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Der Kapitalismus ist durchgespielt

Spätestens als der erste Mc Donalds in Moskau auf dem Roten Platz eröffnete, war die (westliche) Welt sich sicher, der Kapitalismus hat gewonnen. Kritiker und Ökonomen führen jedoch mehrere Gründe an, warum der Kapitalismus in seiner jetzigen Form an ein Limit gerät: 

  • Planetare Grenzen: Der Kapitalismus basiert auf permanentem Wachstum. In einer Welt mit endlichen Ressourcen führt unendliches Wachstum zwangsläufig zu Klimawandel und Umweltzerstörung.
  • Extreme Ungleichheit: Die Schere zwischen Arm und Reich geht weltweit immer weiter auseinander. Wenn wenige Milliardäre mehr besitzen als die Hälfte der Weltbevölkerung, verliert das System an Legitimität.
  • Technologischer Wandel (Plattform-Kapitalismus): Tech-Monopole (wie Google, Apple oder Meta) bestimmen ganze Märkte. Algorithmen und Künstliche Intelligenz verändern die Arbeitswelt so radikal, dass klassische Marktmechanismen (Arbeit gegen Lohn) in Bälde versagen könnten.

Das neue Verhältnis zwischen Arbeiter und Unternehmer - Karikatur aus dem "Neuen Postillon", Zürich, Schweiz 1896
 

Argumente, warum er noch (lange) nicht vorbei ist, gibt es aber auch. Befürworter und liberale Ökonomen halten dagegen, dass der Kapitalismus extrem anpassungsfähig ist:

  • Innovationskraft: Märkte reagieren auf Krisen. Der Trend zum „Grünen Kapitalismus“ (Öko-Kapitalismus) zeigt, dass Nachhaltigkeit und CO₂-Reduktion selbst zu neuen Geschäftsmodellen werden.
  • Historische Resilienz: Der Kapitalismus wurde schon oft totgesagt (unter anderem von Karl Marx). Er hat sich jedoch durch soziale Marktwirtschaft, staatliche Regulierung und Globalisierung immer wieder neu erfunden.
  • Mangel an Alternativen: Bisherige Gegenmodelle (wie der Sozialismus) führten historisch meist zu wirtschaftlicher Ineffizienz und politischer Unfreiheit.

(Zwischen-)Fazit: Der Kapitalismus ist möglicherweise noch nicht am Ende aber in seiner bisherigen Form definitiv "durchgespielt". Er befindet sich in einer tiefen Transformationsphase. Er stirbt nicht zwangsläufig, muss sich aber fundamental verändern – weg vom reinen Profitstreben, hin zu einer Wirtschaftsform, die soziale Gerechtigkeit und planetare Grenzen respektiert. 

Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ist ein alternatives Wirtschaftsmodell, das den aktuellen Kapitalismus nicht abschaffen, sondern grundlegend reformieren möchte. Anstelle von Gewinnstreben und Konkurrenz stellt sie das Wohl von Mensch und Umwelt in den Mittelpunkt des Wirtschaftens. Der Kern: Ein neuer Maßstab für Erfolg. Denn: Im heutigen System wird Erfolg rein monetär gemessen - bei Staaten am Bruttoinlandsprodukt (BIP), bei Unternehmen am Finanzgewinn. Die GWÖ bricht mit dieser Logik.

  • Sinn-Wandel: Geld und Kapital werden vom Endziel zu einem reinen Mittel herabgestuft.
  • Erfolgsmessung: Der tatsächliche Erfolg wird daran gemessen, welchen Beitrag ein Akteur zum Gemeinwohl leistet.
  • Das Gemeinwohl-Produkt: Staaten messen ihren Erfolg an der Lebensqualität, Zufriedenheit und ökologischen Stabilität.
  • Die Gemeinwohl-Bilanz: Unternehmen bewerten ihren Erfolg anhand ethischer Kriterien.
Letzteres ist das Herzstück. Unternehmen, die sich der GWÖ anschließen, erstellen neben der Finanzbilanz eine Gemeinwohl-Bilanz. Diese prüft das Verhalten des Unternehmens anhand einer Matrix aus vier Kernwerten und fünf Berührungsgruppen:

