Endlich ist kalendarischer Frühlingsanfang - der April wartet mit Temperaturen von um die 20 Grad auf. Und ich muss sagen: Es ist herrlich und war bitter nötig. Ich konnte den Schnee im Februar nicht mehr sehen und für Winter-Olympia hatte ich auch nichts übrig. Ernsthaft: Das sind alles Sportarten, wo die sich um Millisekunden (oder Zentimeter) battlen. Einmal unaufmerksam "Uuuuh, da hat sie eine halbe Sekunde liegen lassen, das kann sie nicht mehr aufholen,..." oder "Da ist er nicht gut weggekommen - das wird ihn wertvolle Zentimeter kosten! Schade!". Ich meine, ernsthaft: Um eine Distanz von A nach B in einem Eiskanal oder einer Skipiste zurückzulegen, brauchst du naturgemäß eine gewisse "Mindestzeit" - da gibt es nicht unendlich viel zu "optimieren".
Ja, ich gebe es zu: ICH - HASSE - WINTER! Jetzt ist es raus. Mal ehrlich, was ist an dieser Jahreszeit verneigenswert? Hä? Fällt euch auch nichts ein, richtig? Ja, ein paar werden sagen "Ah, Weihnachten, Advent, blah blubb". Ja, toll. Einen Monat lang! Was ist mit Januar, Februar, im Grunde auch November (wenngleich der eigentlich zum Herbst zählt, aber gefühlt beginnt der Winter kurz nach Halloween!). Der Januar wollte gefühlt niemals enden. Im Gegenzug dauerte der Februar nur einen Wimpernschlag (Gott sei Dank). Und das liegt nicht daran, dass er von Natur aus drei Tage weniger im Kalender hat.
![]() |
| Team Sommer oder Team Winter? - Grafik-KI-generiert |
Mal im Ernst: Entweder bist du im Team Sommer oder... nee, eigentlich gibt es keine Gründe im Team Winter zu sein. Echt nicht. Fassen wir das mal kurz zusammen: Winter: Du wachst morgens auf - es ist alles dunkel. Du kommst nicht in die Gänge, musst im Dunkeln zur Arbeit. Winterjacke/Mantel, Winterschuhe, Schal, Mütze, Handschuhe - das volle Programm. Wenn du Pech hast, ist es so kalt, dass du dein Auto freikratzen musst - jeden Tag! Deine Scheiben sind beschlagen, du hast schlechte Sicht... Oder deine Bahn fährt nicht, weil es halt zu kalt ist und beispielsweise die Oberleitungen einfrieren oder zu viel Schnee auf den Gleisen liegt. Keine Ahnung. Fahrradfahren (oder wahlweise auch Motorrad, Roller, welches Zweirad auch immer) bei dem Wetter? Vergiss es. Die Chancen, sich bei Schnee und Glätte damit auf die Schnauze zu legen sind besser, als um 19 Uhr noch einen Döner mit Hähnchen zu bekommen (kannste vergessen, gibt nur noch Lamm - bäh). Du kommst zur Arbeit, verrichtest dein Tagwerk und denkst dir irgendwann beim Blick aus dem Fenster "Boah, das wird heute auch gar nicht mehr hell!", um festzustellen, dass es kurz vor Feierabend ist und du die eine Stunde Sonnenschein des Tages im "Meeting aller Statusmeetings" verpennt hast. Aber egal, wenn du im Winter mal überhaupt Sonnenstunden hast, dann sowieso bestenfalls eine oder höchstens zwei. Ansonsten ist es meistens immer irgendeine graue Nieselregen-Scheiße - oder es schneit halt auch mal. Du fährst nach Hause, darfst deinen Gehweg vom Schnee freischaufeln (zum wer-weiß-wievielten Mal). Hast du einen Hund? Dann muss der ggf. auch noch "verpackt" werden (wenn er überhaupt Bock bei dem Wetter hat), wenn es auf die Gassi-Runde(n) geht: Mäntelchen, Pfotenschuhe (weil irgendwer streut immer mit Salz!). Du läufst mit dem Vierbeiner um den Block, während dir der eiskalte Wind ins Gesicht bläst oder dir der fünf Grad kalte Regen die Hände abfriert. Zu Hause angekommen bist du vom Vitamin-D-Mangel so müde, dass du dich am liebsten um 19 Uhr ins Bett legen möchtest. Vielleicht aber auch, weil du dich bei irgendeinem unbedachten Ausfallschritt auf einer Eispfütze richtig auf's Mett gelegt hast.
