Warum wählen Menschen "rechts"? Wir Deutschen haben eine Vorgeschichte, die uns eigentlich eines besseren belehren sollte. Eigentlich. Schon vor rund 100 Jahren waren Menschen nach einem verlorenen Weltkrieg und einer Weltwirtschaftskrise - wie soll ich sagen - "unzufrieden mit der Gesamtsituation" und wählten blindlings eine Partei, die ihnen DAS BLAUE (!) vom Himmel versprach. Konkret hatte diese beinahe für jede Bevölkerungsschicht ein ganz elementares Versprechen:
- Dem Mittelstand und der Landwirtschaft (Handwerker, Händler, Bauern): Schutz vor dem wirtschaftlichen Ruin durch große Kaufhäuser und Monopole. Entschuldung der Bauern und Erhalt des bäuerlichen Eigentums. Rettung vor dem Abstieg in die Arbeiterschaft („Verproletarisierung“).
- Der Arbeiterschaft (trotz antikommunistischer Ausrichtung): Das populistische Schlagwort „Arbeit und Brot“ (Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit). Aufwertung des Berufsstandes und der körperlichen Arbeit in einer beschworenen „Volksgemeinschaft“.
- Dem Bürgertum und den Eliten (Wirtschaft, Militär, Konservative): Zerschlagung der linken Parteien (SPD und KPD) und der Gewerkschaften. Wiederherstellung von „Recht, Ordnung“ und nationaler Disziplin.
- Allen Deutschen: Revision und Aufhebung des als ungerecht empfundenen Versailler Vertrages. Rückkehr zu nationaler Größe, Macht und außenpolitischer Stärke. Ein „Großdeutsches Reich“ ohne nationale Minderheiten.
UND: Man hatte für alle Probleme natürlich auch einen Schuldigen parat. Lösung: Ausschluss von Juden aus der deutschen Gesellschaft und den Bürgerrechten. Die Schaffung einer ethnisch homogenen „Volksgemeinschaft“, die allen „Volksgenossen“ Privilegien auf Kosten anderer garantieren sollte.
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Wie war das nochmal, damals?
Da sie ihren parteipolitischen Apparat grob um 1930 organisatorisch stark ausgeweitet hatte, konnte die NSDAP (ja, die ist gemeint!) für jede soziale Gruppe speziell auf sie zugeschnittene Organisationen und Propaganda anbieten. In „nacktem Populismus“ (Hans-Ulrich Wehler) versprach sie jeder gesellschaftlichen Gruppe, genau ihre Wünsche zu erfüllen: Für die Industriearbeiter etwa gab es die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation und die Hib-Aktion („Hinein in die Betriebe“), für sie gerierte sich die Partei als sozialistisch und organisierte auch Streiks. Für kleinere Ladenbesitzer gab es den Nationalsozialistischen Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand, der gegen die Warenhäuser und Einheitspreisläden kämpfte, welche den kleinen Spezialgeschäften ökonomisch überlegen waren. Auf dem Lande übernahm die NSDAP die Themen der Landvolkbewegung und konzentrierte sich auf ihre Blut-und-Boden-Ideologie und ihr Ziel, die deutsche Wirtschaft vom Weltmarkt abzukoppeln (remember "DEXIT"?). Dass die Nationalsozialisten eine Autarkie planten, wurde von Hitler gegenüber den Großindustriellen dagegen bestritten, so etwa in seiner Rede vor dem Düsseldorfer Industrie-Club. Gegenüber dieser Klientel, für die es mit der Arbeitsstelle Dr. Schacht und dem Keppler-Kreis gleich mehrere, konkurrierende Organisationen innerhalb des Parteiapparats NSDAP gab, betonte die Propaganda die Ablehnung von Klassenkämpfen und Demokratie. Integrierendes Element dieser widersprüchlichen Forderungen waren der radikale Nationalismus der Partei und ihre Volksgemeinschaftsideologie, die man je nach Publikum unterschiedlich auslegen konnte.