Quelle: Econgood.org

Für jeden erfüllten Punkt gibt es Gemeinwohl-Punkte. Fehlverhalten (z. B. Umweltverschmutzung oder Lohndumping) führt zu Punktabzug. Der Anreizmechanismus im Markt: Die GWÖ fordert, dass sich ethisches Verhalten auch wirtschaftlich lohnen muss. Bisher sind nachhaltige Produkte oft teurer, weil Unternehmen die ökologischen Schäden (Externalitäten) nicht selbst bezahlen. Die GWÖ will das über gesetzliche Vorteile umkehren:

  • Steuervorteile: Unternehmen mit einer hohen Gemeinwohl-Punktzahl zahlen weniger Steuern (z. B. reduzierte Mehrwertsteuer oder Erwerbsteuer).
  • Günstigere Kredite: Banken vergeben Kredite zu besseren Konditionen an ethische Betriebe.
  • Bevorzugung bei Vergaben: Bei öffentlichen Ausschreibungen der Städte und Staaten erhalten GWÖ-zertifizierte Firmen automatisch den Zuschlag.

Das Ziel: Ethische Produkte werden auf dem Markt günstiger und konkurrenzfähiger als unökologische oder unfaire Produkte. 

Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen - Quelle: Stiftung Gemeinwohlökonomie NRW

Kritik an dem Modell gibt es aber auch: Obwohl weltweit bereits tausende Unternehmen, Gemeinden und Organisationen die GWÖ unterstützen, gibt es auch Kritik von liberalen Ökonomen.

  • Hohe Bürokratie: Die Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz ist für kleine Betriebe extrem aufwendig und bindet viele Ressourcen.
  • Subjektive Bewertung: Die Vergabe von Punkten für „Menschenwürde“ oder „Solidarität“ lässt sich schwer objektiv und standardisiert messen.
  • Wettbewerbsnachteil: Würde ein Land die GWÖ allein einführen, könnten die heimischen Unternehmen im globalen, rein profitgetriebenen Wettbewerb ins Hintertreffen geraten. 

Die Gemeinwohl-Ökonomie wird bereits von realen Unternehmen und Kommunen umgesetzt. Bhutan ist das weltweit bekannteste Pionierland für diesen Ansatz. Das kleine Königreich im Himalaya misst den Fortschritt seines Landes nicht am rein wirtschaftlichen Bruttoinlandsprodukt (BIP), sondern am sogenannten Bruttonationalglück (BNG) (englisch: Gross National Happiness). Bereits in den 1970er Jahren erklärte der damalige König Jigme Singye Wangchuck: „Das Bruttonationalglück ist wichtiger als das Bruttoinlandsprodukt.“. Seit 2008 ist dieses Prinzip sogar fest in der Verfassung des Landes verankert. Wie funktioniert das Bruttonationalglück? Das System ist keineswegs nur ein romantisches Lippenbekenntnis, sondern wird von einer eigenen staatlichen Kommission wissenschaftlich erhoben. Spezielle „Glücksagenten“ reisen durch das Land und befragen die Bevölkerung anhand von über 100 Fragen. Das Modell stützt sich auf vier Hauptsäulen:

  1. Nachhaltige und gerechte sozialwirtschaftliche Entwicklung: Wirtschaftswachstum ist erlaubt, muss aber allen Bürgern zugutekommen (z. B. durch kostenlose Gesundheitsversorgung und Bildung).
  2. Bewahrung und Förderung kultureller Werte: Die traditionelle bhutanische Kultur, Sprache und Spiritualität (buddhistische Prägung) sollen geschützt werden.
  3. Schutz der Umwelt: Der Naturschutz steht über dem wirtschaftlichen Profit. Per Gesetz müssen immer mindestens 60 Prozent des Landes bewaldet sein (aktuell sind es sogar über 70 Prozent). Bhutan ist dadurch eines der ganz wenigen Länder weltweit, das klimanegativ ist – es nimmt also mehr CO₂ auf, als es ausstößt.
  4. Gute Regierungsführung (Good Governance): Die Politik muss transparent sein und sich direkt an den Bedürfnissen und der Zufriedenheit der Menschen orientieren.

