...oder? Der Schein mag trügen, doch Zahlen lügen bekanntlich nicht. Jüngst hat die Ukraine drei russische Rechenzentren angegriffen. Darunter eines der, wenn nicht gar DAS wichtigste Rechenzentrum des Anbieters Yandex lahmgelegt. Zur Einordnung: Das ist so etwas wie das russische Google - konkret: Das Unternehmen ist in Russland ein wichtiger Anbieter zum Beispiel für eben Suchmaschinen, sowie KI-Dienste und Clouddienstleistungen aber auch Navigation, Streaming oder Essensbestellungen. Yandex erreicht mit über 100 Diensten rund 110 Millionen aktive Nutzer pro Monat – das sind 97 Prozent aller Internetnutzer_innen in Russland. Aber um die Tragweite noch besser zu verstehen, holen wir etwas weiter aus...
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| Grafik KI-generiert |
Schlag ins digitale Herz Russlands
Am Sonntagabend wendet sich, wie NTV berichtet, ein Yandex-Manager an die Öffentlichkeit auf X in einer Weise, die man von russischen Großkonzernen sonst nicht kennt. "Hallo an alle, Ich bin Dima Pirogow", beginnt der Thread auf dem Konto von Yandex. Pirogow leitet nach eigenen Angaben das Fintech-Geschäft. Am Morgen sei "noch ein Rechenzentrum" beschädigt worden, "das Haus unserer Dienste". Viele Kunden könnten seitdem weder ihren Kontostand sehen noch bezahlen oder Geld überweisen. Das Geld sei sicher, versichert er, keine Buchung verloren. Wann es wieder zugänglich sein wird, könne er nicht sagen. Dann entschuldigt er sich.

Guter Tipp - Quelle: Reddit
Die ukrainischen Angriffe beginnen in der Nacht zum 8. Oktober in Sassowo, einer Kleinstadt im Gebiet Rjasan, rund 300 Kilometer östlich von Moskau. Dort betreibt Yandex seit 2014 ein Rechenzentrum für Zehntausende Server, untergebracht in ehemaligen Hallen des Werkzeugmaschinenwerks Sasta. Das Werk beliefert die Rüstungsindustrie und steht unter Sanktionen. Ob die Drohnen dem Werk, dem Rechenzentrum oder beiden galten, ist bis dato unklar. Es brennt, der Betrieb wird vollständig eingestellt. Am Abend teilt Yandex mit, man könne noch nicht sagen, ob sich die Technik überhaupt wiederherstellen lasse. In Sassowo stehen, mit rund 2.700 Nvidia-A100-Grafikeinheiten, auch zwei der drei Supercomputer, mit denen Yandex sein Sprachmodell YandexGPT trainiert, "Ljapunow" und "Tscherwonenkis", der leistungsstärkste des Konzerns. Über ihren Zustand schweigt das Unternehmen.
In der Nacht zum 9. Oktober folgt Kaluga, das größte Rechenzentrum des Konzerns im Industriepark Grabzewo. Die Anlage umfasste nach Angaben des US-Thinktanks Institute for the Study of War (ISW) über 3.800 Serverracks auf 130.000 Quadratmetern. Mehrere Module seien "vollständig außer Betrieb", erklärte Yandex. In der Nacht zum 11. Oktober trifft es (wie passend) Wladimir. Auch dort meldet Yandex Cloud den vollständigen Stillstand, die Plattform arbeite im Notbetrieb. In Wladimir steht auch der dritte Supercomputer, "Galuschkin". Ob er betroffen ist, ist nicht bekannt.
Auch Reuters berichtete, dass es am 08. und 09.10.2026 zwei weitere Ausfälle nach ukrainischen Angriffen gegeben hat. Das ukrainische Verteidigungsministerium hatte sich zu den Angriffen auf seinen Kanälen zunächst nicht geäußert. Yandex erklärte auf Telegram, die Infrastruktur in Wladimir sei beschädigt, der Betrieb "vollständig eingestellt", die übrigen Ressourcen seien instabil und die Plattform nicht erreichbar. Am Sonntag seien einige Dienste weiterhin komplett offline gewesen.