Hmmm... kommt uns das nicht irgendwie sehr vertraut vor? Also ich meine alle diejenigen, die nicht so gut in Geschichte aufgepasst haben und nur so die letzten zehn, fünfzehn Jahre im Kopf haben (neben dem aufgeweichten Brötchen)? Ja, da klingelt einiges, oder? Einfache Lösungen (die es nicht gibt) für komplexe Probleme. Oftmals heißt es "Deutschland ging es noch nie so schlecht wie heute!". Wow, steile These. Aber gut, gehen wir nochmal rund 90 Jahre zurück. Wie ging es denn den Deutschen so um 1930? Weltwirtschaftskrise. Das deutsche Volkseinkommen fiel bis 1932 auf knapp 60 % des Niveaus von 1928. Der Anlagenbestand der deutschen Wirtschaft schrumpfte allein 1932 um schätzungsweise 1,7 Milliarden Reichsmark, obwohl knapp 4,3 Milliarden RM investiert wurden. Die Industrieproduktion fiel von 1929 bis zum Tiefpunkt 1932 um ungefähr 40 %. An den Aktienmärkten kam es ebenfalls zu massiven Wertverlusten. Beispielsweise fiel der Aktienkurs der Deutschen Bank von 141,50 RM Ende 1929 auf 60,75 RM Ende 1931 – also um rund 57 %. Dazu, bzw. infolgedessen kamen in der Spitze knapp sechs Millionen Arbeitslose (rund 10% der Gesamtbevölkerung), die Menschen mussten hungern (es wurden in der Not Pferde aber auch Hunde und Katzen geschlachtet) und es herrschte extreme Wohnungsnot (ganze Familien lebten zusammengepfercht in feuchten Kellerwohnungen, Dachböden oder dunklen Hinterhöfen, alles was irgendwie als "Wohnraum" herhalten musste/konnte, oftmals ohne eigene Toilette oder fließendes Wasser). Kurzum: Keine Perspektive, Verzweiflung, viele kämpften ums bloße Überleben.
Ihr habt keine Not, verdammt!
Deutschland heute? Sozialstaat, Krankenversicherung, volle Supermärkte und Kühlschränke (allermeist), gute ärztliche Versorgung, Busse und Bahnen fahren (überwiegend pünktlich), viele haben ein Auto (oder gar mehrere) und der Jahresurlaub ist auch noch für viele drin (Reiseziel variiert je nach Budget). Es gibt diverse Hilfsangebote für die sozial Schwächeren. Wir haben gerade mal rund 3% Arbeitslosenquote, sind nah dran an der Vollbeschäftigung, haben eher massiven Fachkräftemangel. Ergo: IHR HABT KEINE NOT, VERDAMMT! Würden eure Großeltern noch leben, sie würden euch hämisch auslachen!
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| Ein paar der Plakat-Parolen-Absurditäten im Schnell-Check - Fotos: Privat |
Damals kam ein östereichischer Postkartenmaler um die Ecke und versprach einfache Lösungen. Die Leute waren so verzweifelt, dass sie ihm nicht nur geglaubt, sondern auch gewählt hatten. Auch, weil niemand, absolut niemand damit rechnen konnte, was daraus für eine Katastrophe entstehen konnte - hätten sie es ahnen können, hätten sie ihn niemals gewählt, dessen bin ich mir sicher. Wir haben das Wissen, welches die Menschen damals nicht hatten. Ich weiß, dass wir Probleme haben in diesem Land und ja, auch ich bin nicht immer einverstanden mit allen (Regierungs-)Politiker_innen bzw. deren Entscheidungen. Aber das ist doch etwas völlig anderes, als die Existenzangst der Menschen 1930! DIE hatten keine Wahl, haben aus Not die Katastrophe gewählt. Wir haben eine Wahl und keine Not, eine rechtspopulistische Partei zu wählen.
"Problem" Ostdeutschland
Kleines Quiz am Rande: Welches sind die fünf Bundesländer mit der ältesten Bevölkerung? Richtig:
- Sachsen-Anhalt (48,3 Jahre)
- Mecklenburg-Vorpommern (48,1)
- Thüringen (47,9)
- Sachsen (47,7)
- Brandenburg (47,4).
Und wo leben die stärksten AfD-Befürworter? BING! Bei der Bundestagswahl 2025 lag die AfD bei den Zweitstimmen in...
