Ich habe es ja schon einige Male gesagt, doch es wird gefühlt irgendwie immer schlimmer. Ich kann das einfach alles nicht mehr! Das Leben ist schnell und kompliziert geworden und zudem wenig erträglich. Obwohl uns so zahlreiche Errungenschaften (eigentlich) das Leben erleichtern sollten. Ist es das geworden? Irgendwie nicht.
Fangen wir einfach mal mit dem Internet als solchen an. Gedacht als Tummelplatz für Menschen aus aller Welt, wo jemand aus Sydney in Echtzeit mit jemandem aus Rheda-Wiedenbrück kommunizieren kann. Oder wo Sammler aus Norwegen und Nicaragua PEZ-Spender austauschen können. Wo manche Menschen sogar die große Liebe gefunden haben. Ja, all das ist möglich. Leider aber auch, dass sich hinter dem nigerianischen Prinzen doch nur ein Betrüger steckt, der Omma Hilde um die Rente bringt. Oder dass Kinder und Jugendliche Zugang zu Inhalten haben, den sie früher (in der Offline-Welt) nicht so ohne weiteres hatten. Und entsprechende Schutzmechanismen können sie heute teils besser entfernen, als die Eltern installieren. Kommentarspalten erweisen sich zunehmend als Abladeplatz für Beleidigungen, Beschimpfungen, Drohungen, Verschwörungen, rechte Hetze und sehr vieles mehr. "Social Media" ist in Teilen alles andere als "sozial".
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| Das Internet (Illustration) - Bild: KI-generiert |
Versteht mich nicht falsch, ich bin niemand von dieser Sorte (mit Seniorenstimme gesprochen) "Früher war alles besser", ich bin progressiv, Neuem gegenüber immer aufgeschlossen. Nur wann ist der ganze Wumms irgendwie falsch abgebogen? Wenn du früher mit einem Artikel in der Zeitung nicht zufrieden warst, musstest du einen Leserbrief schreiben und (mit etwas Glück) wurde der unter Angabe deines Klarnamens abgedruckt. Heute kannst du dich in jeder Kommentarspalte hinter "Mondschaf67" oder "UserPL_86146288" verstecken. Warst du früher der- oder diejenige, welche_r nach drölf Pils in der Stammkneipe die Meinung vertreten hast, dass die Nazis eine geheime Kommandobasis auf "der Rückseite des Mondes" haben, ja dann warst du halt der-/diejenige im Dorf, der/die nicht mehr alle (Unter-)Tassen im Schrank hat. Heute betreibst du damit deinen eigenen Youtube-Kanal und hast vier Millionen Abonnenten.Wo kommt das her? Gab's die schon immer, haben wir diese Masse an Menschen früher nicht wahrgenommen? Man hatte früher das Gefühl, dass die große Mehrheit der Menschheit eigentlich ganz gesittet unterwegs ist und einigermaßen human, besonnen und mit dem so oft zitierten "gesunden Menschenverstand" agiert. Heute kommt es einem vor, als wäre es (bestenfalls) fifty-fifty. Früher sagte man oft "einmal mit Profis arbeiten". Heute reicht schon "ein Tag ohne Idioten". Die Ansprüche sind niedriger geworden.
Im selben Atemzug ist die Bereitschaft jedes/jeder Einzelnen geringer geworden, sich irgendwie einzubringen. Die "Ja, aber..."-Mentalität nenne ich sie:
"Ja, Jugendarbeit ist bei uns im Sportverein extrem wichtig, aber ich kann das nicht!"
"Ja, das ist echt schlimm mit den Obdachlosen in unserer Stadt, aber was kann ich dagegen schon tun?"
"Ja, die Stadt vermüllt immer mehr, aber ich habe den Dreck doch nicht verursacht - warum soll ich ihn wegmachen?"
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| Bild: KI-generiert |
Ich meine, welche Eltern kennen es nicht: Das alljährliche Schauspiel beim ersten Elternabend in der Schule nach den Sommerferien. Es geht um die Wahl der Elternvertreter - betretenes Schweigen, wenn die Lehrer, bzw. der/die Wahlvorsteher_in nach Freiwilligen fragt. Mit viel Glück erbarmt sich noch der- oder diejenige, der/die es schon X-mal gemacht hat und "eigentlich" damit aufhören wollte, weil "jetzt können ja mal andere!". Ja, schöner Plan. War wohl nix, Sabine.