Drei von fünf großen Standorten in vier Tagen: Yandex hat seine Rechenzentren inzwischen auf dem eigenen Kartendienst unkenntlich gemacht, wie das Exilmedium "Werstka" bemerkte. Nochmal zur Größenordnung: Yandex bringt Menschen mit dem Taxi zur Arbeit, liefert Lebensmittel, streamt Filme und Musik, steuert über die Sprachassistentin Alissa das smarte Zuhause und verwaltet über Yandex Pay das Geld seiner Kunden. Dazu kommt Yandex Cloud, auf der Tausende fremde Firmen ihre Dienste betreiben. Westliche Anbieter haben sich wegen der Sanktionen weitgehend aus dem Land zurückgezogen, viel Auswahl haben russische Kunden also nicht. Es ist ein wenig wie mit "WeChat" (entwickelt von Tencent, gestartet 2011): Mit über 1 Milliarde aktiver Nutzer das bekannteste Beispiel einer "Super-App". Es begann als Chat-App (ähnlich WhatsApp) und entwickelte sich zum digitalen Rückgrat des Alltags der Menschen in China.
Nach Sassowo traf es zunächst vor allem Firmenkunden. Cloud-Speicher, Datenbanken, Yandex Disk und Yandex Dokumente fielen aus, das Immobilienportal Cian war stundenlang nicht erreichbar. Am Nachmittag des 8. Oktober brachen dann landesweit Dienste ein: Banken wie T-Bank und Alfa-Bank, die Bahn, Handelsketten, Medienseiten. Downdetector zählte an einem Tag rund 130.000 Beschwerden. Wie viel davon auf Sassowo zurückging, ist allerdings unklar. Zur selben Zeit hatte der DDoS-Schutzanbieter Qrator nach eigener Darstellung einen Konfigurationsfehler, auch beim Cloud-Anbieter Selectel gab es Probleme. Bis zum Abend lief das meiste jedoch wieder.
Der 11. Oktober war anders. Am Sonntagmorgen ließen sich Yandex Go, Yandex Eda, Kinopoisk (das russische Netflix), die Videokonferenz Telemost und das smarte Zuhause nicht mehr bedienen, dazu Apps von Fremdfirmen wie Dodo Pizza und Lamoda. Ebenfalls betroffen, das Buchportal Litmarket, die Websites der Russischen Eisenbahnen, des Fußballclubs Spartak Moskau und des Flughafens St. Petersburg. Vor allem aber Yandex Pay. Die App zeigte nur noch einen Hinweis: Man mache eine "kleine Pause". Nutzer berichteten, dass Überweisungen über das Schnellzahlsystem SBP in der Schwebe hingen und sie ihre Kredite nicht bedienen konnten. Am Sonntagabend war der Dienst nach Angaben des Portals kod.ru seit mehr als 18 Stunden nicht verfügbar.
Botfarmen betroffen?
Kaum brannte es in Sassowo, kursierte eine zweite Erzählung (und damit kommen wir zum Kern des heutigen Posts): Die Ukraine habe nicht einfach ein Rechenzentrum getroffen, sondern russische Botfarmen, die Infrastruktur der Desinformation also. Die Geschichte ist verführerisch, sie macht aus einem Angriff auf zivile Dienste einen Schlag gegen die Propagandamaschine. Wichtig: Belegt ist sie nicht. Weder Kyjiw noch die OSINT-Kanäle, die den Angriff zuerst meldeten, sprechen von Botfarmen. Andrij Kowalenko, der frühere Leiter des ukrainischen Zentrums zur Bekämpfung von Desinformation, reklamierte den Schlag für die Ukraine, als Botschaft: das Spiel könnten auch zwei spielen. Präsident Selenskyj begründete ihn mit Vergeltung für die russischen Angriffe auf ukrainische Rechenzentren. Hintergrund: Seit Ende September hat Russland in der Ukraine Rechenzentren von mindestens acht Firmen beschädigt oder zerstört, darunter Parkowyj und Datagroup in Kyjiw. Moskau begründete das damit, dort würden Aufklärungsdaten für die ukrainische Armee verarbeitet. Selenskyj sagt, man antworte immer mit Gleichem. Als mögliches militärisches Ziel nannten Beobachter das Sasta-Werk, nicht irgendwelche Server.
Auszuschließen ist es nicht, dass Propagandanetzwerke auch Rechenleistung bei Yandex Cloud mieten. Botfarmen funktionieren zwar gewöhnlich anders (gemietete virtuelle Server bei vielen Anbietern, Proxys, Regale voller Telefone) und gezielt treffen lässt sich so etwas mit einer Drohne kaum, doch wer in Russland Server braucht, hat kaum eine andere Wahl. Solange niemand konkrete Belege vorlegt, ist die Botfarm-Version vor allem eines: eine Geschichte.