- Thüringen bei 38,6%
- Sachsen 37,3%
- Sachsen-Anhalt 37,1%
- Mecklenburg-Vorpommern 35,0%
- Brandenburg 32,5% (danach folgt mit deutlichem Abstand das Saarland mit 21,6%)
Frage an die vorwiegend alten, weißen Männer: Habt ihr kein Bock auf eure Rente? Ich frage deshalb, weil die AfD dieses Problem nicht mit Zuwanderung (und damit sofort) lösen will, sondern auf eine "Eigenlösung" setzt. Will sagen: Beitragszahler will man "selber machen" (lassen). Also rein mathematisch wird das kompliziert, denn A) ist die Geburtenrate in Deutschland (gemessen als zusammengefasste Geburtenziffer) im Jahr 2025 auf den niedrigsten Stand "ever" von 1,32 Kinder je Frau gesunken. Bedeutet: Wenn zwei Menschen durchschnittlich 1,32 Nachkommen in die Welt setzen, dann werden es immer weniger, die immer mehr im Alter finanzieren müssen. Und selbst wenn das irgendwie doch klappt, wird sich B) der Effekt erst in rund 20 Jahren auswirken. Weil ja theoretisch JETZT alle massenhaft Kinder bekommen müssten, die dann erst einmal großgezogen werden und zur Schule gehen müssen, bevor sie dann vielleicht irgendwann um 2045 eine Ausbildung o.ä. machen oder um bummelig 2050 mit ihrem Studium fertig sind und dann erst in die Rentenkasse einzahlen. Bis dahin sind aber, wage ich mal zu behaupten, viele Rentner_innen von heute schon nicht mehr unter uns. Oder warte mal... die AfD will in Sachsen-Anhalt ja die Schulpflicht abschaffen... dann können die Kinder ja genauso gut arbeiten gehen. AfD for Kinderarbeit! Jetzt verstehe ich das Konzept!
Das Grundproblem ist belegtermaßen eher ein ländliches denn ein städtisches. Die AfD erfährt überall eine mehrheitliche Ablehnung. In der Großstadt allerdings stärker (82 Prozent) als auf dem Land (67 Prozent). Und auch in Ost und West gibt es Unterschiede: Einer Umfrage zufolge befürwortet knapp die Hälfte der Ostdeutschen (47 Prozent) eine Beteiligung der AfD an einer Landesregierung. In Westdeutschland sind es hingegen "nur" 37 Prozent.
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| Auf dem Lande geht es anders zu, auch anderswo und in der Popkultur - Bild: Collage |
Gefährliche (N)Ostalgie
Ich kann Menschen aus Ostdeutschland in gewisser Weise verstehen, dass sich viele von der Wiedervereinigung "überrumpelt" fühlten, es eher wie eine "Eingemeindung" gefühlt haben. Aber so gut wie alle wollten es, die D-Mark, freies Reisen... Von heute auf morgen, war ein verhasstes aber dennoch vertrautes Konzept Geschichte. Produktionsgenossenschaften wichen der harten sozialen Marktwirtschaft. Betriebe mussten schließen, weil sie den Wettbewerb nicht kannten. Vielen ging der Aufschwung nicht schnell genug und zogen weg, in Gebiete, in denen die Wende sofort spürbar war - vom Land in die Stadt, von Ost nach West. Mittlerweile aber sieht es in vielen Gegenden im Osten jedoch bei weitem besser aus, als in vielen westlichen Gegenden. Während es in Dresden, Schwerin und Leipzig heute ähnlich annehmlich aussieht wie in Hamburg, Bonn oder Stuttgart, macht euch mal den Spaß und fahrt (einfach nur als Beispiel) ins Ruhrgebiet: Guckt euch mal Bochum an, Duisburg oder Gelsenkirchen. Oder Offenbach. Oder im Norden Bremer- oder Wilhelmshaven. Ich war da - einen Tag, oder bin durchgefahren (hat teils schon gereicht). Meinen Jahresurlaub würde ich hier aber nicht zwingend verbringen wollen. Will sagen: Seit 1991 ist durch den Solidaritätszuschlag so einiges in Ostdeutschland (zum Besseren) bewegt worden. Viele Städte und Gemeinden im Westen sind aber scheinbar irgendwo in den 90ern oder gar 80ern stehengeblieben.
