Hurra Hurra! Monatelang wurde der Launch des "T1" verschoben - manche der 600.000 Vorbesteller bangten, ob sie das Gerät überhaupt erhalten und ihre 499 Dollar bzw. die 100 Dollar Anzahlung womöglich futsch seien. Doch nun können es alle amerikanischen Idio- Patrioten endlich in den Händen halten. Das Smartphone mit "Premium-Performance. Mit Stolz amerikanisch". Doch es ist auch mit diesem Masterpiece wie mit Trump selbst (Achtung, Mörder-Wortwitz!) - nicht alles Gold, was glänzt. Es kommt neun Monate zu spät, dafür sieht es einem zwei Jahre alten Handy aus Taiwan verblüffend ähnlich. Natürlich ist es goldfarben, natürlich steht "Trump" darauf - viermal!
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| Bild: Collage |
Warum ist diese eigentlich-Banalität nun wieder ein Grund für einen Post meiner Lieblings-Orange?
Da ist zunächst einmal die ursprüngliche Ankündigung, das Telefon sei "made in USA". Da wage ich mal keck die Behauptung, dass da der Wunsch Vater des Gedanken war. Ich weiß gar nicht: Wann haben denn "die USA" ihr letztes Smartphone gebaut? Also komplett alles "made in the US"? Rohstoffe, Elektronik-Bauteile, Fertigung...? Allein bei den Lohnkosten hätte ein komplett in den USA gebautes Smartphone preislich locker mit dem iPhone mithalten können, ja müssen - mindestens!
Dieses Produktversprechen wurde schnell wieder kassiert. Pat O’Brien, der Chef des Mobilfunkunternehmens, sagt inzwischen nur noch, das Handy würde "in den USA montiert". Auf der Verkaufs-Webseite heißt es, das T1 sei "designed with American values in mind" - es wurde also "entworfen im Geiste amerikanischer Werte". Was die Trump-Söhne für amerikanische Werte halten dürften, wird bei einem kurzen Blick auf das Telefon deutlich: Es hat auf der Rückseite eine US-Flagge, die nur elf statt dreizehn Streifen trägt. Es war wohl wichtiger, "Trump Mobile" unter die Fahne zu schreiben. Der Name Trump auf dem Produkt wird als Lizenz der Trump-Organisation vergeben. Beworben wurde es von Donald Trumps Söhnen Eric und Donald Junior als „patriotische Alternative zu all den Big-Tech-Smartphones“.
Das T1 kann offenbar, was Smartphones können: Es bietet Telefonie- und Kurznachrichtenfunktionen und mit der Kamera lassen sich, so der Eindruck eines NBC-Testers, auch ganz gute Fotos aufnehmen. Die Plattform für Trumps nächtliche Wutausbrüche, "Truth Social", ist selbstverständlich vorinstalliert. Der Sender NBC News berichtet unter Berufung auf Fachleute, das Telefon scheine dem zwei Jahre alten HTC U24 Pro zu ähneln, das in Taiwan hergestellt wird. Das Technikportal The Verge kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass das Trump-Telefon dem HTC U24 Pro "verblüffend ähnlich" sieht. Mit dem Modell von 2024 verbindet das T1 neben dem allgemeinen Aufbau auch eine klassische Kopfhörerbuchse, wie sie in modernen Smartphones eigentlich nur noch selten verbaut wird.
Grundsätzlich ist das T1 ein Android-Smartphone und verfügt über ein 6,78-Zoll-Display und ein Kamerasystem mit drei Linsen auf der Rückseite. Manche technischen Details, etwa zum verwendeten Prozessor von Qualcomm, verrät die Website zum Gerät bis heute nicht. Das Smartphone ist einem Bericht zufolge größer als ein iPhone 17 und verfügt über 512 Gigabyte Speicher und als Prozessor kommt ein Snapdragon zum Einsatz. Für die 499 Dollar (laut Trump Mobile ein Aktionspreis) wird neben Ladeequipment auch eine Handyhülle mitgeliefert. Sie ist durchsichtig, sodass die US-Flagge auf der goldenen Rückseite des Geräts immer gut zu sehen ist.
All das lädt zu Witzen über das Trump-Telefon geradezu ein. In seiner vorletzten Show sagte der Satiriker Stephen Colbert, das einzige Trump-Objekt, das nach einer neunmonatigen Wartezeit noch enttäuschender gewesen sei, sei Eric Trump gewesen.