Jedes neue Gesetz und jedes Großprojekt muss ein politisches Prüfverfahren durchlaufen. Schadet eine Fabrik beispielsweise der Umwelt oder dem seelischen Wohlbefinden der Anwohner, wird sie trotz potenzieller Gewinne nicht genehmigt. Die Kehrseite und Kritik: Obwohl das Modell international als leuchtendes Vorbild gilt (und Konzepte davon mittlerweile von Ländern wie Neuseeland oder Island adaptiert werden), hat Bhutan im Alltag mit realen Problemen zu kämpfen:

  • Materielle Armut: Bhutan ist laut Weltbank wirtschaftlich gesehen ein Land mit niedrigerem mittlerem Einkommen. Junge, gut ausgebildete Bhutaner verlassen zunehmend das Land, weil es zu wenig qualifizierte Arbeitsplätze gibt.
  • Keine „Heile-Welt“-Garantie: Bei der letzten großen Erhebung des Glücksindexes (2022) galten rund 48 Prozent der Bevölkerung als „glücklich“. Die restlichen 52 Prozent fielen in die Kategorie „noch nicht glücklich“, weil ihnen grundlegende Dinge wie moderne Infrastruktur, Zeit oder bestimmte soziale Absicherungen fehlten.
  • Kultureller Druck: Die Säule der „Kulturbewahrung“ führte in der Vergangenheit auch zur Ausgrenzung und Vertreibung ethnischer Minderheiten (wie der nepalesischen Lhotshampa), die sich nicht der dominierenden bhutanischen Kultur anpassen wollten.

(Zwischen-)Fazit: Bhutan beweist, dass ein Staat seine Prioritäten radikal anders setzen kann als der Westen. Es zeigt aber auch, dass das Messen von „Glück“ die harten wirtschaftlichen Herausforderungen und globalen Abhängigkeiten eines Entwicklungslandes nicht einfach verschwinden lässt. Ein Sprichwort sagt: Wenn du mehr hast als du brauchst, bau keine höheren Zäune, sondern längere Tische.

Manch einer hat nicht viel. Doch auch Teilen kann glücklich machen - Foto: Kinderweltreise.de

Ortswechsel: Norwegen betreibt den größten Staatsfonds der Welt, den sogenannten „Staatlichen Pensionsfonds Ausland“ (Statens pensjonsfond utland). Er gilt weltweit als das Paradebeispiel dafür, wie ein Land endliche fossile Ressourcen in dauerhaften, generationengerechten Wohlstand für seine Bürger umwandelt. Als Norwegen Ende der 1960er Jahre riesige Öl- und Gasvorkommen in der Nordsee entdeckte, beschloss die Politik, die Einnahmen nicht sofort zu verpulvern. 1990 wurde der Fonds gegründet, 1996 floss die erste Einzahlung. Das Fondsvolumen liegt aktuell umgerechnet bei weit über 1.500 Milliarden Euro (das entspricht in etwa zwei "Elon Musks"). Rein rechnerisch entfallen auf jeden der rund 5,5 Millionen norwegischen Staatsbürger_innen weit über 270.000 Euro.

Die Anlagestrategie: Der Fonds investiert ausschließlich außerhalb Norwegens, um eine Überhitzung der heimischen Wirtschaft zu vermeiden. Er hält Anteile an rund 9.000 Unternehmen weltweit und besitzt im Schnitt etwa 1,5 Prozent aller börsennotierten Aktien der Welt. Doch entgegen einem weitverbreiteten Irrtum bekommen die norwegischen Bürger kein Geld direkt aufs Konto überwiesen. Der Profit fließt indirekt, aber dafür massiv in ihren Alltag:

  • Die Fiskalregel (Handlingsregelen): Die norwegische Regierung darf pro Jahr maximal die erwartete reale Rendite des Fonds (historisch festgelegt auf rund 3 Prozent) für den nationalen Haushalt nutzen. Das Stammkapital selbst bleibt unangetastet. Also in etwa, wie wenn man Anfang Januar 10.000 Euro in einen Aktienfonds steckt und am Ende des Jahres ist der meinetwegen 10.300 Euro wert. Dann dürfte man nur diese 300 Euro für sich entnehmen.
  • Finanzierung des Sozialstaates: Diese 3 Prozent der Rendite machen mittlerweile rund 20 Prozent des gesamten norwegischen Staatsbudgets aus. Damit werden Schulen, Krankenhäuser, die exzellente Infrastruktur, Elternzeit und das Rentensystem querfinanziert, ohne dass die Steuern für die Bürger extrem steigen müssen.
  • Polster für Krisenzeiten: In wirtschaftlichen Schwächephasen kann der Staat flexibel auf diese Renditen zugreifen, um Arbeitsplätze zu sichern und die Wirtschaft zu stützen.