Wenn es da aber Menschen gibt, die sich die DDR zurückwünschen, weil das einfach ne andere Zeit war, das "Wir-Gefühl" ein anderes war... man ist als Kind auf Bäume geklettert, hat an ner Blume geschnuppert oder den Zweitaktgeruch. Da wurde noch Öl im Motor verbrannt! Die Industrie hat ihre Abwässer direkt in die Flüsse und die Abgase ungefiltert in die Natur entlassen. "Feinstaub" war da kein Thema (da gab es Grobstaub). Die schöne alte DDR-Zeit... zwei Stunden an der Kaufhalle anstehen, weil es Erdbeeren oder gar Bananen gab und dann konnte man mit ansehen, wie die Olle vor einem die letzten bekommen hat, da hat man sich noch austauschen können, mit den anderen hinter einem, die auch nichts bekommen haben - so ein tolles "Wir-Gefühl". Und wenn man da mal was falsches sagte, dann wurde man von einem Nachbarn, Arbeitskollegen oder einem "Freund" bei der Stasi angeschwärzt. Eintrag in der Akte, Berufsverbot oder die Kinder konnten die Schule oder gewünschte Ausbildung nicht abschließen. Es war ein so tolles Miteinander. Und es gab doch Freiheiten... man konnte doch nach Polen, in die ČSSR oder nach Bulgarien (wenn man Geld und Beziehungen hatte). Nur wenn man in die falsche Richtung gegangen ist, dann hat man sich halt zehn Jahre Bautzen eingefangen.. oder ne Kugel aus ner AK47. Diese Zeit war einfach toll. Ich schweife ab...
Aber Moment... vielleicht interpretieren wir diese ganze Ostalgie völlig falsch, wenn die da mit ihren knatternden Simsons durch die Prärie düsen. Vielleicht sehnen die sich doch nicht so sehr an die DDR-Zeit zurück, sondern mehr so direkt danach. Die 1990er. Man war freudetrunken aufgrund der Wiedervereinigung, man hatte zusammen auf der Berliner Mauer getanzt... vielleicht war es dann doch diese Zeit, die man zurück haben möchte? Ach ja, die unbeschwerten 90er - Whigfield, Marusha, DJ Bobo. Arbeitslosenquote in Sachsen-Anhalt auf rund 20% (heute 8%), 1995 gab es hier 319.665 erfasste Straftaten (2025 hingegen 172.776). Noch aussagekräftiger ist aber die Häufigkeitszahl, also Straftaten je 100.000 Einwohner: 1995 11.585 vs. 2025 8.090. Die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen zwischen dem 22. und 26. August 1992 gegen die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAst) und ein Wohnheim für vietnamesische ehemalige Vertragsarbeiter im sogenannten Sonnenblumenhaus waren die massivsten rassistisch sowie fremdenfeindlich motivierten Angriffe in Deutschland nach Ende des Zweiten Weltkrieges. An den Ausschreitungen beteiligten sich mehrere hundert teilweise rechtsextreme Randalierer und bis zu 3.000 applaudierende (!) Zuschauer, die zudem den Einsatz von Polizei und Feuerwehr behinderten. Ähnliches gab es in anderen ostdeutschen Städten: Eberswalde und Hoyerswerda (1990 und 1991) oder aber auch in der Hauptstadt Sachsen-Anhalts, Magdeburg: 1999, 1997, 1992 und speziell 1994: Am Himmelfahrtstag 1994 zog eine Gruppe von etwa 50–60 rechtsextremen Skinheads und Hooligans durch die Magdeburger Innenstadt. Sie pöbelten zunächst mehrere Schwarze Menschen an und begannen dann, sie regelrecht durch die Stadt zu verfolgen. Zeitgenössische Berichte sprechen ausdrücklich von einer „Ausländerjagd“ bzw. „Jagdszenen“. Das waren unbeschwerte Zeiten. Aber von "Baseballschläger-Jahren" möchte Ulrich Siegmund nichts wissen.