Und so ist es wirklich überall, in nahezu allen Lebensbereichen. Viele wollen, wenige machen. Und natürlich will ich nicht die gesamte Menschheit/Bevölkerung über einen Kamm scheren. Aber der Großteil ist nur auf "ICH, ICH, ICH" bedacht - mein Haus, mein Auto, mein Podcast. Wann wurde diese Gesellschaft zu einer "all inklusive"-Erwartung mit Vollkasko-Mentalität? Alles erwarten, aber keine Bereitschaft, selbst etwas beizusteuern! Wenn in meiner Nachbarschaft eine Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete kommt, fragen sich die meisten nicht "Was mögen das für Motive sein, warum man alles hinter sich lässt und sich in ein fremdes Land ins Ungewisse aufmacht?" oder gar "Wie könnte man diesen Menschen denn vielleicht helfen?". Nein. Es wird per se das Schlimmste angenommen: "Die kommen (ALLE!) über meinen Zaun in meinen Garten, gucken mir ins Wohnzimmer!". Oder schlimmer: "Die werden (alle) bei uns einbrechen oder unsere Tochter vergewaltigen!". Oder man fragt sich: "Wie viel wird meine Immobilie an Wert verlieren? Die habe ich als Altersvorsorge!" - ja perfekt Heinz, dann leb' doch im Alter in deiner Altersvorsorge - wo ist das Problem? Oder wolltest du dein Reihenhaus vielleicht doch irgendwann einfach nur möglichst gewinnbringend verkaufen und dir ein 2-Zimmer-Apartement auf Mallorca davon leisten?
Leute, ernsthaft. Ich lebe in einer Siedlung, die in den 1950er/1960er Jahren explizit für Flüchtlinge, für als Folge des 2. Weltkriegs Vertriebene angelegt wurde. Und diejenigen, die nun in zweiter oder dritter "Generation" in diesen Häusern leben, haben Vorbehalte und Vorurteile ggü. Menschen, die ähnliches Schicksal teilen? Das nennt man pure Ironie. Die vor Krieg, (politischer oder religiöser) Verfolgung oder einfach nur aufgrund völliger Perspektivlosigkeit alles in ihrer Heimat aufgeben, Besitz, teils Familie und Freunde, und sich auf eine abenteuerliche Reise ins Ungewisse begeben? (Zu) Vielen scheint das nicht bewusst zu sein: Die fahren nicht in der Heimat mit dem Taxi zum Flughafen und fliegen mit der nächsten Boeing Business-Class von Zentralafrika oder Mittelasien nach Frankfurt. Auf wochenlangen Fußmärschen oder auf LKW-Ladeflächen oder mit wackeligen Schlauchbooten auf meterhohen Mittelmeer-Wellen... oftmals ungewiss, ob man es überhaupt überleben wird. Und das letzte, was man noch hat, muss man irgendwelchen Schleppern überlassen. Möchte gerne wissen, welcher Mitteleuropäer sich in Borkum ein Schlauchboot mieten würde, um damit über die Nordsee bis nach England zu schippern (ist ungefähr die Entfernung Afrikas bis zum nächsten europäischen Posten im Mittelmeer).
Hierzulande ist man jedoch häufig im Glauben "Die kommen nur, um uns alles wegzunehmen!". Wohnungen, Arbeitsplätze ("Sie klauen unsere Jooobs!"), Leberkäse-Brötchen. Ich glaube ernsthaft, selbst wenn jede/r hierzulande mehr als genug hätte (und nicht wenige haben das immer noch - sie wollen es oft nur nicht wahrhaben), wir in einem Land leben würden, wo Milch und Honig im Überfluß fließt, jeder hat sein Eigenheim, gebratene Hühnchen fliegen einem direkt ins Maul, alle fahren Mercedes-Benz, Wein- und Bierbrunnen an jeder Ecke, bedingungsloses Grundeinkommen, Top-Gesundheitsversorgung, selbst dann würde man "denen" bestenfalls Brot und Wasser zugestehen. Ja, die wirtschaftlichen Zeiten sind partiell schwierig und der Einkauf im Supermarkt wird gefühlt auch immer teurer.
