Also, ich mag den Sommer ja... das habe ich ja schon in einem früheren Post kundgetan. AAAABER wie so oft im Leben, hat ja alles zwei Seiten. Und die Kehrseite der Sommer-Medaille, neben den ganzen tollen Eigenschaften, ist nunmal: Es ist manchmal wirklich warm, nein sogar richtig heiß. Und ich meine damit nicht unbedingt Sahara-mäßig. Nein, mittlerweile genügen Temperaturen über 27, 28 Grad Celsius, welche gefühlt noch viel heißer wirken können. Steigt das Thermometer auf über 30°C hat es den Anschein, als ob meine inneren Organe ein kurzfristiges Meeting einberufen. Ich stelle mir das ungefähr so vor, wie im Otto-Klassiker "Der menschliche Körper":
Es ist 02:45 Uhr, ich würde furchtbar gerne schlafen, doch meine Ohren haben vor ein paar Stunden mitbekommen, dass es die nächsten Tage "richtig warm" werden soll. Deshalb gab es offenbar ein kurzes Memo an alle und nun sitzt man zusammen... Das Gehirn eröffnet die Sitzung mit allen anderen, um zu besprechen, was wir die nächsten Tage machen bzw. besser lassen sollten:
Gehirn: "Herzlich willkommen zu unserem Performance Dialog. Schön, dass ihr es so kurzfristig einrichten konntet. Tagesordnungspunkt 1: Überleben."
Der Kreislauf meldet sich direkt: "Ich möchte kurz vorab anmerken, dass ich ab 28 Grad nur noch Teilzeit arbeite!"
Gehirn: "Danke für diesen spontanen Einwurf..."
Die Beine nicken zustimmend und sagen: "Wir tragen hier heute auch niemanden mehr irgendwo hin!" - "Genau! HITZE-STREIK! HITZE-STREIK!"
Das Herz fragt vermittelnd: "Müssen wir eigentlich wirklich unbedingt aufstehen oder reicht nicht einfach pure Anwesenheit?"
Gehirn: "Oooh Leute, ich verstehe euch ja alle, aber... Moment mal... Muskeln, habt ihr euch per Videokonferenz dazugeschaltet?"
Muskeln: "Ja, um Energie zu sparen!"
Magen: "Kurze Zwischenfrage: Gilt Eis eigentlich offiziell als 'ausgewogene Ernährung'? Also, NUR Eis?"
Gehirn: "Witzig! So, etwas mehr Disziplin bitte. Gibt es jetzt konkrete Vorschläge, wie wir mit der Hitze umgehen sollen?"
Lunge: "Ich würde vorschlagen, ab sofort einfach nur ganz langsam zu atmen!"
Das Nervensystem sitzt in der Ecke, starrt ins Leere und flüstert: "Ich hab euch doch gesagt, wir hätten im Winter Energie sparen sollen - aber nein, Weihnachtsfeier hier, Adventsmarkt dort..."
Der Körper fasst zusammen: "Für die nächsten Tage streichen wir am besten komplett: Bewegung, Denken, Treppen, Menschen, Hosen und sämtliche Erwartungen an die Leistungsfähigkeit."
Alle anderen Organe heben zustimmend die Hände.
Gehirn, mahnend: "Okay, aber ihr wisst, dass wir den Laden schon irgendwie noch am Laufen halten müssen..?"
Die Ohren melden sich zu Wort: "Äh übrigens, nächste Woche sollen es 37 Grad werden!"
...und irgendwo in meinem Körper fängt jemand leise an zu weinen...