Sarkasmus beiseite: Die AfD setzt im Wahlkampf gezielt auf DDR-Nostalgie. Ulrich Siegmund singt die DDR-Hymne, nutzt DDR-Symbole und spricht vom "alten, sicheren Deutschland". Nunja, die Leute dafür hätte er theoretisch: Correctiv identifizierte mindestens 34 frühere hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter in den Reihen der AfD. Dazu kommt eine unbekannte Zahl früherer inoffizieller Mitarbeiter und weiterer Stasi-Spitzel. Einzelfälle? Irgendwann ist es schlichtweg ein Muster. Wer früher Menschen an der Republikflucht hinderte, steht heute bei der AfD für Remigration!
Machen, nicht meckern!
Ernsthaft. Ich verstehe Leute auf dem Land, die sagen "Bei uns fährt kein Bus!", "Es gibt keine Kneipe, keinen Club mehr!", "Wir fühlen uns abgehängt!". Aber das ist doch bitte kein Grund, rechtsaußen zu wählen. Und die Praxis zeigt, dass dadurch wenn, auch nicht postwendend alles besser wird (im Gegenteil) - s. Beispiele Sonneberg und Raguhn-Jeßnitz. Obwohl die Region Sonneberg früher als ostdeutscher „Musterlandkreis“ und Beschäftigungswunder galt, blicken viele mittelständische Betriebe in den aktuellen Konjunkturumfragen der IHK Südthüringen aufgrund des AfD-Landrats verhalten und pessimistisch auf ihre Ertrags- und Auftragslage. Man muss einerseits verstehen, warum Menschen das tun. Anderseits kann man den mangelnden öffentlichen Nahverkehr nicht bemängeln, wenn man sagt "Ich muss Auto fahren, weil kein Bus fährt!" (Henne-Ei-Prinzip). Wir müssten uns fragen: Würden genug Menschen Bus und Bahn nutzen, wenn diese zuverlässig, regelmäßig fahren und dies auch noch zu einem adäquaten Preis? Oder bleiben die Leute gewohnheitsmäßig beim bequemen Auto? Wenn die letzte Dorfkneipe schließt, dann hat das Gründe: Entweder ist das Angebot schlecht oder man findet einfach keinen mehr, der das betreiben will. Auch hier gibt es genug Beispiele, wo Dörfer es hinbekommen haben, in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit Dorfgasthäuser weiter zu betreiben. Aber dafür muss man halt auch mal den Arsch hochbekommen und mit anpacken und nicht nur permanent rumnörgeln "Ändert sich ja nix!". Und wenn alle lieber vom Sofa aus bestellen, muss man sich nicht wundern, wenn auch der letzte Laden irgendwann seine Lichter ausmacht. Unser Verhalten hat Konsequenzen.
Es ist wie überall im Leben: Angebot und Nachfrage regeln den Markt. Und wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.
Wenn ich stets nur im Gestern lebe und das auf Biegen und Brechen erhalten will... das funktioniert nicht. Und da haben wir eines der Grundprobleme in diesem Land: Deutschland ist ein konservatives Land und das war lange seine Stärke. ABER: Heute wird dies zum Risiko. Konservative Politik orientiert sich allermeist an der Angst der Wähler_innen, als an der Realität der Zukunft. Konservativ kommt vom lateinischen "conservare", also bewahren, erhalten. Man kann aber eine Welt im Umbruch nicht konservieren! Die Realität fragt nicht nach Nostalgie! Klima, Technologie, Wirtschaft, Gesellschaft... alles verändert sich rasend schnell, viel schneller als jemals zuvor. Stillstand ist keine Option mehr - er ist ein Risiko! Was wir (jetzt, nicht morgen) bräuchten: Mut, Tempo, Anpassungsfähigkeit. Was jedoch konservative Politik (zu) oft liefert: Verzögerung, Verharmlosung, Verweigerung.