Aber Herrgott, wir können immer noch im Februar Erdbeeren kaufen, können aus gefühlt zwei Dutzend "Milch"-Versionen auswählen (Reis, Soja, Hafer, Mandel, Kokos, Dinkel, Erbse, Kuh, etc.) und den Knust vom Brot werfen wir eher weg, wenn er schon etwas hart geworden ist, anstelle sich zu fragen, was man damit vielleicht noch Sinnvolles anstellen ließe. Zur Info: Jede_r Verbraucher_in wirft hierzulande 74,5 Kilogramm Lebensmittel im Jahr weg - 1kg Brot kostet durchschnittlich vier Euro, würden wir also 74,5kg Brot wegwerfen, sind das rund 300 Euro. Und es gibt nicht wenige, die einen Joghurt entsorgen, weil er einen Tag über dem MHD ist. Und ich will auch gar nicht davon anfangen, wie viel manche Leute für Silvesterfeuerwerk, Autotuning, Rauchen oder was-auch-immer nicht-Lebensnotwendigem ausgeben. Fakt ist: Wir (viele von uns) leben im Überfluß, sind aber sehr selten bereit, diesen egal aus welchem Grund einzuschränken oder auch nur zu überdenken (was man hat, hat man und möchte daran auch nicht rütteln). (Not my) Kanzler F. Merz wird ein geschätztes (Privat-)Vermögen von etwa 12 Mio. Euro nachgesagt. Als Kanzler erhält er (on top!) Bezüge von etwa 40.000 Euro (brutto), jeden Monat! Spendet er das den Bedürftigen oder verzichtet zumindest zum Wohle der Steuerzahler_innen darauf? Wohl kaum!
Und dann haben wir ja auch diejenigen, die zu allem eine Meinung haben, sich in die absurdesten Themen einmischen ("Ich wollt es mal gesagt haben!"). Wenn man sie dann aber darum bittet, den/ihren Worten Taten folgen zu lassen, werden sie wieder ganz kleinlaut ("Nee, das können andere besser! Da hab ich auch keine Zeit für."). Mächtig Meinung, aber keinerlei Bereitschaft selbst mit anzupacken. Ja ich weiß, dass trifft (wieder einmal) nicht für alle zu - natürlich nicht. Doch mir scheint, dass die Leute kaum noch Interesse haben, wenn in ihrer Nachbarschaft ein Kaffeenachmittag stattfindet, wenn das Schulorchester eine Veranstaltung, der Kindergarten einen Flohmarkt macht, wenn der Sportverein Jubiläum feiert. Viele (mehr als früher) wollen nur noch für sich sein, sich in den eigenen vier Wänden von Netflix berieseln lassen oder bei einem gepflegten Montepulciano im Forum für vegane Küche unter die Rezepte schreiben "Hab Hackfleisch dran gemacht - dann war's lecker", um somit andere Leute auf die Palme zu bringen. Oder sie schreiben zynische Kommentare unter Youtube-Videos von Volksbank-Azubis. Also, wenn's gut läuft.
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| Skanthunt42 in Aktion - Screenshot: South Park |
Die Telekom hatte vor einigen Jahren mit ihrer "Gegen Hass im Netz"-Kampagne angefangen. Was macht das jetzt konkret? Sind die unflätigen Kommentare im Netz weniger geworden? MIsst das irgendjemand? Stehen mehr Menschen #againsthatespeech auf, erheben die Stimme, wenn im Bus, im Café oder sonstwo dumm angemacht werden? Hab ich noch nie gesehen. Im Gegenteil: Ich habe das Gefühl, dass der Skrupel immer weniger, Zivilcourage immer gefährlicher wird.