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| Bild: KI-generiert |
Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Ich mag den Sommer wirklich... bis zu einer gewissen Temperatur. Meine Frau fängt, nach eigener Aussage, unter 25°C an zu frieren - im Ernst, da geht die nicht ohne Jacke aus dem Haus. Erst bei Temperaturen jenseits der 25°C blüht die richtig auf - 30°C optimal, Wohlfühltemperatur - während ich langsam verwelke (meine Wohlfühltemperatur sind übrigens 22°C). Im Ernst: Während ich im Urlaub von einem Schatten zum anderen hüpfe, flaniert sie seelenruhig bei 34°C im Schatten über die flimmernde Straße. Das Temperatur-Empfinden ist ja bei vielen Leuten sehr unterschiedlich. Morgens wenn es teils noch Temperaturen unter 20°C hat, gehe ich im T-Shirt mit den Hunden Gassi, andere Leute fahren mit Jacke und Mütze zur Arbeit (es fehlen eigentlich nur noch Handschuhe). Während ich in meinem Auto sitze und langsam mit Sitz und Lenkrad verschmelze, weil sich die Außen- der Körpertemperatur angepasst hat (37°C), sehe ich vor mir an der Ampel Leute in einer Lederjacke oder einem Mantel entlanglaufen und frage mich, ob wir beide auf demselben Planeten leben oder ob das irgendsoein Matrix-Glitch ist.
Ich meine: Im Sommer ist nicht nur die Zeit der Jacken und Mäntel, sondern auch die der Eintöpfe und Aufläufe endgültig vorbei. Es schlägt die Zeit der Salate, leichte Pasta-Variationen und natürlich die Gazpacho - eine kalt servierte Suppe, bekannt aus Spanien und Portugal, welche ich - wie ich gerade feststelle) noch nie (wissentlich) gegessen habe. Als Snacks sind Kuchen "out" und kalte Wassermelone "in". Generell wird dazu geraten, am Tag mehrere kleinere Mahlzeiten als drei große zu sich zu nehmen. Kleidungstechnisch empfiehlt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit bei diesen Temperaturen (natürlich) leichte, luftige und atmungsaktive Kleidung, am besten aus Viskose, dünner Baumwolle (saugfähig und liegt angenehm auf der Haut, ohne zu kleben), Leinen oder auch Seide. Mal am Rande gefragt: Warum gibt es für Frauen schicke Sommerkleider en masse, aber für Männer hört es bei kurzen Hosen mit T-Shirts auf (und fast immer sieht es irgendwie dämlich aus)? Oder du bist halt bei Tunika oder Kaftan, was auch nicht besser aussieht, als auf dem Festival aus einem Müllsack einen Regenponcho "zu basteln", und musst dich permanent fragen lassen, ob du einem Set für einen antiken Film entsprungen bist.
Farblich sind generell helle Töne ratsam, da sie das Sonnenlicht reflektieren. Beduinen nutzen weite, den ganzen Körper bedeckende Gewänder zur Temperaturregulierung. Die Kleidung fungiert als natürliche Klimaanlage, da die Luftschicht zwischen Stoff und Haut zirkuliert und den kühlenden Wind optimal nutzt (Kamineffekt). Zudem schützt sie effektiv vor UV-Strahlung und starkem Sonnenbrand. Gleiches gilt für das traditionelle weiße (reflektiert intensive Sonnenstrahlung und verhindert Aufheizen) Gewand von Scheichen (oft Thawb, Dishdasha oder Kandura genannt) und die sind Hitze gewohnt. Auch wird hier bei Hitze heißer Tee getrunken, da die warme Flüssigkeit den Körper dazu anregt, leicht zu schwitzen. Dieser natürliche Kühleffekt (Verdunstungskälte) entzieht dem Körper Wärme. Zudem muss der Organismus die warme Flüssigkeit nicht erst aufwendig auf Körpertemperatur herunterkühlen, was den Kreislauf schont. Da bleibe ich doch lieber bei einer Cola mit Eiswürfeln.