- Atomkraft wird als Lösung verkauft, weil Erneuerbare vielen Wähler_innen suspekt sind. Warum? Weil Photovoltaik und ein von Wind angetriebener Generator so viel komplexer und gefährlicher sind als Kernspaltung... von Uran... HÄ? Die Realität: Noch bestehende Atomkraftwerke kämpfen aktuell mit Kühlproblemen durch steigende Temperaturen und sinkenden Pegelständen der Flüsse... jaha, Reaktoren müssen gekühlt werden und wenn das Wasser weg ist oder das, was noch da ist, einfach zu warm, wird das zum Problem. Die Zukunft liegt längst woanders. Deutschland jedoch diskutiert über gestern.
- Der Verbrennermotor wird politisch bis auf's Blut verteidigt, um bestehende Industrien zu schützen. "DA HÄNGEN JA TAUSENDE ARBEITSPLÄTZE DRAN!!". Ja, am Bergbau seinerzeit auch - und den haben wir über Jahrzehnte teuer subventionieren müssen. Die Realität: Der globale Markt elektrifiziert sich in einer rasanten Geschwindigkeit. Ergo: Wer zu spät umsteuert, verliert. Nicht ideologisch, sondern ganz banal wirtschaftlich. Auf den Kreuzungen großer chinesischer Städte ist es nahezu mucksmäuschenstill, weil dort mittlerweile ALLE elektrisch unterwegs sind, Autos, LKW, Busse, Motorroller.. alle. Verbrenner sind die absolute Ausnahme.
- Künstliche Intelligenz wird den Arbeitsmarkt massiv verändern bzw. hat ihn bereits verändert. Bis vor ein paar Jahren war das lediglich ein Thema für ein paar Nerds. Heute benutzt es praktisch jede/r - auch im Berufsleben - bzw. stellt sogar Management-Positionen in Frage. Was wir brauchen: Umschulung, Bildung, aktive Gestaltung. Was fehlt: Eine klare, offensive Strategie. Wer ist nochmal Bildungsministerin? Ach ja, Karin Prien von der CDU. Naja... forget it.
Nochmal in aller Deutschlichkeit: Wer Veränderung blockiert, wird nicht stabil bleiben, sondern zurückfallen! Und genau daraus entsteht Frust. Das Gefühl, dass "alles schlechter wird" hat oftmals einen simplen Grund: Man hat zu lange nichts verändert. Der Frust wiederum ist Nährboden, auf dem rechte Kräfte wachsen. Nicht weil sie Lösungen haben, sondern weil sie vorgeben, einfache "Antworten" zu liefern. Die Wahrheit ist unbequemer: Wir können die Welt nicht anhalten. Aber wir können entscheiden, ob wir sie mitgestalten! Die Zukunft kommt so oder so. Die einzige Frage wird sein: Gestalten wir sie oder werden wir von ihr überrollt, wie die Dinosaurier vom Meteoriten?
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| "Noch nie ging es euch so gut" - Screenshot Musikvideo Queen "I Want To Break Free" |
Aktueller Wahlkampf (sponsorded by Putin)
Eine Merz-geführte Union ist weit von dem entfernt, was uns als Land weiterbringen kann. Ein BSW ist so dermaßen Russland-gesteuert, dass man es im Grunde kaum noch aktiv verbirgt. In Sachsen-Anhalt will das BSW aktiv daran arbeiten, die AfD zu unterstützen, wenn sie in den Landtag kommen. Die Anzahl an Plakaten, mit denen ganze Straßenzüge von BSW und AfD geflutet werden, lassen sich unmöglich mit Mitgliedsbeiträgen allein finanzieren, geschweige denn allein durch Mitglieder aufhängen. Nur mal als Anhaltspunkt:
- (Wo-)Manpower: Das BSW zählte im Februar 2026 sage und schreibe 12.500 Mitglieder - bundesweit. Die AfD kommt auf etwa 51.000. CDU und SPD können jeweils etwa 350.000 Mitglieder verbuchen, also 28 bzw. knapp sieben Mal soviel. In den lokalen Verbänden bleibt die Angelegenheit Plakatierung aber in der Regel an zwei Dutzend Mitgliedern hängen. Eigene Erfahrung! Jetzt kann das jede/r mal runterskalieren für BSW und AfD. Entweder muss dort eine immense Bereitschaft herrschen oder man beauftragt externe Dienstleister...