Der norwegische Ölfonds ist eng mit der eingangs diskutierten Gemeinwohl-Ökonomie oder dem nachhaltigen Wirtschaften verwandt. Ein unabhängiger Ethikrat wacht streng darüber, worin investiert wird. Unternehmen werden konsequent aus dem Fonds ausgeschlossen (Divestment), wenn sie:

  • Menschenrechte verletzen oder schwere Umweltzerstörung betreiben
  • Tabakwaren oder bestimmte Waffensysteme (wie Atomwaffen oder Streubomben) herstellen
  • Zu stark auf Kohleenergie setzen

(Zwischen-)Fazit: Während viele andere ölreiche Staaten den plötzlichen Reichtum in Luxusprojekte für eine kleine Elite steckten, hat Norwegen ein demokratisches, transparentes Instrument geschaffen. Es sichert den Lebensstandard der heutigen Bevölkerung und sorgt dafür, dass auch zukünftige Generationen vom Ölreichtum profitieren, wenn die Quellen längst versiegt sind. 

Quelle: Business Insider

Dazu ein wirtschaftspolitisches Gedankenspiel. Hätte Deutschland seine in den 2000er Jahren weltweit führende Solarbranche (damals Marken wie Q-Cells, SolarWorld oder Conergy) massiv gegen die billigere Konkurrenz aus China verteidigt und die Gewinne in einen Staatsfonds nach norwegischem Vorbild gesteckt, stünde das Land heute wirtschaftlich, geopolitisch und strukturell völlig anders da. In der Realität brach die deutsche Solarindustrie ab 2011 ein, wodurch über 100.000 Arbeitsplätze verloren gingen. In unserem Szenario bleibt Deutschland Exportweltmeister für Photovoltaik (PV).

  • Der globale Solar-Boom als Renditebringer: Der weltweite PV-Markt ist seit 2010 explodiert. Hätte ein staatlicher Fonds (nennen wir ihn „Zukunftsfonds Generation Solar“) von jedem exportierten Modul, Wechselrichter und jeder Patentlizenz eine Abgabe einbehalten und global diversifiziert angelegt, wäre dieser Fonds heute gigantisch.
  • Geschätztes Fondsvolumen: Da der globale Solarmarkt im Vergleich zum jahrzehntelangen globalen Ölmarkt kleiner ist, hätte der Fonds nicht ganz die 1.500 Milliarden Euro Norwegens erreicht. Realistisch wäre jedoch ein dreistelliger Milliardenbetrag (ca. 300 bis 500 Milliarden Euro).
  • Auswirkung auf die Bürger: Dieser Fonds hätte die deutsche Rentenkasse massiv entlastet. Das aktuell real diskutierte, aber im Vergleich winzige deutsche „Generationenkapital“ (Aktienrente) wäre bereits seit 15 Jahren Realität und prall gefüllt.

 

Deutlicher Einbruch in 2011 - Quelle Grafik: IG Metall

In der Realität zahlten die deutschen Stromkunden über die EEG-Umlage Hunderte Milliarden Euro, um die weltweite Solartechnologie marktreif und billig zu machen – den industriellen Nutzen zog dann jedoch China. In unserem Szenario gäbe es...

  • Günstigen Strom im Inland: Da die Wertschöpfung komplett im Land geblieben wäre, hätten Steuereinnahmen aus der Solarindustrie die Umlagen für Bürger kompensieren können. Deutschland hätte heute vermutlich mit die niedrigsten statt mit die höchsten Industriestrompreise in Europa.
  • Keine fatale Abhängigkeit: Die deutsche Energiewende wäre wesentlich geradliniger verlaufen. Der massive Ausbau von Solarenergie in Kombination mit heimischer Speichertechnologie (die logische Weiterentwicklung der Solarfirmen) hätte den Übergang nach dem Atomausstieg massiv beschleunigt. 