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| Bild: KI-generiert |
Zurück zum Ernst des Themas: Die Nachrichten sind voll mit diesem "Der wärmste Monat seit...". Es ist mir unbegreiflich, wie manche Menschen immer noch den Klimawandel leugnen können - "Früher war es auch warm!", JA GÜNTHER! Mal, aber nicht immerzu. Und nicht JEDES Jahr. Und wir müssen uns auch vor Augen führen: Wir können Hitze nicht bekämpfen - der Zug ist mittlerweile abgefahren. Wir müssen unser Leben drumherum organisieren! Bei 35°C und drüber geht es nicht mehr nur um "ein bisschen Sommer". Hitze belastet den Kreislauf, erhöht die Sterblichkeit, insbesondere bei älteren Menschen und chronisch Kranken. Das ist Fakt! Wir sind am vergangenen Freitag (da hatte es knapp über 30°C) nicht mal eine halbe Stunde durch Hannover gefahren und haben mindestens ein halbes Dutzend Krankenwagen im Einsatz (mit Blaulicht) gesehen. Teilweise wusste man gar nicht mehr wohin man als erstes die Rettungsgasse bilden sollte oder ob man dadurch einem anderen Rettungsfahrzeug genau in den Weg fährt.
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| Es gäbe da eine Theorie... - Quelle: Netzfund |
Hitze verschlechtert die Schlafqualität und kann Konzentration, Leistungsfähigkeit und Stimmung beeinträchtigen. Ja, es gibt Hinweise auf Zusammenhänge mit erhöhter Aggresivität und Gewalt sowie auf Risiken von Frühgeburten in der Schwangerschaft. Es sollte daher jedem/jeder klar sein: Bei 35°C gehen wir bitte einfach nicht joggen, einkaufen, mit den Kindern auf den Spielplatz oder machen einen entspannten Stadtbummel. Mehr noch: Ab 30°C sollte es konsequent hitzefrei geben! Für alle. Nicht nur für Schüler_innen. Das mag ein F. Merz nicht gerne hören. Nach den Arbeitsstättenregeln in Deutschland sollen Temperaturen in Arbeitsräumen 26 Grad nicht überschreiten, ab 30 Grad sind Arbeitgeber verpflichtet, Gegenmaßnahmen zu ergreifen (das kann einfach nur der Kasten Wasser in der Teeküche sein). Menschen akzeptieren jedoch bei Schnee und Eis ganz selbstverständlich, dass sich der Alltag verändert: Schulen bleiben geschlossen, Termine werden verschoben, Menschen bleiben zu Hause. Haben wir diesen Winter alles erlebt. Das ist kein halbes Jahr her! Hier wirst du in manchen Branchen/Berufen schief angeguckt, wenn du als Mann bei 33°C ein Polo-Shirt oder gar eine kurze Hose trägst.
Bei extremer Hitze reagieren wir oft noch so, als müsste alles ganz normal weitergehen, nur dürfen wir uns dabei halt fragen, warum ich schwitze bis in jede Ritze. Dabei ist Hitze inzwischen eine der größten wetterbedingten Gesundheitsgefahren in Europa. Auf dieser Webseite kann man sich anschauen, welches Klima man in (spätestens) 60 Jahren vor der eigenen Haustür haben wird, wenn alle Prognosen eintreffen, wie vorhergesagt. Ein Vergleich: Hannover wird ein Klima prognostiziert, wie aktuell in den Abruzzen (Italien). Im nomalerweise regnerisch gemalten London wird es in einem halben Jahrhundert Zustände wie heute im südfranzösischen Bordeaux geben, wenn die Wissenschaftler_innen recht behalten. Am 24.06.2026 kratzte das westfranzösische La Rochelle bereits um 5 Uhr morgens fast an der 30-Grad-Marke. Der bisherige britische Juni-Rekord liegt bei 35,6 Grad; gemessen wurde er 1957 am Camden Square in London und 1976 in Southampton. Er könnte dieses Jahr fallen. Der Klimawandel hat den Temperaturen in Teilen Westeuropas bis zu 4 Grad Celsius hinzugefügt. Man nähere sich den Grenzen dessen, woran sich Gesellschaften und Ökosysteme anpassen könnten.