- Kosten: Wenn an einer Laterne zwei Plakate mit Kabelbindern befestigt werden - eines vorne, eines hinten - dann sprechen wir allein von Materialkosten irgendwo zwischen drei und fünf Euro (abhängig vom Format und Auflage) pro Plakat. Auch bei der Bundestagswahl 2025, wo also überall im Land dieselben Motive hängen und wir von einer maximal möglichen Auflage sprechen, kostete ein Plakat um die vier Euro. Und bei Kommunalwahlen beschränkt sich das Wahlumfeld eines/einer Kandidat_in ungefähr auf einen Quadratkilometer mit vielleicht realistisch 30 bis max. 50 Plakatstandorten. Macht also für einen Standort bis zu zehn Euro Material-/Druckkosten. Wenn ich die dann noch über einen Dienstleister hängen und nach der Wahl entfernen lasse, habe ich diese Kosten locker nochmal. Wir sprechen also nur bei einem Standort von bis zu 20 Euro Wahlkampfkosten. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass dies eine rein durch Mitgliedsbeiträge finanzierte Partei(-gliederung) nicht stemmen kann. Da braucht es großzügige Geldgeber. Und beim BSW aber auch bei der AfD kommen diese mit großer Wahrscheinlichkeit aus Russland. Die AfD darf sich auch wie kaum eine andere Partei hierzulande über viele Großspenden erfreuen.
Jüngst wurden Berichte laut, dass mutmaßlich Russland auch in den sozialen Netzwerken versucht, die Wahlen im Herbst zu beeinflussen. Die aktuelle Kampagne weist viele Muster auf, die bei der russischen Einflussoperation ‚Matrjoschka‘ seit Jahren beobachtet werden. Seit Wochen werden X, Bluesky und Tiktok mit Lügenvideos und Fake-News über Kandidat_innen für die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sowie die Kommunalwahl in Niedersachsen geflutet. Betroffen sind nach bisherigen Informationen alle etablierten Parteien – außer AfD und BSW. Wen wundert es?
Eine AfD greift aggressiv im Wahlkampf an, verspricht auch hier alles Erdenkliche, will jedoch nicht gestalten, sondern nur Macht ergreifen, um sie dann nicht mehr wieder herzugeben. Da düngt uns doch etwas, oder (s. Anfang des Textes)?
Kleine Randbemerkung...
Was gibt's also noch zu überlegen? AfD-Parteiverbot, JETZT!!!
SPD, Grüne und Linke könnten das beantragen und somit ein Zeichen setzen bzw. auch der CDU die Pistole auf die Brust setzen: Seid ihr dafür oder bereitet ihr im Hintergrund eine mögliche Koalition vor?
Ich träume von einem Morgen, an dem Friedrich Merz im Bundestag die Vertrauensfrage gestellt wird, er diese krachend verliert, Neuwahlen die Folge sind, Boris Pistorius sagt "Na gut, dann mache ich das!" und das mit einer klaren Ansage, dass man nach der Neuwahl ein Bündnis aus SPD, Grünen und Linken anstrebt. Und dann muss man auch mal einfach alle möglichen Vorbehalte über Bord werfen, welche die einen gegenüber den anderen haben. Man muss auch hier einfach mal pragmatisch denken: Nicht jeder in der Koalition muss immer mit allen Entscheidungen leben. Lasst den Grünen das Umwelt-Ressort, die Linken können Arbeit und Soziales machen, wenn sie sich z.B. mit der NATO schwer tun. Will sagen: Es muss doch nicht immer DER eine goldene Kompromiss gefunden werden. Überlasst jeder Partei ihr Ressort und dort kann sie so handeln, als würde sie allein regieren.
Ich denke, dass dies dieses Land bedeutend weiter nach vorne bringen würde, als ein Kanzler, der in den Umfragewerten einen katastrophalen Beliebtheitswert erreicht hat und der beinahe ausnahmslos jede Bevölkerungsgruppe schon einmal beleidigt hat. Gut, vielleicht nicht Babys und Säuglinge - aber was nicht ist, kann ja noch werden "Schluss mit Brust-/Schlaf-Balance - geh' mal lieber auf die Arbeit krabbeln, du faules Stück Scheiße!".
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