunikation nutzen. Abschließend für den heutigen Post noch eine Frage bzw. die Betrachtung des moralischen Aspekts:
Wenn immer mehr KI, Roboter, Maschinen immer mehr Aufgaben übernehmen, diese Aufgaben immer komplexer werden, dann kommt es irgendwann ja auch zu moralischen Entscheidungen, die gefällt werden müssen - durch KI. Die oben schon erwähnten drei Gesetze der Robotik wurden später noch durch das "Nullte Gesetz" ergänzt. Galt in der ersten Version der Asimov’schen Robotergesetze noch der einzelne Mensch als die höchste zu beschützende Instanz, so steht in den neuen vier Robotergesetzen die Menschheit über dem einzelnen Menschen:
0.) Ein Roboter darf die Menschheit nicht verletzen oder durch Passivität zulassen, dass die Menschheit zu Schaden kommt.
1.) Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zu Schaden kommen lassen, außer er verstieße damit gegen das nullte Gesetz.
2.) Ein Roboter muss den Befehlen der Menschen gehorchen – es sei denn, solche Befehle stehen im Widerspruch zum nullten oder ersten Gesetz.
3.) Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange sein Handeln nicht dem nullten, ersten oder zweiten Gesetz widerspricht.
Die Einführung des nullten Gesetzes wurde als kritisch angesehen, weil es Robotern die Möglichkeit gibt, einzelne Menschen absichtlich zu verletzen oder gar zu töten, um damit wiederum die Menschheit als Ganzes zu beschützen (rein hypothetisch: Hätte eine KI Adolf H. umgebracht, um so Millionen von Menschen zu schützen und wenn ja, wie?). Dies wirft dann ja die grundsätzliche Frage auf, inwieweit es Robotern erlaubt sein sollte, Menschen zu schädigen.
So etwas wäre ein moralisches Dilemma, welches z.B. im sogenannten Trolley-Problem (vom amerikanischen Englisch "trolley" = Straßenbahn) veranschaulicht wird.
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| Das "Trolley-Problem" schematisch dargestellt - wie würden Sie entscheiden? |
Eine Straßenbahn ist außer Kontrolle geraten und droht, fünf Personen zu überrollen. Durch Umstellen einer Weiche kann die Straßenbahn auf ein anderes Gleis umgeleitet werden. Unglücklicherweise befindet sich dort eine weitere Person. Darf (durch Umlegen der Weiche) der Tod einer Person in Kauf genommen werden, um das Leben von fünf Personen zu retten?
Weitergehende Frage, andere Ausgangssituation: Die einzelne Person ist ein fünfjähriges Kind, die fünf Personen eine Hospiz-Gruppe Senior_innen. Würde die Entscheidung anders ausfallen?
Die KI antwortet darauf: "Als KI habe ich keine eigenen moralischen Gefühle oder Verantwortung wie ein Mensch. In der Praxis würden solche Entscheidungen heute eher durch festgelegte Regeln, Sicherheitsmechanismen und gesellschaftliche Normen bestimmt werden. Mich würde interessieren: Wie würdest du selbst entscheiden?". KI kann nicht überall weiterhelfen.
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