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| In einem halben Jahrhundert schon Realität? Lavendelfelder vor den Toren Londons - Bild: Collage |
Und wenn wir uns mal die Länder anschauen, welche mit Hitze bereits lange Erfahrungen haben, sehen wir, wie man auch hierzulande damit umgehen sollte. Und nein: In Spanien, Portugal, Griechenland oder Italien haben sie mitnichten alle Klimaanlagen. Und wenn dann nutzen sie diese nur sehr sparsam, denn die Anschaffung, der Einbau, wie auch der Strom zum Betrieb sind teuer (erst recht über Monate hinweg). Das sind ja schließlich nicht die USA, Katar oder Kuwait, wo sie selbst ganze Fußballstadien per Klimaanlage runterkühlen. Übrigens: Wer Klimaanlagen hat, sollte diese nicht zu kalt einstellen - auch im Auto nicht: Es wird empfohlen, dass die Innentemperatur idealerweise nicht mehr als sechs Grad unter der Außentemperatur liegt, um etwa Kreislaufprobleme beim Wechsel zwischen klimatisierten und nichtklimatisierten Zonen zu vermeiden.
Die besten Strategien gegen Hitze: Sonne aussperren, tagsüber im Kühlen bleiben, nachts lüften und den Tagesablauf an die Temperaturen anpassen.
Alle Räume, soweit es geht, tagsüber verdunkeln. Im Süden Europas sind die Rolläden tagsüber unten, denn die Hitze soll draußen bleiben. Wenn die Sonne auf (Fenster-)Glas knallt, heizt sie dieses extrem auf. Wichtig: Rolläden nie ganz herunterfahren, sondern so, dass sie unten offen sind und man noch durch die Schlitze gucken kann. Grund: Die Luft dahinter muss zirkulieren können - da bildet sich eine gewisse Isolierschicht. Ansonsten hat man lediglich ein heißes Luftpolster/eine Hitzewand zwischen Rolladen und Fenster - das ist dann eher wie ein Wärmeplaster auf dem Rücken. Wer keine Rolläden hat, sollte Sonnenschirme oder Markisen nutzen. Irgendwas, was die direkte Sonneneinstrahlung abhält. Zur Not (wenn keine Verschattung von außen möglich) auch (schwere) Vorhänge innen.
Erfahrung aus der Praxis: Unsere Tochter hat in unserer Abwesenheit bei rund 27°C Außentemperatur am Nachmittag den Rolladen des Wohnzimmers nicht runtergemacht und dazu auch noch die Tür des Wohnzimmers geschlossen. Das Wohnzimmer hat eine Ausrichtung nach Westen, also volle Nachmittagssonne und rund 13m² Glasfläche. Als wir nach Hause kamen, hatte es im Wohnzimmer 29,6°C! Wärmer als draußen! Remember Gewächshaus-Effekt? Wir lassen in den kalten Monaten viele Gartenpflanzen in einem Kuststoffzelt überwintern - selbst bei Minustemperaturen ist es darin teils noch vergleichsweise warm. Diesen Effekt hatten wir nun im Wohnzimmer.
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| Der Rollladen blockiert 90% der Sonnenenergie - Grafik: Rolladen Frey |
Und ja: Die Menschen in Südeuropa sitzen bei bestem Sonnenschein mit künstlichem Licht in ihren Häusern. Weil sie wissen: Sonne ist Energie und sorgt für Hitze. Und ein einmal aufgeheiztes Haus bekommt man schwer wieder kühl - unser besagtes Wohnzimmer hatte sich selbst über Nacht mit geöffneten Fenstern nur auf 25°C "abgekühlt". Denn das ist der zweite Kniff: Nachts lüften. Sobald die Außentemperatur unter die Innentemperatur fällt, werden möglichst viele Fenster (und Türen) geöffnet und sorgen für (auch wichtig) Durchzug. Nur so kann die tagsüber gespeicherte Wärme aus Wänden, Möbeln und Böden abgeführt werden.