Aber die Organisation NetBlocks, die Internetausfälle beobachtet, führte den Rückgang auf den erwähnten Drohnenangriff auf das Rechenzentrum in Wladimir zurück. Demnach funktionierten bei Yandex-Servern nur noch etwa 80 Prozent der Verbindungen, bei Yandex-Cloud-Servern sogar nur rund 30 Prozent.
Die belastbarste Datengrundlage stammt vom Infrastrukturanbieter Cloudflare. Euronews zufolge fiel der automatisierte Verkehr aus dem Yandex-Netz am Sonntag um etwa 94 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der zweiten Septemberhälfte. The Independent verweist auf dieselben Daten: Der Verkehr sank am Sonntagmorgen nach dem Angriff auf nahezu null und hatte sich voerst nicht erholt. Insgesamt zeigt sich in Russland nur ein geringer Rückgang des Bot-Verkehrs.
Beide Medien weisen auf die Grenzen dieser Zahlen hin. Cloudflare erfasst nicht-menschlichen, automatisierten Verkehr insgesamt. Dazu zählen sogenannte Crawler, also Programme, die das Internet systematisch durchsuchen, etwa um Suchmaschinen zu aktualisieren oder Daten zum Training von KI-Systemen zu sammeln. Yandex betreibt solche Crawler, genauso wie Google und andere Konkurrenten. Der Einbruch der Zahlen spiegelt also zunächst den Ausfall dieser legitimen, "guten" Dienste wider. Euronews hält fest, die Daten belegten nicht, ob konkret kremlnahe Social-Media-Bots betroffen seien.
UND DENNOCH: Seitdem ist es im Internet verdächtig still... sie sind großteils verschwunden... diese ganzen Pro-AfD-Heinz-Günthers, mit den typischen Profilbildern aus dem Gym oder irgendeiner aufgemotzen Penis-Verlängerung (Auto/Motorrad).
Seit den Angriffen auf Yandex-Rechenzentren sei es auf vielen Social-Media-Plattformen "plötzlich ein wenig leichter geworden zu atmen" berichten viele Nutzer_innen. Viele Menschen hätten das bemerkt: "weniger Hass, weniger Spaltung und weniger Provokationen", weil es (so die Schlussfolgerung) weniger Bots gibt und es sei klar, woher diese kämen. Wenn sie mit dem Ausfall von Yandex verschwunden seien, zeige das erneut, dass Europa nicht die Quelle der Probleme sei. Der US-Politikforscher Ian Bremmer kommentierte auf LinkedIn: „Social Media ohne russische Bots ist so viel besser.“ Der tschechische EU-Abgeordnete Tomáš Zdechovský ergänzte, Online-Aktivitäten rund um Parteien wie die AfD seien drastisch eingebrochen. Die Forscherin Aleksandra Wojtowicz stellte fest, dass die Reichweite der Beiträge sank – nicht aber deren Anzahl. Das deutet darauf hin, dass in den betroffenen Rechenzentren Programme zur künstlichen Reichweitenverstärkung gelaufen sein könnten.
Man muss, wenn man eins und eins zusammenzählt, einfach ganz glasklar konstatieren... Russland will keinen Frieden. Russland führt einen hybriden Krieg gegen unsere Freiheit, unsere Demokratie, unsere Selbstbestimmung. Russland unter Wladimir Putin ist NICHT unser Freund! Russland will am liebsten alles zerstören, was hier nach dem zweiten Weltkrieg aufgebaut wurde.