Das reale Deutschland schlitterte 2022 in eine schwere Energiekrise, weil es von russischem Gas abhängig war, und ist heute bei Solarmodulen zu fast 90 Prozent von China abhängig. Im fiktiven Szenario dreht sich das Machtgefüge um:

  • Das „China der erneuerbaren Energien“: Europa und die USA wären heute technologisch und infrastrukturell von deutschen Lieferketten abhängig. Berlin hätte eine enorme geopolitische Hebelwirkung.
  • Resilienz gegen Krisen: Der Ukraine-Krieg hätte die deutsche Wirtschaft 2022 kaum getroffen. Die Kombination aus extrem hoher autarker Solarstrom-Einspeisung und den gigantischen Rücklagen des Solar-Staatsfonds hätte jede Rezession im Keim erstickt. 

Nebengedanke: Wir reden immer von Umwelt- oder Klimaschutz. Dabei ist das eigentlich eine völlig falsche Bezeichnung. Wir schützen nicht "die Umwelt" oder "das Klima". Wir schützen schlussendlich nur uns selbst. Zur Veranschaulichung: Auch wenn es auf dem Planeten heißer wird, es wird immer Pflanzen geben, die wachsen. Die Natur findet immer einen Weg. Problem: Das sind mitunter nicht die Pflanzen, die wir "schön" finden oder die uns vielmehr Nutzen bringen. Beispiel: Auf einem Acker müssen wir die Tomaten immer schön wässern, immer schön betüddeln. Das "Unkraut" steht hingegen auf furztrockenem Boden einen Meter hoch! Ohne irgendwelches Zutun. Auch Tiere kommen mit der Hitze klar - vielleicht nicht die Tiere, die wir schön und putzig finden oder für unsere Nahrungserzeugung brauchen... Wir wollen also vielmehr die Rahmenbedingungen für uns erhalten. Für das, was wir gewohnt sind. Jedoch: Die Natur braucht den Menschen nicht - aber der Mensch braucht die Natur!

Bild KI-generiert

Wenn wir davon sprechen, das Klima zu schützen, dann in erster Linie deshalb, weil wir eine erschreckend unanpassungsfähige Spezies sind. In diesem Riesen-Universum haben wir nach heutigem Stand der Wissenschaft diesen einen kleinen Planeten, diese Murmel, auf der wir theoretisch und praktisch leben können. Auf diesem einzigen Ort, den wir dafür kennen, einem unscheinbaren Außenposten der Milchstraße. Vom tiefsten Punkt der Erde (Marianengraben) bis zum höchsten Gipfel (Mount Everest) sind es gerade einmal knapp 20 km - nicht wirklich viel, verglichen mit der unfassbar großen Ausdehnung des Universums - bestenfalls vielleicht eine Haaresbreite im Vergleich. Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass wir bzw. unsere Vorfahren vor grauer Urzeit den waghalsigen und überhasteten Entschluss gefasst haben, aus dem Meer zu kriechen, an Land zu leben und Sauerstoff zu atmen. Auch dadurch ist dieser Planet ist zu einem Großteil für uns unbewohnbar: Viele Regionen sind zu kalt, zu heiß, zu trocken, zu feucht, zu niedriger (Luft-) oder zu hoher (Wasser-)Druck. Wir sind, was das angeht, unfassbar anstellig. Bezogen auf die gesamte Oberfläche des Planeten sind nur rund 21 Prozent der Erde für den Menschen dauerhaft bewohnbar. Und wenn wir mal die ganzen Wasserflächen außen vor lassen, wir betrachten ausschließlich die reine Landfläche, so liegt der bewohnbare Anteil hier auch nur bei 71 Prozent - die restlichen 29 Prozent der Landmasse sind Eis-/Wüsten, Gletscher, Salzflächen oder extremes Ödland. Warum es überhaupt ein wissenschaftlicher Wahnsinn ist, dass es uns gibt, habe ich in diesem Post schon einmal ausführlich beleuchtet. 

Unter diesem Aspekt wäre die Gemeinwohl-Ökonomie eher heute als morgen anzuraten. Wir müssten auch nicht mehr von "Umweltschutz" oder "Klimaschutz" sprechen, sondern vielmehr von "Menschenschutz". Das würde vielleicht (!) auch dazu führen, dass Merz, Reiche und Co. Klimaschutz nicht mehr gegen Wirtschaftsinteressen gegenrechnen... "der Menschenschutz darf dem Wirtschaftswachstum nicht im Wege stehen" möchte ich dann einmal aus des Kanzlers Mund hören.

 

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