Life-Hack: Ein feuchtes Laken auf einem Wäscheständer oder sonstwie vor dem Fenster platziert (z.B. über der Gardinenstange) oder gar im Luftstrom eines Ventilators, kann die Luft durch Verdunstung abkühlen. Der Körper macht durch Schwitzen nicht viel anderes - und jede/r kennt das erfrischende Gefühl, wenn man nass aus der Dusche oder im Freibad aus dem Becken kommt. Der Verdunstungseffekt funktioniert besonders gut bei trockener Luft. Wichtig dabei ist, dass die feuchte Luft abziehen kann, damit der Raum nicht unnötig schwül wird.

Spitzen-Tipp der Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) - Bild: Collage
Während wir in Deutschland oft versuchen, den normalen Tagesablauf trotz Hitze beizubehalten, passen sich die Menschen in Südeuropa den Temperaturen an. In Deutschland ist man morgens drinnen, mittags in der Sonne und abends wieder drinnen... warum? In heißen Ländern ist es genau umgekehrt: Morgens aktiv, mittags Rückzug und abends oder sogar nachts spielt sich das Leben ab. Wir denken um 20 Uhr langsam ans Zubettgehen. In Spanien füllen sich dann erst die Spielplätze. In (Süd-)Italien gehen die Familien oft erst um 22 Uhr Abendessen, die Plätze sind voll. Das ist kein Zeichen dafür, dass die Kinder "zu spät" auf sind. Niemand möchte bei 40°C um 15 Uhr auf den Spielplatz und sich die Oberschenkel auf der Rutsche braten lassen. Das soziale Leben findet spätabends statt und Kinder gehören da selbstverständlich dazu. In Italien gab es eine Fernsehsendung (vielleicht immer noch, aber wir haben sie vor rund 15 Jahren gesehen, da war unser Sohn noch klein), das war eine Art "Teletubbies" auf italienisch und die lief (glaube ich) um 22, 23 Uhr als Einschlafhilfe für Klein-/Vorschulkinder. Zum Vergleich: Das Sandmännchen oder das Kika-Baumhaus laufen in der Regel vor 19 Uhr.
Ja, in Italien beginnt die Schule meist irgendwo zwischen 08:00 und 08:30. In Spanien sogar zwischen 08:30 und 09:00 Uhr. Und ja, wenn wir hierzulande sagen würden, "Mittags erst einmal zwei oder drei Stunden 'Siesta'..." (in Spanien meist zwischen 14 und 17 Uhr), das wäre eine massive Umgewöhnung. Nicht nur, weil dann einfach vieles zu hätte bzw. nicht erreichbar wäre. Auch weil manche dann durchaus bis 19, 20 Uhr arbeiten müssten, um auf ihre acht Stunden tägliche Arbeitszeit zu kommen. Viele haben ja ihre gewohnten Abläufe bzw. auch anderweitigen Verpflichtungen. Langfristig muss man sich aber schon die Frage stellen, ob man das so in Zukunft noch weiter beibehalten werden kann. Ein hiesiges Gartencenter hat im Sommer bereits andere Öffnungszeiten als im Winter.