Und kommt mir jetzt nicht mit "ich kanns mir dann immer schon mit Kerzenschein am Kamin gemütlich machen" oder mit "Winterzauber" und "Weihnachtsmarkt" - wenn ich ne Bratwurst für sechs Euro und eine mit der Bohrmaschine zubereitete "Spiralkartoffel" für neun Euro fressen will kann ich auch nach Sylt fahren. Ansonsten ist die Natur ja komplett im Winterschlaf und deckt den Speisetisch eher einseitig: Spitzkohl, Rosenkohl, Blumenkohl, Weißkohl, Rotkohl... Kohl, Kohl und nochmal Kohl - viel anderes hat der Winter nicht zu bieten. Ja, das frisst du doch im Frühjahr auch, wenn die "Tina" wieder die tolle Kohlsuppen-Diät anpreist, weil alle die Bikini-Panik bekommen. "Aber schön bei Sonnenschein durch eine verschneite Landschaft laufen..." AM ARSCH! Wann hast du das das letzte Mal gemacht Birgit?!
Im Gegensatz dazu: Sommer! Du wachst auf, es ist hell. Vögel zwitschern. Du könntest dein erstes Heißgetränk des Tages auf der Terrasse dem Balkon oder wo auch immer zu dir nehmen. Du bist nicht eingeschränkt in der Wahl der Fortbewegung, um zur Arbeit zu kommen: Auto, Fahrrad, Öffis... alles ist sofort verfügbar und fährt. Du brauchst bestenfalls nur ein leichtes Jäckchen gegen die Morgenkühle. Jaaa, wenn es denn mal richtig heiß wird, dann schwitzt man auch mal und >30°C im Dachgeschoss sind kein Geschenk. Einzelschicksale. Die Kolleg_innen auf der Arbeit sind (durch ausreichend Vitamin D) meist gut gelaunt. Die MIttagspause könnt ihr unter freiem Himmel, im Park um die Ecke oder am nahegelenen See verbringen. Überhaupt Freizeit: Am Baggersee oder im Freibad baden, Tennis, (Mini-)Golf, Joggen gehen im Park oder im Wald, Gartenarbeit (wer es mag). Die Natur deckt den Tisch reichhaltig: Spargel (wer es mag), Kirschen, Erdbeeren - köstlich. Picknick im Freien? Grillabende? Urlaub am Meer. Kein Problem. Hunderunde einfach nur Halsband um und los geht es - keine aufwändige Ankleiderei, kein mit dem Handtuch trockenrubbeln beim wiederkommen. Jaa, auch im Sommer kann es regnen. Aber so ein Sommerregen ist in aller Regel eher angenehm, meist sogar erfrischend. Abends ausgehen, Open-Air-Kino, in einer Rooftop-Beachbar bei einem Kaltgetränk den Sonnenuntergang genießen... es macht einfach alles mehr Spaß im Sommer! Die Sonne geht irgendwann um halb zehn abends unter und du denkst "Oha, jetzt aber mal langsam nach Hause, morgen geht es ja um sieben Uhr wieder los!".
Davon mal abgesehen: Schon mal aufgefallen, in wie vielen Liedern der Sommer (oder die oft in Verbindung damit gebrachte Sonne) besungen wird? "Summer In The City", "Like Ice In The Sunshine" oder "So schmeckt der Sommer" in der Werbung, "Cruel Summer", "California Gurls" oder "California Girls", "Summer Of 69", "Here Comes The Sun", "Sun Is Shining", "Walking On Sunhine" oder auch "Always The Sun", "In The Summertime", "All Summer Long", "Boys Of Summer", "Summer Nights", "Endless Summer" oder "Endless Summer Nights", "Summer Wine", "Hot Summer", "Es war Sommer" oder "36 Grad". Man könnte vermutlich noch stundenlang so weitermachen. Mit Winter gibt es bestenfalls irgendwelche Weihnachtslieder ("Winterwonderland" o.ä.). Ich kenne jedoch keinen expliziten Winter-Song ohne Bezug zu Weihnachten (abgesehen von "November Rain", der jetzt auch eher eine Liebesballade darstellt und wir haben ja außerdem schon festgehalten, dass der November - kalendarisch wie meteorologisch - in den Herbst fällt!
Und es ist mir komplett unverständlich, dass der Sommer (bei uns) kein Hochfest hat. Der Winter hat Weihnachten. Der Frühling Ostern. Der Herbst hat Halloween. Was hat der Sommer? Wir sollten da was ins Leben rufen oder einfach hierzulande "Midsommar" (ist in Schweden nach Weihnachten das zweitgrößte Fest des Jahres) größer zelebrieren. Dort wird immer an dem Freitag gefeiert, der zwischen dem 19. und dem 25. Juni liegt - Google benennt Samstag den 20.06. als Mittsommer-Datum. Wir feiern dieses Jahr Midsommar!