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| Karikatur KI-generiert |
Wladi verzage nicht - Donald hilft
Und jetzt muss ich noch ein wenig abschweifen - genau in all das platzt wieder das Trumpeltier aus dem Weißen Haus und kauft von Putin 4,8 Mio. Tonnen Diesel! Es ist fucking-unfassbar. Orangezilla hat einen Deal mit Russland gemacht: 300.000 Tonnen Diesel sollen in einer "Sofortmaßnahme" in die USA und den Weltmarkt fließen, um die Spritpreise zu senken. Experten sehen dahinter eher ebenso eine "Bestechung durch die Hintertür" anlässlich der bevorstehenden Midterms (Elon Musk hat diesbezüglich mehr als 276 Mio. Dollar an die Republikaner gespendet), wie mit den 5.000 Dollar für jede/n US-Bürger_in, wenn sie den Weltpolitik-Clown im Maßanzug wählen. Nochmal: Der Faktenallergiker mit dem Atomkoffer verspricht fallende Dieselpreise dank Putin. Haken an der Sache: Die 300.000 Tonnen der ersten Tranche würden allein den US-Bedarf für gerade einmal rund 14 Stunden decken. Damit es jede/r versteht: Alle Tommy-Joe's und Bobbie-Sue's des Landes verballern mit ihren 8,2l-Hubraum-Pick-Up's in knapp einem halben Tag 300.000 Liter Diesel! Welchen Effekt soll das in Bezug auf sinkende Preise bzw. gar auf den Weltmarkt haben, Donald?! Schon mal was vom "Tropfen auf den heißen Stein" gehört?
Russische Ölfirmen dürften durch diesen Deal, bzw. die ausgesetzten Sanktionen rund 4,5 Mrd. Dollar einnehmen (der internationale Dieselpreis liegt aktuell bei rund 1.420 US-Dollar pro Tonne - kann jede/r selbst nachrechnen). Dieses Geld dürfte direkt und ohne Umwege in die russische Kriegskasse fließen: Bereits jetzt ist bekannt, dass Moskau plant, seine Verteidigungsausgaben 2027 um 27 Prozent auf mehr als 202 Mrd. Dollar zu erhöhen.
Doch damit nicht genug. Unser Friedensnobelpreis-Anwärter im Eigenlob-Dauerbetrieb hofiert damit nicht nur den russischen Diktator, will jetzt auch noch den Pazifik in "Trump-Ocean" umbenennen, sondern bepöbelt auf Wahlkampftour in Tennessee seine eigenen Anhänger_innen wortwörtlich „Ich kann die dümmsten Sachen sagen und ihr klatscht“. Ich bin fassungslos - ich muss ihm recht geben. Das erinnert an die Rede, er "könne in New York auf der 5th Avenue wahllos jemanden erschießen, es würde ihn keine Wählerstimme kosten".
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| Ob sich die Dame im schwarzen Blazer rechts irgendwann einmal abgrundtief schämen wird, weil sie über ihre eigene von Trump unterstellter Doofheit lacht? Screenshot (Collage): Focus online |
Zurück zum Thema: Russland ist entgegen vieler (BSW- und) AfD-Stimmen, die das Gegenteil behaupten, NICHT und NIEMALS unser Freund. Der Kuschelkurs, den man grob ab der Jahrtausendwende für lange Zeit gefahren ist (Putins Rede im Bundestag, Nordstream, usw.), muss man definitiv als Fehler bewerten.
Und wenn ein Ex-Bundeskanzler dem Despoten zum 74. Geburtstag einen Besuch abstattet, muss ich mich gewissermaßen fremdschämen. Warum verlangt seine Partei von ihm nicht, seinen Draht zum Herrscher in Moskau nicht allein für Geschäftliches zu nutzen, sondern ihn in den Dienst der Humanität zu stellen? Warum zwingt man ihn nicht, sein persönliches Verhältnis dafür einzusetzen, um Putin zu mäßigen? Was spricht dagegen, diese unheilige Verbindung zumindest als Gesprächskanal zu öffnen?
Nochmals zurück zum Thema... ich wage sogar noch eine weitere steile These: Ohne diese massiven russischen Desinformations- und Propagandakampagnen wäre die AfD heute mit ziemlicher Sicherheit eine kleine 5%-Partei. Denn in keinem Szenario dieser Welt hätte es eine vor Inkompetenz strotzende und mit Straftätern gefüllte Partei geschafft, so weit nach oben zu kommen. Nicht einmal Friedrich Merz oder die abgrundtief schreckliche Politik der CDU hätten darauf derartigen Einfluss nehmen können. Gott, ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal schützend vor die CDU bzw. F. Merz stellen würde *schauder*.
DAS IST EIN WECKRUF! Was so viele, seit so langer Zeit, immer und immer wieder erzählt haben, scheint sich nun bestätigt zu haben. Vielleicht erkennt nun auch der eine oder die andere AfD-Wähler_in, dass er/sie einer Hetzkampagne gegen unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung auferlegen ist.



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