Und von Politik will ich gar nicht erst anfangen. Einerseits soll sie Entscheidungen treffen - dafür ist sie ja vom Volk gewählt. Andererseits mischt sich jeder Hans und Franz aber überall ein, sobald es seinen eigenen Gartenzaun betrifft bzw. bemängelt, man hätte ihn (oder sie) zuvor nicht (genug) abgeholt, informiert, was auch immer. Ich verstehe schon, Bürgerbeteiligung, gut und schön. Teilweise ist es aber so, dass die Erwartung eine völlig andere ist, als Politik leisten kann. Jüngst laß ich einen Artikel darüber, dass in einer Umfrage zur bevorstehenden Wahl in Berlin fast jeder zweite Berliner (40 %) sich im Deutschen Bundestag nur noch eine einzige "starke Partei" wünscht. Und fast jeder Dritte hofft auf einen "autoritären Anführer mit starker Hand". Ähm, haben wir aus der Geschichte nichts gelernt? Glauben die, in Russland, Ungarn, der Türkei läuft alles besser? Als wäre es in der DDR mit der SED-Unrechtspartei besser gewesen! 29 Prozent der Berliner haben ein offenes Ohr für Verschwörungserzählungen. Jeder dritte Berliner hat antisemitische Einstellungen. Fast jeder Zweite (47,7 Prozent) will mehr als 70 Jahre nach der NS-Diktatur heute lieber über gegenwärtige Probleme reden und die Historie völlig außer Acht lassen. Für 35,6 Prozent ist Israels Politik in Palästina genauso schlimm wie die der Nazis im Zweiten Weltkrieg.
In vielen Bereichen fühle ich mich wie in Spongebobs Gegenteiltag - von allem, was richtig wäre, wird genau das Gegenteil gemacht: - Die Deutschen sind zu viel krank - was ist die Ursache? Egal, wir schaffen stattdessen die telefonische Krankmeldung ab! Weil, wenn man nicht krankgemeldet ist, ist man.. nicht krank?
- Anstieg psychischer Erkrankungen. Was machen wir? Honorare kürzen, für noch weniger Therpaieplätze. Heyyy.
- Uns ist bewusst, dass wir auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen sitzen. Was machen wir? Erneuerbare Energien pausieren. Gaskraftwerke ausbauen.
- Fachkräftemangel. Was machen wir? Wir präsentieren uns von der denkbar schlechtesten Seite, damit auch bloß niemand aus einem anderen Land zu uns möchte.
- "Wir machen lieber unsere eigenen Kinder!" - Ja genau, dafür schaffen wir eine Grundlage, die so absolut überhaupt nicht einladend ist, um Kinder in die Welt zu setzen.
- "Wir müssen die Menschen in Jobs bringen!" - Ähm, ja und wo sind diese Jobs? Also "Plege" kann ja jetzt auch nicht jede/r - in zweierlei Hinsicht gesehen.
- Wir brauchen mehr Bildung, mehr Schutz für Frauen und Kinder also sparen wir an Bildung und am Schutz für Frauen und Kinder.
- Keiner will Krieg, aber alle reden davon, deshalb bereiten wir uns darauf vor und nennen es Verteidigung.
- Im Osten des Landes fühlen sich die Leute hängengelassen - aber da machen sie nicht das Gegenteil, sondern wählen eine Partei, die sie hängen lässt.
- Und über das Klima redet auch keiner mehr, ich glaube, das haben wir an irgendeinem Punkt schlicht und einfach aufgegeben.
Erinnert
sich noch jemand, als 2024 Millionen Menschen überall im Land auf die
Straße gingen und für die Demokratie, gegen den Rechtsruck
demonstrierten? Ein in zahlreichen Demonstrationstiteln und Plakaten
verwendeter Slogan lautete "Nie wieder ist jetzt". Mit über drei
Millionen Teilnehmern auf mehr als 1.200 Kundgebungen (Stand Juni 2024)
waren diese Proteste die größte Demonstrationsserie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Und
heute? Da gibt es noch vereinzelte Aktionen, teils mit ein paar Tausend
oder Hundert Teilnehmer_innen. Wenn die Co-Vorsitzende einer gewissen
Partei auf einem Parteitag offen sagt "Wir schieben sie ab. Und wenn es Remigration heißen muss, dann heißt es eben RE-MI-GRA-TION!".
Und schreit jemand auf? Wenige. Rufen erneut alle Organisationen auf,
dass wir Aufstehen müssen, Flagge zeigen? In Einzelfällen. Es scheint an
Normalität gewonnen zu haben. Zu alltäglich ist das früher eigentlich
Unsagbare geworden. Kaum ein Tag, wo nicht wieder etwas aus dem braunen
Sumpf zu Tage kommt, wofür vor einiger Zeit Köpfe gerollt wären - also
im Sinne, dass jemand seinen Hut nehmen und von Ämtern zurücktreten
muss. Besagte Partei steht stabil bei >20% und läuft Gefahr bei der
bevorstehenden Bundestagswahl zweistärkste Kraft zu werden.