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| Theoretisch wissen wir viel, nur Umsetzung bedarf es noch - Bild: Collage - Quellen: Neue Landschaft, Stadt Dresden, Stadt Hagen |
Hitze ist längst mehr als eine "unangenehme Wetterlage". Sie wird häufiger, belastet Menschen und verändert Städte. Trotzdem behandeln wir sie oft noch so, als wäre sie nur ein Sommerproblem. Natürlich wird nicht jeder Sommer automatisch heißer als der vorherige. Wetter bleibt Wetter und schwankt von Jahr zu Jahr. Entscheidend ist der (Langzeit-)Trend oder halt Klima: Extreme Hitze tritt häufiger auf, beginnt früher im Jahr und hält oft länger an. Hitzewellen, die früher als Ausnahme galten, werden wahrscheinlicher. Deutschland wirkt von jedem neuen Hitzesommer wieder überrascht... "Huch, Potzblitz! Sommer, du schon wieder!". Als wäre Hitze vor allem lästig, wie eine Biene beim Kuchenessen. Als wäre sie eine Frage der persönlichen Belastbarkeit ("Stell' dich nicht so an!"). Als würden ein Ventilator und der Hinweis, ausreichend zu trinken, als Antwort, als Lösung ausreichen. Deutschland versteht Hitze (noch) nicht. Drei Probleme, kurz skizziert:
1) Viele Zuständigkeiten, wenig Verbindlichkeit
Hitzeschutz liegt irgendwo zwischen Gesundheitswesen, Baupolitik, Kommunen, Katastrophenschutz, Bildung und Arbeitsrecht. Ein klein wenig wie das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ)... und "Gedöns". Beim Hitzeschutz sind viele Stellen beteiligt, aber selten fühlt sich jemand verantwortlich, das Thema konsequent voranzutreiben. Maßnahmen, die langfristig helfen würden, etwa Entsiegelung, Begrünung, Verschattung oder der Umbau von Gebäuden, kosten Geld, brauchen Zeit und führen oft zu Interessenkonflikten ("Das Gebäude kann nicht umgebaut werden - da nistet der Mauersegler!"). Deshalb bleibt es häufig bei Warnungen, Informationskampagnen und Appellen.
Ein Beispiel zum Thema, wie wenig Grün schon sehr viel bewirken kann, weil ich selbst dort war: Auf dem riesigen Vorplatz vor der Kathedrale in Santiago de Compostela werden durch die massiven Steinplatten in Spitzen Temperaturen um die 50°C erreicht. Ángel Panero (Stadtplaner und Architekt) hat 2020 eine interessante Entdeckung gemacht: Er beobachtete die Vegetation, der während der Pandemie unbeabsichtigt freien Lauf gelassen wurde. Denn dort wo sonst hunderttausende Pilger pro Jahr unterwegs sind, brach der Tourismus pandemiebedingt zusammen. Die Folge: Wildwuchs konnte sich seinen Weg zwischen den Fugen bahnen. Statt Pflastersteinen waren auf der Fläche der Praça do Obradoiro plötzlich vereinzelte grüne Flecken zu erkennen. Mittels Wärmebildkameras wurde der Kühleffekt schließlich bestätigt: Die Platten waren bis zu 28 Grad kühler als vor der Pandemie. Grund für den starken Temperaturabfall ist die Fotosynthese des Unkrauts – Wasser verdunstet dabei über die Blatter und kühlt die Umgebung ab.
2) Hitze wird oft als Wettergeschichte behandelt
Wenn eine Hitzewelle kommt, dominiert sie für einige Tage die Schlagzeilen. Danach rückt das Thema wieder in den Hintergrund. Das Problem zeigt sich oft schon in der Bildsprache. Im Winter wird ein Schneesturm nicht mit Kindern bebildert, die einen Schneemann bauen oder auf einem Schlitten den Hügel herunterfahren. Berichte über Hitzewellen hingegen werden nicht selten mit Menschen am Badesee, Kindern im Wasser oder Menschen mit Eis in der Hand bebildert. Solche Motive vermitteln Sommerstimmung und Freizeitgefühl. Keine Krankenwagen, die Senior_innen mit Kreislaufproblemen abtransportieren, keine Kinder mit Sonnenbrand in der Notaufnahme - denn eigentlich geht um Gesundheitsrisiken, Belastungen für Städte oder Gefahren für besonders verletzliche Menschen. UV-Strahlung ist der Hauptrisikofaktor für Hautkrebs: Zu viel Sonne im Sommer schädigt die Erbsubstanz (DNA) der Hautzellen, was zu Mutationen führen kann (besonders gefährlich sind wiederholte Sonnenbrände in der Kindheit). Städte, Behörden und Einrichtungen könnten sich auf all das vorbereiten. Dafür braucht es jedoch Planung, Standards und Investitionen. Vielerorts geschieht das jedoch nur langsam oder gar nicht.