Das größte Witz ist aber meines Erachtens nach, der Fehler bei der Flagge. Ja gut, könnten jetzt einige sagen, die ist halt stilisiert. Jein. Also einierseits hat sie die gleiche/richtige Anzahl an Sternen und auch die Anordnung ist korrekt. Aber die Proportionen! Die Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika besteht aus 7 roten und 6 weißen Streifen, die für die 13 Gründungsstaaten stehen, und aus einem blauen Flaggenfeld („Gösch“) im linken oberen Eck, dessen derzeit 50 weiße Sterne die 50 Bundesstaaten der USA symbolisieren. Das Seitenverhältnis beträgt 10:19 - also etwas breiter als hoch. Zum Vergleich: Die Deutschlandfahne hat ein Verhältnis von 3:5, Frankreichs Trikolore 2:3 und die Schweiz 1:1 - letztere ist nämlich quadratisch.
Zurück zur Flagge auf dem Trump Phone: Man hat die untersten zwei Streifen offenbar dem Schriftzug "trump Mobile" geopfert. Aber warum? Die Flagge inkl. Schriftzug auf dem Handy kommt nur auf ein Verhältnis von rund 9:12 - etwas schwierig zu sagen, da es offenbar nur Abbildungen mit leicht schräger Darstellung gibt. Das kommt am ehesten an die französische Flagge heran. Zudem ist selbst die sog. "Gösch" mit den Sternen nicht einmal richtig: Sie allein kommt auf ein Verhältnis von etwa 5:5, also nahezu quadratisch, obwohl das Original grob 5,5:7,5 beträgt.
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| So hätte man es machen können - so hat man es gemacht - Bild: Collage |
Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass man zum Mobiltelefon selbst auch vom Anbieter einen passenden Tarif bekommen kann: Für schlappe 47,45 US-$ im Monat. Eine Anspielung auf die Amtszeiten Trumps als 45. und 47. Präsident. Es gibt aber auch Nachlässe für Familien und Veteranen. Versorgt man beispielsweise auch die Frau mit nem Tarif, kostet dieser nur noch 42,45 US-$ und für die Kinder geht es nochmals jeweils fünf Dollar runter: 37,45 für das erste und 32,45 für das zweite Kind. Dafür gibt es eine Flatrate für's Telefonieren und für's Texten - grenzenlos simsen. Auch Daten sind unbegrenzt, allerdings nur die ersten 20GB in Highspeed.
Also ich habe jetzt nur mal kurz in DE mittels Vergleichsportal gegengecheckt, da ich nicht weiß, wie das US-amerikanische Pendant zu Check24 oder Verivox heißt. Aber hierzulande bekommst du 30GB pro Monat bereits für 6,95 Euro oder 100GB für 12,99 Euro - beides mit "bis 50 MBit/s". Soll es etwas schneller sein? Bis 300 MBit/s kosten 50GB 18,62 Euro. Also ich steck' da ja nicht drin, aber 47,45 Dollar klingt für mich jetzt nicht wie DAS Knaller-Angebot. Aber gut, aktuell bezahlst du ja in den USA für eine Melone gut und gerne 14$, 11$ für eine Tüte mit Mozzarella-Streukäse oder 9$ für eine Packung Cerealien. Vielleicht weitet sich die Preisspirale ja auch auf Handytarife aus (oder Trump macht einfach nur wieder massig Kohle. Immerhin haben rund 600.000 Menschen jeweils 100 Dollar bezahlt - macht 60 Mio. US-$. Eine Anzahlung ist kein Kauf, begründet keine Annahme einer Bestellung, schließt keinen Kaufvertrag ab, überträgt kein Eigentum, reserviert kein Inventar und garantiert nicht, dass ein Gerät produziert oder zum Kauf angeboten wird.
Das T1 Phone reiht sich ein in eine lange Liste von Trump-Produkten, die mehr Versprechen als Substanz boten: Trump Steaks, Trump University, Trump Sneakers, Trump NFTs, die $TRUMP-Memecoin. Jedes Mal dasselbe Prinzip: die Marke Trump als Verkaufsargument, die Fangemeinde als Zielgruppe, das Kleingedruckte als Absicherung.


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