Heute
ist der Groove irgendwie anders. Jede_r scheint es hinzunehmen. Stets
in dem Glauben, er/sie allein könne ja eh nichts dagegen tun. Manch
eine_r denkt sich vielleicht auch "es werde schon gutgehen". Aber wir
müssen eigentlich nur auf das Thema Klima blicken. Ja, und jetzt werden
sie wieder kommen, diejenigen die sagen "Es ist doch so kalt im Moment!
Wo ist da der Klimawandel?". Nein Pascal, du verwechselst da was. Das
eine ist das Wetter - eine Momentaufnahme. Das andere das Klima - eine
langfristige Betrachtung. Und bei letzterem sind sich die
Wissenschaftler_innen und Experten_innen einig: Das schreitet alles viel
schneller voran, als angenommen.
Es
gibt zwar auch Gutes zu berichten: Deutschland hat seinen
Treibhausgas-Ausstoß gegenüber 1990 fast halbiert und sein
selbstgestecktes Klimaziel für 2024 erreicht. Die strengeren EU-Vorgaben
wurden aber verfehlt - wegen der Emissionen durch Gebäude und den
Verkehr. Deutschland kommt beim Klimaschutz vor allem dank des Ausbaus
von Wind- und Solarenergie schneller voran als erwartet. Der
Treibhausgas-Ausstoß sei 2024 um 48 Prozent gegenüber dem Referenzjahr
1990 zurückgegangen, teilte die Denkfabrik Agora Energiewende heute mit.
Das deutsche Klimaziel für das Jahr wurde erreicht: Mit 656 Millionen
Tonnen seien im Vergleich zu 2023 drei Prozent weniger Klimagase in die
Luft geblasen worden. Die Emissionen seien damit das dritte Jahr in
Folge gesunken.
Besonders
durch den Ausbau von Wind- und Solarenergie ist die Bilanz so gut.
Durch Windräder. Die Dinger, die besagte Partei-Co-Chefin abreißen will "Nieder mit den Windmühlen der Schande!", während ihre Mitglieder frenetisch Applaus spenden. Dabei vergessen sie zwei Dinge: Der Großteil, eigentlich fast 100%, sind im Besitz von Unternehmen.
Das können Energieversorger, private Investoren, Finanzinstitute oder
sogar Gemeinden sein. Jetzt frage ich mal so nonchalant: Wie will die
gute Dame privates (!) Eigentum niederreißen
(lassen)? Möchte die Partei, die wehement gegen mutmaßliche
Enteignungen wettert, etwa eben diese Besitzer etwa enteignen? Könnte
spannend werden.
Ich habe es schon mal gesagt und ich frage es wieder:
Deutschland, warum hast du ständig schlechte Laune?
Warum bist du wütend auf Politiker_innen, die du selbst gewählt hast?
Warum jammerst du über Steuern, während du im selben Atemzug mehr Straßen, Krankenhäuser und Schulen forderst?
Warum willst du, dass alles billiger werden soll, aber gleichzeitig auch besser?
Warum soll alles schneller gehen, aber sich bitte bloß nichts verändern?
Warum nennst du dich tolerant, wenn du bei jeder andersartigen Meinung sofort ausrastest?
Warum schreist du nach Freiheit, aber nur solange sie sich anfühlt wie Kontrolle?
Warum forderst du Sicherheit, aber schimpfst zeitgleich auf Überwachung?
Warum suchst du bei jedem Fortschritt sofort als erstes das Problem?
Warum ist die Demokratie eigentlich nicht radikal und die Alternative nicht gefährlich genug?
Warum siehst du immer zuerst, was fehlst und nicht, was schon da ist?
Warum erwartest du Veränderung von anderen, obwohl du selbst nie einen Schritt aus der Komfortzone wagst?
Warum bist du so satt von Sicherheit, gelangweilt vom Wohlstand, so müde von Freiheit?
Warum beschwerst du dich über ein System, dass dir erlaubt, dich zu beschweren?
Langsam wächst in mir der Wunsch, aus diesem Land zu flüchten. Bin mir aber unsicher, wie ich anderswo aufgenommen werde. Vertrackte Situation das.
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