3) Die Belastung ist ungleich verteilt
Hitze trifft Menschen nicht gleichermaßen. Wer in einer begrünten Wohngegend lebt, erlebt Hitzewochen anders als jemand in einer Dachwohnung an einer stark befahrenen Straße. Wer im Homeoffice arbeitet, hat andere Möglichkeiten als Beschäftigte auf Baustellen, im Lieferdienst, in der Pflege oder in Produktionshallen. Auch Alter und Gesundheit spielen eine Rolle: Für ältere Menschen oder chronisch Kranke, aber auch für die Tierwelt kann extreme Hitze schnell zu einem ernsthaften Risiko werden. Pro-Tipp: Wildtiertränken, Wasserschalen mit Steinen für Insekten oder ein Wassernapf für Hunde vor dem Geschäft kosten nicht viel, machen aber oft einen entscheidenden Unterschied. Wenn Hitze als allgemeines „Sommerproblem“ beschrieben wird, geraten diese Aspekte leicht aus dem Blick. Damit verschwindet oft auch ein Teil des politischen Handlungsdrucks.
Und während Hitze alle merken, ist vor allem die nicht direkt spürbare UV-Strahlung tückisch. Für Ende Juni werden die bislang höchsten Indexwerte des Jahres erwartet, wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mitteilt. In Norddeutschland werde ein UV-Index bis 8 erwartet, in Mitteldeutschland bis 9, in Süddeutschland seien stellenweise 10 möglich, im Hochgebirge gar 11 (»extrem«).
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| Absolutes No-Go: Tiere bei Hitze im Auto - Oft unterschätzt: Asphalt-Hitze - Grafiken: Vier Pfoten |
Übrigens: Just zur Sommer-Saison hat unter anderem IKEA sein Herz für Hunde gezeigt: In vielen Filialen ist es nun erlaubt, seinen Vierbeiner mit ins Möbelhaus zu nehmen. Und wir wären ja nicht in Deutschland, wenn die Gegenseite nicht wieder sofort etwas zu plärren hätte: Ein Aufschrei geht durchs Land - Stolpergefahr durch Leinen. Mein Gott. In Italien darf Bello sogar mit in den Supermarkt und hat dafür einen eigenen Wagen! Kriegt euch ein!
Neben dem eigentlichen Problem - dem dringend notwendigen Klimaschutz - braucht es in zunehmendem Maß aber einfach Anpassung an die Realität heißerer Sommer. Das bedeutet mehr als nur ausreichend Wasser trinken und Sonnencreme mit LSF50. Nämlich die Anpassung des Tagesrhythmus und der Alltagsplanung. Plant anders, sagt Termine ab und schützt eure Körper. Der kalendarische Sommeranfang war gerade erst! Am 27. Juni 2026 ist der Siebenschläfertag und in der Region Hannover sind laut wetter.com 33°C angekündigt, laut wetter24.de sogar 37°C. Ebenso wie in Köln, in Berlin werden 38°C, in Stuttgart gar 39°C vorausgesagt - einer Bauernregel zufolge soll das Wetter für die nächsten sieben Wochen so sein, wie am Siebenschläfertag.
Behandelt extreme Hitze so, als wäre sie ein gefährlicher Schneesturm oder ein Eisregen.
Forscher würden vermutlich sagen: Es kann sein, dass dies der kälteste Sommer für den Rest unseres Lebens ist. Das stimmt nicht zuversichtlich.
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| Screenshot wetter24.de |
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