...mehr als diese drei Worte braucht es hierzulande nicht, um jedwede Idee bereits im Keim zu ersticken, jeden progressiven Gedanken abzuwürgen. Egal welcher Geistesblitz: Ein stumpfes Etikett und die Diskussion scheint beendet, ohne ein einziges wirkliches Argument. Wer sich hingegen etwas Mühe macht und durch die Geschichte schaut, merkt schnell, was heute als Traumtänzerei (o.ä.) betitelt wurde, ist morgen schon schlicht der banale Alltag, eine Selbstverständlichkeit, über die niemand mehr (ernsthaft) diskutiert. Beispiele gefällig? Bitteschön:
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| Quelle: Web.de, Welt und FAZ - Bild: Collage |
Vor grauer Uhrzeit erfand der Mensch das Rad - nicht wenige waren der Meinung, dass dies die Götter erzürnen würde. Etwas später hatten Menschen Angst vor Elektrizität. Moment... zu abstrakt? Zu lange her? Bitte:
1976 wurde die Anschnallpflicht in Autos "obrigkeitsstaatliche Bevormundung" genannt. Viele Frauen (und Männer) verweigerten das Anschnallen, oft aus Sorge um den Komfort, Knitterfalten in der Kleidung (!) oder ein beengendes Gefühl (ganz besonders bei den Damen bezgl. der Oberweite). Der Spiegel titelte "Gefesselt ans Auto", bzw. sprach von "Furcht vor der Fessel" und stellt ungeachtet des reellen Nutzen des "Leibriemens" die provokante Frage in den Raum "Soll und darf der liberale Staat die Auto-Bürger zum Überleben zwingen?". Unglaublich oder? Heute ist das überhaupt kein Thema! Niemand käme auf die Idee, ohne Gurt zu fahren. Nicht nur weil es 30 Euro Verwarnungsgeld kostet, wird man ohne angelegten Gurt erwischt. Sondern weil ERWIESEN ist, dass er Leben rettet: Anfang der 1970er gab es hierzulande über 20.000 Verkehrstote jährlich - nach der Gurtpflicht ging es stets bergab mit dieser Zahl (heute noch rund 2.500). Ein Aufprall ohne Gurt bei nur 30 km/h entspricht einem Sturz aus vier Metern Höhe und kann bereits zu schweren bis tödlichen Verletzungen führen - man kann sich da nicht mehr "selbst abstützen/abfangen". Unangeschnallte Insassen prallen ungebremst gegen Lenkrad, Armaturenbrett oder Windschutzscheibe, da der Airbag allein bei diesem Tempo nicht ausreicht (und den würde ja auch niemand abschalten, aus Angst er ruiniere im Falle des Falles die Frisur).
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| Quelle: Der Spiegel |
In den 80ern war es nicht weniger als "Müsli-Spinnerei", dass man ein Industrieland wie dem unseren mit Sonne und Wind versorgen könne. Diese komischen Photovoltaik-Dinger und "übergroßen Ventilatoren" (die ja eh nur die Chemtrails überall verteilen) - die können ja gar nicht genug Energie erzeugen. Und wie die Landschaft dadurch aussieht, FURCHTBAR! Da braucht es schon die gute alte Kohle und Gas und natürlich Atomkraft! Kurz zuvor wurden noch Imagefilme FÜR Atomkraft gemacht - Zitat "Ein Atomkraftwerk strahlt Sicherheit aus!", kein Witz. Man schlussfolgerte "Kernenergie - Kernkraftwerk - kerngesund" - erzähl' das mal den Überlebenden von Tschernobyl. 2024 lag der Anteil der erneuerbaren Energien beim deutschen Strom bei stolzen 59%. Inländische Atomkraft spielt hingegen aktuell keine Rolle mehr - die letzten drei AKW's wurden 2023 abgeschaltet. Und auch wenn gewisse Parteien eine Rückkehr fordern: Selbst die seinerzeitigen Betreiber erachten einen Wiedereinstieg als völlig unwirtschaftlich - nicht nur, dass diese Art der Energiegewinnung wahnsinnig teuer ist (die Baukosten für moderne Reaktoren explodieren oft und erreichen zweistellige Milliardenbeträge z. B. Hinkley Point C in Großbritannien), es bedarf auch für den Betrieb jeder Menge Fachleute, die nicht mehr verfügbar sind (weil sie sich mittlerweile beruflich umorientiert haben). Die Planungs- und Bauzeiten betragen zudem oft 10 bis 20 Jahre (Vergleich Windrad: 4 bis 8 Jahre), was zu massiven Zinskosten führt, von der Frage der Endlagerung mal ganz zu schweigen.