![]() |
| Grafik: KI-generiert |
Ich denke, der Punkt geht eindeutig an den Sommer. Polle? Gibt es Mittel. Sonnenbrand? Crem' dich ein! Bis hierhin war es eher emotional, jetzt wird es nochmal wissenschaftlich, denn: Sicher gibt es immer, hier wie dort, die Extreme: Du kannst natürlich auch einen verregneten Scheiß-Sommer bei 15° haben oder eben eine Hitzwelle, wo es sich auch nachts kaum unter 25° abkühlt - kein Geschenk. Verstanden. Aber wenn wir vom Durchschnitt sprechen... merkste selber? Und bevor jetzt wieder irgendwer mit Erderwärmung, Klimawandel, etc. um die Ecke kommt: HALT, STOP!
![]() |
| Quelle Screenshot: Youtube |
Ja, wir hatten dieses Jahr mal Schnee. Das ist aber kein Grund den Klimawandel zu leugnen!
Punkt 1: "Klima" ist ein Begriff, welcher den meteorologischen Zustand über einen langen Zeitraum beschreibt. Also Wetterdaten über beispielsweise 30 Jahre zusammengefasst und analysiert. "Wetter" hingegen ist etwas temporäres. Wir sagen ja auch "Wie wird das Wetter morgen?" und nicht "Wie wird das Klima morgen?". Also Wetter ≠ Klima. Wichtig, merken!
Punkt 2: Dass wir jetzt wieder (vielleicht sogar - gefühlt - öfter als früher) Schnee haben, liegt eben genau am Klimawandel. Kowalski, Analyse: Es hat mit dem Polarwirbel zu tun. Wir haben irgendwann (zu spät) registrieren müssen: Die Arktis (Nordpol) ist viel zu warm. Das sorgt dafür, dass der Polarwirbel (Grafik unten: "polar vortex") zu schwach ist, also schwächer als früher. Diese eiskalte Zone wird normalerweise (früher) vom Jetstream begrenzt, einem Band von Höhenwinden (dicke blaue Pfeile). Genauer gesagt treibt der Polarwirbel den Jetstream an. Ein starker Polarwirbel lässt den Jetstream sehr schnell und stabil um das obere Globusdrittel kreisen. Er hält sozusagen die kalte Luft im Zaum (linkes Bild in der Grafik).
Jetzt ist es aber leider so (geworden), dass die Temperaturunterschiede zwischen Äquator und Arktis immer geringer werden (wir sehen das ja auch immer wieder: Pole schmelzen, Gletscher kalben, etc.). Es gibt immer weniger Eis in der Arktis. Das führt zu einem schwächeren Polarwirbel und der hat nicht mehr die Kraft den Jetstream anzutreiben wie früher und es kommt zu einer Art "Spaghettifizierung" (rechtes Bild). Das sorgt dann z.B. für (unser Empfinden) einerseits recht kaltes Wetter hier in Mitteleuropa, weil die kalte Polarluft ungebremst Richtung Süden wandern kann, aber andererseits auch für (zu) warmes Winterwetter, weil die warme Luft vom Äquator leichter gen Norden ziehen kann. Beispiel: Island hatte letztes Jahr Weihnachtsfeiertage bei sommerlichen 20 °C - ZWANZIG! Normal sind da eher so zwei bis drei. Mehr Dynamik im Wetter sorgt wiederum auch andernorts für Überflutungen wie aktuell in Marokko, Spanien und Portugal.
![]() |
| Grafik: NOAA - Quelle: Süddeutsche |
Wir hatten auch im Januar Schnee und im Februar teils bis an die 20 °C (im Südwesten). Es wäre nicht verwunderlich, wenn jetzt im März (viel zu früh) alle ihre Gärten frühlingsfit machen, um dann im April doch wieder noch einen Kälteeinbruch erleben zu müssen.
Und dann haben wir bei alledem noch nicht mal über den Golfstrom gesprochen: Der Golfstrom wirkt als zentrale Meeresheizung für Europa, indem er warmes Oberflächenwasser aus dem Golf von Mexiko in den Nordatlantik transportiert. Wenn dieser durch den Klimawandel langsamer wird, sorgt das auch für eine Abkühlung in Mitteleuropa von bummelig 10 bis 20°. Je nachdem.
![]() |
| Quelle: Der Standard |
Also, bitte nicht bei Schnee im Winter oder zehn Grad im Sommer rumplärren "JA WO ISSE DENN NUN DIESE ERDERWÄRMUNG?!?" - Das Klima verändert sich (langfristig), weil es auf dem gesamten Erdball wärmer wird.
Trotzdem: Sommer ist besser als Winter. Und wenn noch einige fragen, "was ist denn mit Frühling und Herbst?". Ja, auch nett, aber Winter und Sommer sind eher so 1. Bundesliga - Frühling und Herbst 2. Bundesliga.
Und jetzt Schluss mit Winter - ICH - WILL - SOMMER! JETZT!







Kommentare
Kommentar veröffentlichen