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| Furchtbar diese verschandelte Landschaft... also links - Bild: Collage |
2014 sollte die Einführung des Mindestlohns "Jobkiller" und auch "Traumtänzerei" sein, wurde als "wirtschaftlich schädigend" betitelt. Das IFO-Institut prognostizierte damals 900.000 Arbeitsplätze, die akut in Gefahr wären. Der Ökonom Hans-Werner Sinn warnte vor dem damaligen Mindestlohn von 8,50 Euro (aktuell 13,90 Euro - dafür bekommt man derzeit gerade einmal rund sieben Liter Diesel!) und sein Kollege Börsch-Supan kritisierte, dass der Mindestlohn bereits ab 18 Jahren gelten soll: „Der Mindestlohn wird bei der Jugendarbeitslosigkeit voll durchschlagen. Dort werden die Zahlen signifikant ansteigen. Der Mindestlohn darf erst ab 25 Jahre gelten.“. Eingetreten ist davon... NICHTS! Heute akzeptieren ihn im Grunde fast alle Parteien. Er schützt Arbeitnehmer_innen vor Ausbeutung und Armut trotz Vollzeitarbeit. Er steigert die Kaufkraft der Beschäftigten, erhöht die Steuereinnahmen, fördert fairen Wettbewerb zwischen Unternehmen und hebt Löhne im Niedriglohnsektor an, wovon besonders Frauen profitieren. Die Zeit hat ebenfalls die fünf größten Mythen widerlegt - er gefährdet weder Arbeitsplätze und auch nicht die Wettbewerbsfähigkeit, treibt nicht die Inflation.
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| Obwohl die Realität das Gegenteil bewiesen hat, werden manche Medien nicht müde, das Märchen weiter zu erzählen - Bild: Collage |
2024 machte die Bild aus dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) schlichtweg den "Heizungshammer" oder "(Habecks) Heinz-Hammer". Schürte bei Verbraucher_innen Angst, dass Robert Habeck persönlich bei ihnen einreiten und die schöne 32 Jahre alte Öl- bzw. Gasheizung aus ihrem Eigenheim herausreißen wird und jeder Haushalt, der sich keine Wärmepumpe leisten kann, muss frieren, BASTA! Also nur noch einmal für das Protokoll: Es hat nie, niemals ein Verbot für Gas- bzw. Ölheizungen gegeben. Auch keinen "Zwang" diese auszubauen. Bestehende Öl- oder Gasheizungen hätten mit dem GEG weiterbetrieben und repariert werden können. Erst bei einem irreparablen Ausfall (Totaldefekt) hätte die Pflicht zur Umrüstung auf mind. 65% erneuerbare Energien gegriffen (ebenso wie bei Neubauten). In Norwegen kommen heute auf 1.000 Haushalte nicht weniger als 632 Wärmepumpen (der Rest ist Altbestand) - Vergleich Deutschland: 45 von 1.000. Über zwei Drittel der norwegischen Haushalte nutzen diese Technologie, angetrieben durch günstige erneuerbare Energien (Wasserkraft) und hohe Steuern auf fossile Brennstoffe. Der Markt wächst weiter: 97% aller neu verkauften Heizungen sind Wärmepumpen (Vergleich Deutschland: etwa 65%). Und auch Finnland, Schweden oder die Atom-Nation Frankreich ist bei der Wärmepumpe viel weiter als wir. Und das Heizen damit ist unwiderlegbar 30 bis 50% günstiger als mit Öl oder Gas.
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| Typisch BILD: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Bild: Collage |
Das hat dann wohl auch irgendwann die BIld-Zeitung erkannt. Nachdem der Axel Springer Verlag wochen- ja monatelang gegen das GEG und vor allem gegen eine Person (Habeck) geschossen hat, bot man kurzerhand irgendwann die eigene "Volks.Wärmepumpe" an. Also, mal unabhängig davon, dass ich dabei unweigerlich an den "Volksempfänger" denken muss, das Radiogerät, welches seinerzeit die Nationalsozialisten erschwinglich gemacht haben (die vergleichsweise geringen Verkaufspreise der Volksempfänger sollten es jedermann ermöglichen, Rundfunk zu hören) um so für die NS-Propaganda erreichbar zu sein. Also unabhängig davon, dass der Axel Springer Verlag zig Produkte mit dieser Titulierung verkauft... seit 2020 hält die Beteiligungsgesellschaft KKR die Mehrheit am Axel Springer Verlag und auch an 28 verschiedenen Firmen im fossilen Bereich. Da verwundert es nicht, dass man die Ideen (weg von Gas und Öl) der Ampel-Koalition blöd fand. Und die AfD wird auch nicht müde, beständig zu predigen, dass die Wärmepumpe Bevormundung sei und stattdessen auf Gas von Putin setzt. Vermutlich müsste man AfD-Wähler_innen Wärmepumpen einfach so (in der Art) verkaufen:
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| Alternativtext: „Unsere Sonne, unser Stolz; Spart Erdgas, Diesel, Öl und Holz!“ - KI-generiertes Meme |
In dem oben erwähnten Artikel schreibt die eigentlich so seriöse FAZ, eine autofreie Berliner Innenstadt sei ein "linksgrünes Experiment" und außerdem wirtschaftsschädlich. Okay, es ist kein "offizieller Artikel", sondern eine Meinung und die auch noch von einer Frau, welche gegen den Mindestlohn oder eine Frauenquote in Vorstandspositionen ist. Naja. Aber mensch Leute, ich dachte wir wären schon weiter? Okay, nochmal für Doofe: Ist das so? Hmm... schauen wir nach Paris - worüber ich bereits 2024 geschrieben habe. Seit November 2024 ist das Zentrum für Durchgangsverkehr gesperrt und der Rathausvorplatz wurde für 9,6 Mio. Euro entsiegelt und in einen Stadtwald verwandelt. Zwei von vielen Maßnahmen, welche u.a. die Stickstoffdioxid-Belastung um 40% gesenkt und die Lebensqualität in Frankreichs Hauptstadt massiv erhöht haben. Und Paris ist nicht alleine.. in Madrid kommt nur ins Zentrum, wer dort wohnt und/oder eine (passende) Umweltplakette hat. Rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Was in Deutschland als Traumtänzerei abgetan wird, ist anderswo längst Realität! Mit sauberer Luft, weniger Lärm und einer funktionierenden Wirtschaft.
Denn mal ganz im Ernst: Ständig heißt es, wenn die Kund_innen nicht vor dem Geschäft parken können, bleiben sie aus. Ja ja, das ist dieselbe Mär, die erzählt wird, wenn Reiche stärker besteuert werden (dann würden sie wegziehen). "Zoran Mamdani will die Reichen bestrafen" hieß es allerorten, als der Bürgermeister von New York Pläne verkündete, beispielsweise eine Luxussteuer für Zweitwohnsitze, oder einfach nur auf Berater zu verzichten und dafür Kinderbetreuung auszubauen. Fakt 1: Niemand (!) wird bestraft, wenn er zu dem beiträgt, was seinen eigenen Wohlstand überhaupt erst ermöglicht hat. Punkt. Fakt 2: Seit beinahe 20 Jahren werden Konservative nicht müde zu behaupten, dass die Millionäre New York verlassen würden, wenn sie höhere Steuern zu zahlen hätten. Fun fact: Die Anzahl der Millionäre hat sich seit 2010 auf über 34.000 verdoppelt!
Kommen wir wieder zurück zu den Innenstädten: Denkt das doch mal anderes herum bzw. weiter... wenn die Aufenthaltsqualität von Innenstädten gesteigert wird, wenn man sich dort gerne aufhält, weil es eben nicht laut ist und die Luftqualität nicht miserabel, weil man dort doch gerne verbleibt, sind dann nicht auch die Chancen höher, dass Kund_innen in Geschäfte einkehren, stöbern und für Umsatz sorgen, in einem Lokal gerne Platz nehmen und etwas verzehren?
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| Wo lässt es sich besser leben... hmmm? - Quelle: Instagram |
Und dabei fällt eines auf: Diejenigen, die am lautesten "linksgrüne Traumtänzerei" rufen, haben selbst keine neuen Ideen. Sie wollen stets den status quo verwalten. Sie halten an einem System fest, dass ihnen (persönlich!) Wohlstand sichert. Andere hingegen lässt dieses System immer mehr zurück. Wer also das nächste Mal jemanden von "linksgrüner Traumtänzerei" reden hört, hört genau hin - denn dann kann man wunderbar beobachten, wer vom Stillstand profitieren wird. Und genau dann lohnt es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit diese Idee einfach mal auszuprobieren!
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| Grafik: KI-generiert |








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